Pullover-Streit

Stricken für Sarrazin

Foto: Massimo Rodari / Rodari

Munter klappern die Nadeln, schließlich soll Thilo Sarrazin nicht frieren müssen. Eine Zehlendorfer Rentnerin plant eine Protestaktion gegen den Finanzsenator und strickt eifrig am wärmenden Sweater. Inzwischen mehren sich die Rücktrittsforderungen gegen den umstrittenen SPD-Politiker.

Nach seinen Pullover-Äußerungen ist die Kritik an Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) nicht abgerissen. Es gab erneut Rücktrittsforderungen und erste Protestaktionen kündigten sich an.

So will Jutta Georgius (70) einen Pullover für den Senator und seine Gattin stricken. Dafür will sie sich am nächsten Dienstag auf die Treppen des Roten Rathauses setzen. Die Rentnerin sagte: „Wir wissen selber, wo wir sparen müssen.“ Belehrungen des Finanzsenators brauche sie nicht.

An der Basis der Linkspartei forderte am Mittwoch der erste Politiker Sarrazins Rücktritt. Mark Seibert, Mitglied des Bezirksvorstandes Friedrichshain-Kreuzberg sagte, dass er notfalls beim Landesparteitag der Linken im Oktober einen entsprechenden Parteibeschluss erwirken will. „Nun muss ein klarer Schnitt kommen“, sagte Seibert.

Der Berliner Landesvorstand der Linken wird sich diese Forderung nach Angaben seines Vize-Vorsitzenden Wolfgang Albers nicht zu Eigen machen. „Sarrazin ist ein Problem für die Akzeptanz der rot-roten Koalition in Berlin. Wir haben Sarrazins unüberlegte Äußerungen immer wieder prononciert kritisiert. Aber wir werden seinen jüngsten Fehlgriff nicht zur Koalitionskrise machen und seinen Rücktritt fordern.“

Der FDP-Fraktionsvorsitzende Martin Lindner unterstützte dagegen Sarrazin in der Sache: „Sozialtarife und Heizkostenzuschläge für Bedürftige sind Unsinn. Wir dürfen nicht vergessen, dass alle Normal- und Geringverdiener, die nicht in den Genuss von Sozialtarifen kommen, die Differenz begleichen müssen und damit draufzahlen.“

Lindner fügte hinzu: „Statt Modetipps zu erteilen, sollte sich Sarrazin daran erinnern, dass der Senat die energetische Sanierung städtischer Wohnungen aufgrund eigener Profitvorstellungen behindert und damit für die teils hohen Betriebskosten verantwortlich ist.“

( al/sco/dpa )