Halbjahresbilanz

Polizei greift 650 betrunkene Jugendliche auf

In Berlin sind im ersten Halbjahr bereits mehr als 650 betrunkene Jugendliche aufgegriffen worden. „Es fällt auf, dass zunehmend junge Mädchen zur Flasche greifen", sagte Polizeisprecher Bernhard Schodrowski.

Dies sei auch auf der Fanmeile zur Fußball-Europameisterschaft zu beobachten gewesen. Viele der Minderjährigen hätten sich auf Straßen, in Parks oder auf Spielplätzen so schwer betrunken, dass sie ins Krankenhaus gebracht werden mussten. „Alkoholtrinken in der Öffentlichkeit ist gesellschaftlich akzeptiert und gilt auch bei jungen Menschen zunehmend als schick“, sagte der Sprecher zu der Entwicklung.

Seit dem tödlichen Alkoholexzess eines 16-Jährigen, der bei einem Wetttrinken mehr als 40 Tequilas getrunken haben soll, registriert die Berliner Polizei seit April des Vorjahres Vorfälle mit alkoholisierten Jugendlichen. Der Fall hatte bundesweit die Diskussion um ein generelles Alkoholverbot für Kinder und Jugendliche ausgelöst. Nach der Berliner Statistik wurden seit April 2007 bis Ende Juni 2008 in der Hauptstadt 1320 junge Menschen geschnappt, die meist zu viel Hochprozentiges konsumiert hatten.

Von Januar bis Ende Juni dieses Jahres wurden genau 657 alkoholisierte Minderjährige auffällig. Die Jüngsten seien erst 12 und 13 Jahre alt gewesen. Mit 155 alkoholisierten Jugendlichen sei die Zahl im Februar am höchsten gewesen. Dass im Juni „lediglich“ 71 junge Betrunkene aufgegriffen wurden, liegt laut Polizei vermutlich an den Prüfungen in den Schulen.

Die Polizei plädiere für verstärkte Alkoholkontrollen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen, sei aber – mit Ausnahme des Gewerbeaußendienstes – allein nicht zu verdachtsunabhängigen Kontrollen in Gaststätten oder Discotheken befugt. „Wir können einschreiten, wenn Betrunkene randalieren oder andere gefährden“, sagte der Sprecher. Die Polizei biete den Bezirksämtern gemeinsame Jugendschutz-Kontrollen an. Den Bezirken fehle dafür aber in vielen Fällen Personal. Die Ermittlungsgruppe „Wirt“ beim Landeskriminalamt prüfe aber beispielsweise, unter welchen Umständen Schüler an Alkohol kommen.