Verkehr

Berlin wird in den Ferien zur Staufalle

Ob Spandauer Damm oder Friedrichstraße, in den kommenden Wochen müssen Autofahrer in Berlin viel Geduld mitbringen. Wir sagen Ihnen, wo Sie während der Ferienzeit mit Ihrem Fahrzeug mehr Zeit einplanen müssen.

Foto: tst/gb / DDP

Die Stadtautobahn A 100 ist rund um die Spandauer-Damm-Brücke (Charlottenburg) schon seit ein paar Tagen zur bösen Falle für Berlins Autofahrer geworden. Wo die Berliner in den Sommerwochen bis zum 31. August noch mit Behinderungen zu rechnen haben, hat die Verkehrslenkung Berlin (VLB) in einer Übersicht über die wichtigsten Sommerbaustellen bekannt gegeben. Aufgelistet sind darin nur jene Baustellen, die das übergeordnete Straßennetz der Stadt betreffen, und von denen erhebliche Behinderungen des fließenden Verkehrs erwartet werden. Doch selbst deren Zahl ist beachtlich: 34 Staustellen sind darin aufgeführt.

"Insbesondere zu den Verkehrsspitzenzeiten besteht bei den aufgeführten Baustellen erhöhte Staugefahr“, sagte Hans-Jörg Jähne, stellvertretender Leiter der VLB. Aus diesem Grund seien die Arbeiten, die vor allem die Strom, Gas- und Wasserversorger an ihrem Leitungsnetz durchführen wollen, in die verkehrsärmere Ferienzeit verlegt worden.

An der Spandauer-Damm Brücke etwa stehen den Autofahrern derzeit in beiden Fahrtrichtungen nur noch jeweils zwei Spuren zur Verfügung. Vorwärts geht's im Berufsverkehr nur meterweise. Wie berichtet, muss die baufällige Brücke abgerissen werden. Bevor der Abbruch der nördlichen Brückenhälfte beginnt, werden aus bautechnischen und statischen Gründen die Rampen der Autobahnanschlussstelle vollständig zurückgebaut. Die Fahrtrichtung Dreieck Funkturm ist bis zum 1. August von dem Engpass betroffen. Kraftfahrer in Richtung Dreieck Charlottenburg müssen bis zum 26. Juli auf eine der drei Fahrspuren verzichten. Vom 1. August, 22 Uhr, bis 4. August, 4 Uhr soll die Spandauer Damm-Brücke gesperrt werden, das Vorgehen wiederholt sich am darauffolgenden Wochenende vom 8. bis 11. August.

Auch in der Innenstadt war das Vorwärtskommen gestern ein zähes Unterfangen. Zusätzlich behindert wurden Autofahrer durch die Sperrungen im Bereich Brandenburger Tor: Für den 7. Berliner Firmenlauf wurden dort mehrere Straßenabschnitte gesperrt. Bereits am 24. August soll die Straße des 17. Juni erneut gesperrt werden, für das Skaterrennen XRace. Die Auf- und Abbauzeiten stehen noch nicht fest. „Veranstaltungen, die einen Imagegewinn für die Stadt bedeuten, werden trotz der vielen Baustellen genehmigt“, erklärt Jähne diese Staufallen. Insgesamt belasten derzeit rund 400 Baustellen das Hauptverkehrsnetz.

Zusätzlich zu den geplanten Baumaßnahmen kommen Havarien, wie etwa die Vattenfall-Baustelle an der Potsdamer Brücke. Der Stromversorger beseitigt dort eine Leckstelle: Die Stromleitungen liegen in ölgekühlten Rohren. Bis 30. August wird auf der Potsdamer Straße in mehreren Bauabschnitten gearbeitet. Am Schöneberger Ufer stehen seit gestern und noch bis zum 6. August statt drei nur zwei Fahrspuren zur Verfügung. Am Potsdamer Platz standen Autofahrer gestern Abend entnervt im Stau.

Während früher viele Autofahrer im Sommer auf die öffentlichen Verkehrsmittel umgestiegen sind, kommt das in der Ferienzeit 2008 für viele jetzt nicht mehr in Frage: Die wichtige Ost-West-Linie U1 ist für die kommenden vier Monate zwischen Uhlandstraße und Kottbusser Tor komplett gesperrt. Nicht nur die Pendler fluchen, auch die Taxifahrer sind genervt. Auf der Stadtautobahn verlieren sie wertvolle Zeit. „Die Strecke vom Flughafen Tegel bis Steglitz könnte man in 15 Minuten schaffen“, sagt Taxifahrer Hüseyin Göl. „Zurzeit brauche ich dafür 35 bis 40 Minuten.“ Und: „In Mitte steht man eigentlich immer im Stau.“

Im Feierabendverkehr nutzt Taxifahrer Harald Ewald die Stadtautobahn mittlerweile schon gar nicht mehr. Genauso wenig die Friedrichstraße. „Aber mittlerweile sind dort auch die Parallelstraßen verstopft, weil so viele die Friedrichstraße meiden.“ Auch die dauernden Sperrungen der Straße des 17. Juni ärgern ihn. „Das nimmt Überhand. Einen Lauf kann man doch auch im Wald durchführen.“