Madame Tussauds

Wachs-Hitler wird wieder in Berlin aufgestellt

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Die Entscheidung ist gefallen: Die Figur von Adolf Hitler kehrt in das neue Wachsfigurenkabinett in Berlin zurück. Zuvor wird die von einem Besucher geköpfte Puppe allerdings in London repariert. Außerdem wird sie künftig wohl nicht mehr so leicht zu berühren sein.

Die am Samstag zerstörte Wachsfigur des Diktators Adolf Hitler soll in Berlin wieder aufgestellt werden. Wie das Wachsfigurenkabinett Madame Tussauds mitteilte, solle die Figur nach der Reparatur so schnell wie möglich in die Ausstellung zurückkehren.

Adolf Hitler stehe für einen entscheidenden Teil in der Berliner Geschichte, der nicht verleugnet werden könne, begründeten Museumsvertreter die Entscheidung. Zudem hieß es in einer Erklärung, Madame Tussauds sei unpolitisch und kommentiere oder bewerte weder die Personen, die in der Ausstellung gezeigt würden, noch, was sie im Laufe ihres Lebens getan hätten. „Ausgewählt werden die Figuren aufgrund Ihrer Popularität oder Ihrer Bedeutung, den Lauf der Geschichte entscheidend beeinflusst zu haben – im Guten wie im Schlechten.“ Zunächst müsse die rund 200.000 Euro teure Figur des NS-Diktators allerdings „überarbeitet“ werden.

Madame Tussauds erklärte weiter, man behandele die Meinungen um die Figur Adolf Hitler „mit großem Respekt“. So sei bei der Entwicklung der Hitler-Darstellung „mit erheblichem Forschungsaufwand und Sensibilität“ vorgegangen worden. Es sei bedauerlich, dass „eine Einzelperson nicht denselben Respekt gegenüber der Ausstellung gezeigt hat“.

Nach Informationen der ARD-„Tagesschau“ sollen in dem Kabinett auf dem Boulevard Unter den Linden die Sicherheitsmaßnahmen verstärkt werden.

Kurz nach der Eröffnung des Wachsfigurenkabinetts am Samstag hatte der 41-jährige Frank L., ein Ex-Polizist aus Kreuzberg, den Kopf der umstrittenen Adolf-Hitler-Figur abgerissen. Der Mann wurde von der Polizei festgenommen und kurze Zeit später wieder auf freien Fuß gesetzt. Er sagte im Gespräch mit Morgenpost Online, die Enthauptung der Wachspuppe sei Folge einer spontanen Wette gewesen. Er finde es nicht gut, Hitler auszustellen, bereue die Tat aber mitlerweile. Die Polizei sieht keine veränderte Sicherheitslage. Frank L. soll in den nächsten Tagen erneut vernommen werden.

Seit Tagen hatte es heftige Diskussionen gegeben, ob die Nachbildung des Diktators überhaupt in dem Kabinett gezeigt werden darf. Der Leiter der Gedenkstätte Deutscher Widerstand, Johannes Tuchel, nannte die Darstellung „überflüssig und geschmacklos“. Zudem sei die Begründung von Madame Tussauds „unsinnig und unangemessen“. Sie zeuge von einer „grandiosen Selbstüberschätzung“ eines auf Unterhaltung ausgerichteten Unternehmens. „Madame Tussauds ist wirklich nicht das einzige Museum in Berlin, in dem man sich über Geschichte informieren kann“, fügte Tuchel hinzu.

„Dies ist ein Stück Unterhaltungskultur, das ich persönlich geschmacklos finde“, sagte auch SPD-Generalsekretär Hubertus Heil. Über Geschmack könne man aber bekanntlich streiten. Er halte die ganze Aufregung über die Schau ohnehin für ein Sommerlochthema.

Der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki sprach sich hingegen für die Rückkehr der Hitler-Nachbildung aus. „Die Hitler-Figur soll wieder aufgestellt werden, um das deutsche Volk daran zu erinnern, dass es ihn gegeben hat! Es ist zu bequem, das einfach zu verdrängen“, sagte er der Tageszeitung „B.Z.“

Vom Zentralrat der Juden in Deutschland kam ein zurückhaltender Kommentar. „Ich bin nicht unglücklich, wenn die Figur nicht wieder aufgestellt wird“, sagte der Generalsekretär Stephan Kramer. Der Zentralrat hatte sich im Vorfeld nicht dagegen ausgesprochen, die Hitler-Figur aufzustellen, hatte aber erläuternde Tafeln gefordert.

Das Kabinett am Boulevard Unter den Linden war am Samstag zum ersten Mal für das Publikum zugänglich. Es zeigt auf 2500 Quadratmetern und zwei Etagen 75 Wachsfiguren von Persönlichkeiten aus Politik, Sport und Showbusiness. Im Gegensatz zu den übrigen Exponaten durften die Besucher die Hitler-Skulptur nicht fotografieren oder berühren. Madame Tussauds erklärte, die Ausstellung sei weiterhin für die Besucher geöffnet. Die Puppe des Nazi-Führers sei nur eine von über 70 Figuren.

( ddp/dpa/sh )