Ausgetretene Pfade gehen diese drei Frauen nicht so gern. Wer eine Kunst- und Architekturführung bei ihnen bucht, darf sich auf eine Tour abseits etablierter Wege freuen. Stefanie Gerke, Nele Heinevetter und Katharina Beckmann, alle Anfang 30, zeigen den Teilnehmern aufregende Kunstorte statt renommierter Galerien und außergewöhnliche Bauprojekte statt alt­bekannter Architektur. „Ob in Charlottenburg oder im Wedding“, sagt Gerke.

Ihre Kunden sind Touristen ebenso wie Einheimische. „Jede Tour ist individuell“, erzählt Stefanie Gerke, neben Nele Heinevetter eine der beiden Kunsthistorikerinnen im Team. Die Dritte im Bunde, Katharina Beckmann, ist Architektin und Denkmalpflegerin. Dem Team macht es Spaß, auf Details und die eher unbekannten Geschichten hinter Berliner Kunstprojekten und Gebäuden aufmerksam zu machen.

Zum Beispiel am Bau von Architekt Arno Brandl­huber in der Brunnenstraße: Das Haus sei „recht zurückgenommen, aber total spektakulär, wenn man sich damit beschäftigt“, schwärmt Gerke. „Und wenn man es richtig erklärt.“ In diesen Genuss sollen die Teilnehmer ihrer Führungen kommen.

Der Name Niche ist international verständlich

Vier bis fünf Stopps – zu Fuß, per Auto oder Kleinbus – hat jede ihrer Touren. Sie bieten sie unter dem Namen Niche an. Das spricht sich „Niesch“ und tatsächlich soll das Wort „Nische“ darin mitschwingen. „Der Begriff funktioniert mit derselben Bedeutung auch im Englischen und im Französischen“, sagt Nele Heinevetter. Das Ziel von Niche: „Die Leute sollen ein Gefühl für die Architektur und die Kunstszene Berlins bekommen“, erklärt sie.

Kennengelernt haben sich Gerke und Heinevetter schon in ihrem kunstgeschichtlichen Studium. Über private Kontakte kam kurz darauf Architektin Beckmann hinzu. Auch sie war damals, im Jahr 2009, noch Studentin. Die berühmte Chemie stimmte zwischen den Dreien auf Anhieb. Sie hatten und haben denselben Anspruch an die Vermittlung von Kunst und städtebaulichen Veränderungen.

Das ließ sie schnell auch in Richtung einer gemeinsamen Existenzgründung denken. „Für uns alle war klar, dass wir nach dem Studium keine klassische Laufbahn einschlagen würden“, erzählt Nele Heinevetter. Und Katharina Beckmann ergänzt, dass sie es schon immer viel spannender gefunden habe, Fachwissen über Architektur zu vermitteln, als Häuser zu bauen.

Die Künstler haben großes Interesse am Austausch

Aus Gesprächen mit den Machern von Kunst und Architektur wissen sie, dass auch dort ein großes Interesse besteht, sich der Öffentlichkeit zu stellen und „eine andere Art von Austausch“ zu schaffen. Die soll Niche bieten, indem die Führungen nicht nur Sehenswertes zeigen, sondern auch das Kennenlernen der Architekten, Künstler und Galeristen vor Ort ermöglichen.

„Begegnungen sind wichtig“, sagt Stefanie Gerke. Interessante Anlaufstellen kennen sie inzwischen Hunderte. „Im Sommer finden etwa 20 Touren pro Monat statt“, erzählt Katharina Beckmann. Für Niche sind insgesamt zehn Führer unterwegs.

Ihre Geschäftsidee reichten die Drei 2009 beim Businessplan-Wettbewerb der Investitionsbank Berlin (IBB) ein. Verglichen mit den Inhalten des Studiums sei das für sie etwas ganz anderes gewesen, erinnert sich Heinevetter. In der letzten Runde hatten sie ihren Businessplan vor 20 Banken- und Handelskammervertretern präsentieren müssen.

Da tauchten dann auch Fragen auf, wie etwa: Wie leiten Sie die Absatzzahlen her? Beantworten konnte das Niche-Team offenbar alles zur vollen Zufriedenheit der Jury. „Wir haben den zweiten Platz in der Gesamtbewertung gemacht“, sagt Stefanie Gerke. „Es war toll zu sehen, dass wir auch konzeptionell gut zusammenarbeiten“, findet Nele Heinevetter.

Auf der Suche nach einem neuen Showroom

Ihr Büro in Mitte, nahe der Bernauer Straße, ist momentan ihr einziges Domizil. Bis vor einem halben Jahr gab es noch den Showroom in einem ehemaligen Blumenladen in Wedding, den sie aber räumen mussten. Zurzeit sucht das Trio nach einem neuen Showroom, in dem sie auch ihre eigenen Projekte präsentieren können. „Das läuft getrennt von unseren Führungen“, erzählt Nele Heinevetter. Aber beide Bereiche profitierten voneinander.

Inzwischen haben sich die Drei als Niche-Girls einen Namen in der Kulturszene gemacht. „Es ist fast schon ein Synonym für Frauen, die für Architektur und Kunst stehen“, sagt Katharina Beckmann lachend. „Und wenn nur zwei von uns auf irgendeiner Vernissage auftauchen, wird sofort nach der Dritten gefragt“, amüsiert sich auch Nele Heinevetter.

Auch nach sieben Jahren funktioniert das Team noch immer bestens. „Es ist schöner, mit Freunden zusammenzuarbeiten als mit Kollegen“, findet Heinevetter. Zu Niches Portfolio gehören außer den Führungen auch Vortragsreden und Beratung am Kunstmarkt. Nicht alles ist Herzensangelegenheit.

„Jede von uns macht auch Brotprojekte“, sagt Stefanie Gerke. „Aber es vernetzt sich auch alles, wir wollen uns ja nicht nur auf eine Aufgabe konzentrieren.“ Was Arbeit und was Freizeit ist, können die drei Niche-Girls dann auch gar nicht so genau sagen. „Es ist schwierig zu trennen“, sagt Stefanie Gerke. „Wir haben unsere Leidenschaft zum Beruf gemacht.“