Logistik

Start-ups wollen Logistikbranche mit App revolutionieren

Smarte Technik für Lkw-Fahrer stoppt kostspielige Leerfahrten in den USA – und bringt den Truckern zusätzlich einen Bonus pro Auftrag.

Eine App weist Truckern in den USA den Weg.

Eine App weist Truckern in den USA den Weg.

Foto: TruckerPath

New York.  Start-ups wollen die amerikanische Logistikbranche revolutionieren. Statt Zettelchen und Zwischenhändlern soll nun eine App zwischen Unternehmen und Fahrer vermitteln. Investiert haben auch Silicon-Valley-Größen wie die Gründer von Amazon und eBay.

Sobald Chad Boblett in seinen Truck gestiegen ist, den Kaffeebecher in der Mittelkonsole abgestellt und seiner Frau zum Abschied gewunken hat, lässt er Lexington im Bundesstaat Kentucky weit hinter sich. „Ich liefere Ware in alle 50 Staaten aus“, erzählt er. Er ist selbstständig, und sein einziger Truck ist gleichzeitig sein ganzes Unternehmen. Das macht ihn unabhängig. Doch mit der Freiheit kommen auch die Sorgen. Sie werden immer dann besonders laut, wenn er am weitesten weg ist von zu Hause, wenn er seine Ware abgeliefert hat. Denn dann ist der Lastwagen leer.

Das Internet revolutioniert die Logistikbranche

„Eine Leerfahrt ist das Schlimmste für einen Fahrer“, sagt Norita Taylor von der Vereinigung unabhängiger Trucker in Missouri. Der Kraftstoff wird verbrannt, das Material verschleißt und die Zeit ist verloren – ohne einen Cent einzunehmen.

Start-ups wie Convoy, TruckerPath oder Keychain Logistics wollen diese Leerfahrten verhindern und haben Applikationen für Smartphones entwickelt. Das Internet verändert auch die Logistikbranche. Dort sind Apps mehr als technische Spielereien. Unternehmer wie der Convoy-Gründer Dan Lewis wollen die 700 Milliarden schwere Branche revolutionieren, indem sie den gesamten Prozess der Frachtvermittlung durchbrechen: In der Regel vermittelt ein Frachtmakler zwischen Spedition oder Unternehmen und Fahrer. An Raststätten hängen Zettel mit Abhol- und Zielort und der auszuliefernden Ware aus. Selbstständige Fahrer können dann beim Makler anrufen und die Einzelheiten verhandeln. Der Makler streicht für die Vermittlung eine Provision von rund 20 Prozent ein.

Die App wählt den nächsten und bestgeeigneten Fahrer aus

Mit der Convoy-App könnten Fahrer viel mehr pro Auftrag verdienen, sagt Lewis. Denn: Die App ersetzt den Makler und entlohnt Fahrer pro Auftrag mit einem kleinen Bonus. Convoy selbst verdient pro Auftrag nur einen geringen Prozentsatz des Auftragswertes. Die App funktioniert wie ein großes Netzwerk aus Fahrern, Speditionen und Unternehmen. Speditionen oder Unternehmen können ihre Fracht posten, die App wählt den nächsten und am besten geeigneten Fahrer aus. Der hat dann zwei Stunden Zeit, das Angebot anzunehmen – sonst wird es neu vergeben. Das verhindert, dass mehrere Fahrer anrollen und leer ausgehen.

Doch Makler kosten nicht nur Geld. „Es kostet mich jeden Tag viel Zeit, mit den Maklern einen Auftrag abzuwickeln“, sagt Fahrer Chad Boblett. Bislang werden Aufträge am Telefon vermittelt. Will ein Unternehmen Ware transportieren, ruft es einen Makler an. Dann geht es um Details der Fracht, um Gewicht und Menge, auch um Anforderungen an den ausliefernden Truck. Um den passenden Fahrer zu finden, brauche es schon mal 20 Anrufe, sagt Boblett.

Der Makler telefoniert lange hin und her – noch

Zum Schluss verhandelt er mit dem Makler den Preis. Je höher der ist, desto höher fällt auch die Provision aus. Der Makler telefoniert so lange hin und her, bis sich Fahrer und Unternehmen geeinigt haben. 250 Anrufe dieser Art mache ein Makler am Tag, sagt Dan Lewis.

Convoy hat seit Gründung im April 2,5 Millionen Dollar von namhaften Investoren eingesammelt. Etwa Marc Benioff, Chef des Internet-Softwareriesen Salesforce, sowie Dropbox-CEO Drew Houston. Auch eBay-Gründer Pierre Omidyar und Amazon-Gründer Jeff Bezos halten die Trucker Apps für so attraktiv, um selbst zu investieren.

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