Start-up-Fabrik

Rocket Internet nimmt die Reisebranche ins Visier

Die Berliner Start-up-Fabrik Rocket Internet will 2015 mindestens zehn Unternehmen gründen. Rocket-Chef Oliver Samwer setzt dabei auf die Reisebranche. Zugleich kooperiert Rocket mit Facebook.

Foto: Boris Roessler / dpa

Die Berliner Internet-Holding Rocket Internet bleibt auf Wachstumskurs. „Es ist unser Ziel, auch 2015 wieder mindestens zehn neue Start-ups auf den Weg zu bringen“, sagte Gründer und Konzernchef Oliver Samwer am Montag. Er will künftig mehr in die Online-Reisebranche investieren und sieht hier vor allem wegen der wachsenden Mittelschicht in Ländern wie Indien und Indonesien Chancen. Samwer kündigte zudem eine verstärkte Zusammenarbeit mit Facebook an.

Rocket Internet sei auf gutem Weg, die für 2014 angepeilten zehn Unternehmensgründungen zu erreichen. „Wobei sieben neue Geschäftsmodelle bereits gestartet wurden und sich drei weitere in Vorbereitung befinden“, sagte Samwer.

Die Holding gründet vor allem in Schwellenländern wie Indien und Brasilien Online-Dienstleister wie am Fließband – vom Möbelhändler bis zum Taxi-Dienst. Rocket bedient sich dabei Geschäftsmodellen, die andere Startup-Unternehmer etwa in den USA schon mit Erfolg erprobt haben. Das gesamte Netzwerk habe derzeit rund 25.000 Beschäftigte und damit etwa 4500 mehr als Ende Juni 2014, sagte Samwer.

Am Montag legte Rocket Internet Zahlen für ein Dutzend größerer Startups unter ihren Beteiligungen wie die Modehändler Dafiti und Lamoda und die Möbelhändler Home24 und Westwing vor. Diese sogenannten „Proven Winners“ hätten im ersten Halbjahr binnen Jahresfrist ihr Bruttowarenvolumen („GMV“) etwas mehr als verdoppelt. Dies gilt als Summe, die Internethändler durch Verkäufe über ihre Website einspielen.

Rocket Internets Börsengang brachte 1,4 Milliarden Euro

Diese größeren Beteiligungen hätten zudem operativ gut zugelegt und ihre – bisher allerdings noch negative – Ebitda-Marge im Schnitt um zwölf Prozentpunkte im Vergleich zum Gesamtjahr 2013 verbessert. „Wir sind auf einem guten Weg und die Entwicklung unserer 'Proven Winners' hat unsere Erwartungen erfüllt“, sagte Samwer. Er betonte, insgesamt würden die meisten Firmen zwischen fünf und neun Jahre brauchen, bis sie Gewinne erwirtschafteten.

Rocket Internet war im Oktober an die Börse gegangen und hatte 1,4 Milliarden Euro bei Investoren eingesammelt. Für viele ihrer Start-up-Firmen, die auch in Ländern wie Indien, Brasilien oder Russland sitzen, hat die Holding noch keine Bilanzen vorliegen. Deshalb ist die Rocket Internet-Aktie zunächst nur im schwach regulierten Entry Standard notiert.

Die Rocket-Firmen, die im Schnitt erst zwei Jahre alt sind, schreiben in der Regel aber noch hohe Verluste. Samwer will künftig die neu gegründeten Firmen bei Erfolg auf Dauer behalten und nicht mehr wie bisher rasch Anteile an andere finanzkräftigere Investoren abgeben.

„Weltmarktführer bei Werbung auf Facebook“

Nach dem Börsengang, bei dem die Aktien zu 42,50 Euro platziert worden waren, gingen die Anteilscheine zunächst auf Talfahrt. Nach einigen positiven Analystenkommentaren erholten sich die Titel jedoch. Am Montag legte die Rocket-Aktie 0,3 Prozent auf 48 Euro zu.

Weiteren Schub erhofft sich Rocket durch die Zusammenarbeit mit Facebook. Das weltgrößte Internet-Netzwerk werde Rocket bei Werbestrategien helfen. Zudem könne Rocket neue Werbeangebote von Facebook testen.

Das solle sicherstellen, dass Rocket-Beteiligungen „Weltmarktführer bei Werbung auf Facebook“ sind. Das Online-Netzwerk werde ihnen dafür unter anderem Zugang zu Tests neuer Werbe-Funktionen gewähren und die Mitarbeiter regelmäßig schulen.

Facebook testet Firmennetzwerk

Das weltgrößte Online-Netzwerk Facebook will offenbar auch bei der internen Kommunikation in Unternehmen mitmischen. Mit „Facebook at Work“ sollen sich Mitarbeiter untereinander austauschen und gemeinsam an Dokumenten arbeiten können, berichtete die „Financial Times“ am Sonntag.

Außerdem könnten sie sich mit beruflichen Kontakten vernetzen. Die Unternehmensversion solle äußerlich sehr die gewohnte Facebook-Website aussehen, aber Nutzern erlauben, berufliche und private Profile zu trennen. Der Dienst werde gerade mit Firmen getestet, hieß es unter Berufung auf informierte Personen. Facebook würde mit einem solchen Schritt viele Rivalen auf einmal angreifen. So wetteifern unter anderem Microsoft und Google darum, Unternehmen eine Plattform für die Arbeit mit Dokumenten zu bieten. Die Verbindung zu beruflichen Kontakten könnte ins Geschäft heutiger Karriere-Netzwerke wie LinkedIn oder Xing schneiden.

Facebook ist das mit Abstand größte Online-Netzwerk mit über 1,3 Milliarden Nutzern. Allerdings sperren einige Unternehmen Facebook derzeit aus, weil sie befürchten, dass Mitarbeiter zu viel Bürozeit damit verbringen würden.