Ein „geschulter“ Einkäufer liefert binnen zwei Stunden online bestellte Lebensmittel und Getränke an die Haustür – das ist das Konzept der Firma Shopwings, die am Montag in München an den Start gegangen ist. Die Kunden zahlen für den Service 4,90 Euro pro Einkauf, dazu kommen Aufschläge auf manche Preise, wie ein Sprecher des Unternehmens sagte. Die Einkäufer arbeiten auf eigene Rechnung, sie können maximal 20 Euro pro Lieferung verdienen. Das Unternehmen solle „möglichst schnell“ auf andere Städte und international ausgeweitet werden, sagte der Sprecher. Finanziell unterstützt wird Shopwings von der seit kurzem börsennotierten Berliner Internetschmiede Rocket Internet.
Nutzer von Shopwings können sich über die gleichnamige Seite derzeit einen Einkauf aus rund 6000 Produkten zusammenstellen und dann liefern lassen. Der „persönliche Shopper“ kann eine Bestellung aber auch ablehnen – etwa wenn ihm ein Einkaufsweg zu weit ist. Mit der Bestellung gibt der Kunde seine Daten an; so könne der Einkäufer den Kunden auch anrufen, sollte ein bestimmtes Produkt nicht vorrätig sein. In München stünden derzeit 20 bis 30 Shopper zur Verfügung, sagte der Sprecher weiter.
Shopwings versuche, bei vielen Produkten beim Preis nicht aufzuschlagen, „weil wir wissen, dass Kunden in Deutschland sehr preissensibel sind“. Viele empfänden Einkaufen aber als „stressig und zeitraubend“, wie Mitgründer Florian Jäger erklärte. „Wir glauben, dass Menschen nach modernen Lösungen suchen, um ihre Freizeit für Dinge zu nutzen, die wirklich wichtig sind.“
Nur fünf Prozent bestellen Lebensmittel regelmäßig im Internet
Online-bestellte Lebensmittel liefern in Deutschland bereits mehrere Anbieter nach Hause. Der Anteil am gesamten Lebensmittelmarkt ist aber noch sehr gering. Laut einer Umfrage vom Oktober 2013 bestellen nur fünf Prozent der Befragten regelmäßig Lebensmittel im Netz. Drei von vier Deutschen haben dies demnach noch nie getan. Mit der wichtigste Grund für die geringe Bereitschaft der Verbraucher zu Alltagseinkäufen über das Internet ist der Umfrage zufolge die Zufriedenheit mit den bestehenden Einkaufsmöglichkeiten vor Ort.
Shopwings verwies auf eine Studie der Unternehmensberatung Boston Consulting. Danach wird der Umsatz mit Lebensmitteln im Internet von 36 Milliarden Dollar (28,5 Milliarden Euro) im Jahr 2013 auf rund 100 Milliarden Dollar im Jahr 2018 steigen. Bei Shopwings gebe es zudem einen „direkten persönlichen Kontakt“ zwischen Kunde und Einkäufer. „Wir sind fest davon überzeugt, dass es den Bedarf gibt, das Internet menschlicher zu machen“, erklärte Mitgründer Jäger.
AFP


