Konfettiregen auf dem Frankfurter Börsenparkett und eine Jubelstimmung wie zu Zeiten des Neuen Marktes: Mit großer Show hat der Onlinemodehändler Zalando am Mittwoch sein Börsendebüt gefeiert. Das Kursfeuerwerk brannte allerdings schnell nieder. Mit 21,50 Euro lagen die Aktien zum Ende des Xetra-Handels exakt auf der Höhe des Ausgabepreises.

Angesichts der Börseneuphorie rund um Internetfirmen hatten viele einen fulminanteren Start erwartet – speziell nach dem großen Erfolg des chinesischen Onlinehändlers Alibaba an der Wall Street im September. Investoren warnen bereits vor einer neuen Technologieblase wie zu Beginn des Jahrtausends.

„Es fühlt sich ein bisschen an wie eine Einschulung“, sagte Zalando-Mitgründer Robert Gentz kurz nach dem Börsenstart des vor sechs Jahren gegründeten Unternehmens. „Jetzt müssen wir nur noch gute Noten schreiben.“ Zunächst schnellte die Aktie um zwölf Prozent auf 24,10 Euro in die Höhe, bröckelte dann aber wieder ab. Händler hatten vor Börsenstart auf Kurse von 27 Euro gesetzt.

Geschenkpakete auf dem Parkett

Zalando feierte den Börsengang wie kaum ein Neuling in den vergangenen Jahren: Mitarbeiter und Vorstände hinter Packtischen verschenkten auf dem Platz vor der Börse weiß-schwarze Zalando-Pakete mit Flip-Flops – dem ersten Produkt, das das Start-up-Unternehmen 2008 verkauft hatte.

Auf dem Börsenparkett drängelten sich Zalando-Manager, Investmentbanker, Händler und Journalisten zwischen überdimensionalen Zalando-Schachteln. Auf den Händlertresen standen Turnschuhe und hochhackige Pumps. Und als der erste Kurs auf der Anzeigetafel zu lesen war, ertönte – noch vor der Börsenglocke – der „Schrei vor Glück“ über die Lautsprecher, mit dem sich Zalando in der TV-Werbung Bekanntheit verschafft hat.

„Das letzte Mal, dass auf dem Parkett mehr Journalisten als Händler waren, war während der Eurokrise“, sagte Robert Halver von der Baader Wertpapierhandelsbank. „Bei einem Börsengang habe ich das zuletzt bei der Telekom in den 90er-Jahren erlebt.“ Er glaube nicht, dass mit Zalando und der Schwesterfirma Rocket Internet, die heute an die Börse geht, die Grundlage für eine deutsche Internetblase gelegt werde.

„Zeichen für die Rückkehr einer Aktienkultur“

„Der Vergleich mit dem Neuen Markt ist Quatsch. Wir haben so lange gewartet auf Börsengänge. Das ist ein Zeichen für die Rückkehr einer Aktienkultur.“ Anders als um die Jahrtausendwende sind Privatanleger weitgehend außen vor: Nur zwei Prozent der 28,1 Millionen Aktien gingen nicht an große Fonds und andere institutionelle Investoren, wie Insider sagten. Das sind allerdings doppelt so viele Privatanleger wie zuletzt üblich.

Auch Zalando-Mitgründer Gentz will nichts von einem neuen „Neuen Markt“ wissen. „Wir bieten den Kunden einen echten Mehrwert, haben zwei Milliarden Euro Umsatz. Und für die ewigen Zweifler haben wir zuletzt auch Profit ausgewiesen“, sagte er. 200.000 Euro Gewinn standen unter dem Strich im ersten Halbjahr zu Buche. An der Börse ist das Unternehmen mit seinen mehr als 7000 Mitarbeitern 5,5 Milliarden Euro wert.

605 Millionen Euro fließen mit Börsengang

Zalando fließen mit dem Börsengang 605 Millionen Euro zu – platziert werden rund elf Prozent. Die Altaktionäre – allen voran der schwedische Investor Kinnevik und die Berliner Internetinvestoren Oliver, Marc und Alexander Samwer – geben beim Börsengang keine Aktien ab. Kinnevik und die Samwers sind auch die größten Aktionäre beim nächsten Börsenneuling: Rocket Internet will an der Börse 1,6 Milliarden Euro einsammeln. Die Nachfrage dürfte für einen Ausgabepreis am oberen Ende der Preisspanne reichen. Im Graumarkt lag die Aktie am Mittwoch mit 46 Euro über der Spanne.

Rocket Internet wäre dann mehr wert als die Lufthansa, die auf eine Marktkapitalisierung von knapp sechs Milliarden Euro kommt. Aktionärsschützer Klaus Nieding von der DSW hält das für absurd. „Bei der Lufthansa haben sie Flugzeuge, die sie anfassen können, und ein Geschäftsmodell, das seit Jahren bewiesen hat, dass es Gewinne erwirtschaften kann“, sagte er. „Bei Rocket Internet und Zalando kaufen sie – wie bei den Neuen-Markt-Werten – im Grunde genommen Hoffnung.“

Reuters