Am Erfolg der Online-Handelsplattform Amazon wird wohl niemand zweifeln. Dennoch plant der Journalist und Buchhändler Walter Mayer eine Alternative, die den Buchhandel im Zeitalter der Digitalisierung neu definieren soll. Er will eine Art Nachbarschafts-Amazon aufbauen: eine kuratiertes Online-Magazin mit Shop. Bestellt wird online, gekauft offline.

„Ich möchte die Atmosphäre einer Buchhandlung ins Netz bringen“, sagt Mayer. Dabei denkt er besonders an die Beratung durch den Buchhändler. „Es geht mir nicht darum, einen Katalog abzubilden, wie Amazon das macht.“ Das ist ihm zu seelenlos.

Eines der Kernstücke des neuen Internetportals soll deshalb ein Buchhändler-Blog mit persönlichen und kompetenten Leseempfehlungen und Rezensionen sein. Ferner ist geplant, Links zu Literaturblogs in die Seite zu integrieren – falls die Blogger daran Interesse haben.

Tagesaktuelles Nachrichtenportal

Eine zweite Säule des Online-Portals ist eine in Teilen tagesaktuelle Nachrichtenseite mit einem literarischen Bezug. Sieben bis neun Themen täglich will Mayer auf der Startseite präsentieren – Bücher, die zur aktuellen Nachrichtenlage passen, hinzu komen zeitlose Themen-Specials über Reisen, Gesundheit oder andere Themen. Ferner plant er eine Palette spielerischer Elemente, wie zum Beispiel ein Quiz, bei dem aus dem ersten und letzten Satz eines Buches der Romantitel erraten werden muss.

Von dieser Startseite wird der Nutzer auf die Seiten der einzelnen Werke geleitet. Dort soll es kostenfreie Leseproben geben, die Vita und andere Informationen über den Autor, Links zu Rezensionen in Medien und den Blogposts der Buchhändler. Multimediale Elemente wie Audio-Links für Hörproben und Video-Clips sollen hier auch ihren Platz finden.

Die dritte Säule des Portals ist der Shop, der in Wirklichkeit aber nur eine Order-Plattform ist. Sie wird gerade entwickelt. „Der Nutzer bestellt die Bücher online bei einem teilnehmenden Buchhändler in der Nachbarschaft“, sagt Mayer. Dort liegt das Buch einen Tag später zur Abholung bereit oder es wird vom Händler ausgeliefert, falls er einen solchen Service anbietet.

Verkauf im lokalen Buchhandel

Das Geschäft macht der lokale Buchhändler und nicht (wie bei Amazon) ein anonymer Online-Shop. Auch ein Marktplatz-Konzept, das von den Provisionen des Onlinehandels (Affiliate-Modell) lebt, lehnt Mayer ab. Er hofft, unabhängig von solchen Konzepten eine profitable Plattform aufbauen zu können. Sie soll sich durch Bannerwerbung von Verlagen und anderen literaturaffinen Anzeigenkunden finanzieren. Angesichts eines Umsatzvolumens des deutschsprachigen Buchhandels von jährlich knapp zehn Milliarden Euro (laut Börenverein) sieht er genug finanzielles Potenzial für sein Projekt.

Die Kosten des Portals werden sich in Grenzen halten. Das Kuratieren vorhandener Inhalte soll im Mittelpunkt stehen. Dazu will Mayer die unterschiedlichsten Quellen intelligent vernetzen: angefangen von Werbematerialien der Verlage wie Leseproben über Links zu journalistischen und anderen Online-Quellen bis hin zu den Autorenbeiträgen der Buchhändler.

Book Affair kommt zur Buchmesse 2015

Das neue Portal, das unter dem Namen „Book Affair“ an den Start gehen soll, vereint zwei Aspekte, einen journalistischen und einen buchhändlerischen. Wie Walter Mayer, der den Beruf des Buchhändlers gelernt hat, bevor er Journalist wurde und Chefredakteur von „Bunte“, „Tempo“, „Bild am Sonntag“ und „BZ“. Sein nächstes Ziel ist der Aufbau eines Buchhändlernetzwerkes. Dazu wird er in den nächsten Monaten durch Deutschland reisen und in Buchläden für seine Idee werben. Zur Leipziger Buchmesse im März 2015 will Mayer mit seinem Nahbarschafts-Amazon an den Start gehen.

Mayers Start-up könnte von der aktuellen Kritik an Amazon profitieren, die in letzter Zeit immer wieder laut wurde und das Image des US-Unternehmens beschädigte – wegen der Bezahlung der Mitarbeiter in den Lieferzentren oder der Benachteiligung mancher Verlage, mit denen sich Amazon über Großhändlerrabatte für E-Books streitet und die Lieferung von Büchern behindert.