„Jonny Fresh ist ein Textilreinigungs-Lieferdienst nach dem Vorbild eines Pizzalieferanten“, erklärt Sebastian Schmidt das Konzept seines Start-ups und schiebt seine Wurfsendung über den breiten Konferenztisch. Im Inneren des Flyers ist, ähnlich wie bei einem Pizza-Bestelldienst auch, ein Menü abgebildet. Aber statt Pizza Tonno und Caprese Salat kann man die Reinigung eines T-Shirts (zwei Euro) oder die eines handgeknüpften Orientteppichs (22,50 Euro pro Quadratmeter) bestellen.

Nach der Bestellung über das Internet kommt der Reinigungsdienst zu Hause vorbei, holt die Schmutzwäsche ab und bringt sie, wenn man rechtzeitig bestellt hat, nach zwei Tagen trocken und sauber wieder zurück. „Ursprünglich hatten wir statt Pizzalieferant noch ein anderes Unternehmensmodell als Vorbild im Kopf“, sagt Geschäftsführer Schmidt: „Wir wollten einen Wäschereinigungsdienst gründen, der ähnlich funktioniert wie die Packstation der Deutschen Post.“ Die Idee, einen Automaten in der Stadt aufzustellen, bei dem man seine Schmutzwäsche 24 Stunden am Tag abgeben und auch wieder abholen kann, hat Schmidt noch nicht verworfen. „Wir arbeiten dran“, sagt er.

Keine Zeit zum Hemden wegbringen

Mit „wir“ meint Schmidt außer sich seine Mitgründer Stefan Michaelis, 30, und Kay Kagelmann, 32. Jonny Fresh ist ein Vier-Mann-Unternehmen: drei Gründer und ein Mitarbeiter, der die Kundenhotline bedient. Zur Firmenidee kam der Treptower Sebastian Schmidt noch während seines Logistikstudiums an der Technischen Hochschule in Wildau. „Wir hatten damals das Problem, dass wir so viel gearbeitet haben, dass uns keine Zeit blieb, die Hemden tagsüber in die Reinigung zu bringen“, sagt der 28-Jährige. „Und abends hatten die Reinigungen immer schon geschlossen.“

Sein Studienkollege Stefan Michaelis gründete während des Studiums bereits einen Vertrieb für Massagesessel. Zusammen entwickelten sie den Businessplan für Jonny Fresh. „Von seiner Erfahrung haben wir viel profitiert“, sagt Schmidt. Die Geschäftsidee wurde Grundlage seiner Diplomarbeit. Später erhielten sie ein Gründerstipendium und gewannen den Businessplan-Wettbewerb Berlin Brandenburg. Hier lernten Schmidt und Michaelis Programmier Kay Kagelmann kennen, der ihnen die Webseite aufbaute.

Manchmal bringen Kunden Wäsche direkt vorbei

Mit Stefan Michaelis’ Massagesesselvertrieb teilen sich die jungen Herren von Jonny Fresh ein Büro in den Schuckert Höfen in Treptow. Auf dem ehemaligen Gelände eines Elektrizitätswerks reiht sich heute Jungunternehmen an Jungunternehmen. Die Büros sind hell, viel Glas, viele Fenster. Die Mitarbeiter durchgehend jung.

Am Vormittag klingelt der Sandwichbote. „Und manchmal klingeln auch die Kunden“, sagt Programmierer Kagelmann: „Das passiert tatsächlich häufiger, dass Menschen ihre Schmutzwäsche vorbeibringen.“ Kagelmann lacht. „Die sind dann immer ganz überrascht, dass sie hier im dritten Stock keine Wäscherei vorfinden.“ Obwohl es nicht ganz dem Geschäftskonzept entspricht, nehmen sie die Wäsche trotzdem an. Bei einem Pizza-Lieferservice kann man die Pizza schließlich auch vor Ort bestellen.

In der Anfangsphase haben Schmidt und Kagelmann die Fahrdienste auch noch selber übernommen. „Wir mussten schließlich wissen, wie der Prozess genau abläuft und wie die Kunden reagieren“, sagt Schmidt. Heute fahren zwei Lieferwagen die Wäsche vom Kunden in die Wäscherei und zurück. „Aber wenn es mal zu Engpässen kommt oder ein Fahrer im Stau steht, springen wir doch noch mal ein“, sagt Schmidt. Das passiere allerdings höchstens einmal die Woche.

Am häufigsten bestellen Familien

„Wir hatten gedacht, dass die Mehrheit unserer Kunden aus beruflich stark eingespannten Männern bestehen würde. Tatsächlich sind es aber häufiger Familien mit kleinen Kindern, die ihre Wäsche von uns abholen lassen“, sagt Schmidt: „Das Leben mit kleinen Kindern ist stressig. Die haben dann keine Zeit mehr für die Wäsche.“ Bei der Bestellaufgabe gäben die Kunden häufig auch noch einen kleinen Infotext mit. „Die schreiben dann so etwas wie: ,Mein Kind war eine Woche lang krank.‘ Und so sieht die Wäsche auch aus.“ Schmidt lacht.

Peinlich berührt sei dennoch kaum ein Kunde, wenn der Abholer die einzelnen Schmutzwäscheteile an der Tür zählt und in den blauen Liefersack umfüllt. „Wenn man das nicht will, kann man seine Wäsche auch verschlossen abgeben. Dann werden die Teile erst in der Wäscherei gezählt“, sagt Schmidt. Von Puppenkleidern über Go-go-Outfits bis hin zu Brautmode hat Jonny Fresh schon alles entgegengenommen. „Eine Dame hat uns auch einen Lederkoffer von 1952 anvertraut“, erinnert sich Schmidt. „Die hat dann gleich mehrfach angerufen und sich erkundigt, ob der Koffer noch da sei.“

Außer Familien ließen auch viele Senioren, Berufstätige ganz verschiedener Branchen und Unternehmen wie Bäckereien, Kanzleien oder Tanzclubs ihre Wäsche abholen. „Die meisten Kunden kommen aus Kreuzberg, Mitte und Prenzlauer Berg. Außerhalb des S-Bahn-Rings wird seltener bestellt“, sagt Schmidt.

Das Unternehmen schreibt bereits schwarze Zahlen

Die meisten Aufträge erhält der Schmutzwäschedienst in den Morgenstunden. „Auch samstags“, sagt Schmidt: „Das ist mittlerweile ein sehr beliebter Tag.“ Während sich Fahrer und Wäscherei um die schmutzige Wäsche kümmern, macht Schmidt in seinem Treptower Büro die Buchhaltung und überlegt mit Michaelis und Kagelmann, wie man das Unternehmen weiter ausbauen könnte. „Gerade arbeiten wir an einer Bestell-App für das Handy“, sagt Kagelmann. Und: „Schneller werden, das wollen wir natürlich auch.“

Denn ganz so schnell wie das Vorbild Pizzalieferant ist ihr Reinigungsdienst noch nicht. Nur wenn man bis 13 Uhr bestellt, wird die Wäsche auch noch am selben Tag abgeholt. „Aber nachdem wir ein Jahr auf dem Markt sind, wissen wir, dass unser Service funktioniert. Wenn wir noch mehr Lieferwagen dazunehmen, können wir auch schneller werden“, sagt Schmidt. Schwarze Zahlen schreibt das junge Unternehmen bereits, und auch eine Expansion ist geplant. Die Gründer sind überzeugt: Auch in Potsdam gibt es jede Menge schmutzige Wäsche zu waschen.