Manche treibt der Traum von der Selbstständigkeit dazu, eine eigene Firma zu gründen. Bei anderen ist es eine geniale Idee. Aber ohne Risiko geht es nicht: Die Gründer brauchen frisches Kapital zum Wachsen oder müssen lernen, Mitarbeiter zu führen und Teams aufzubauen. Tatsächlich scheuen die meisten Deutschen vor einer Selbstständigkeit zurück: Nur noch 29 Prozent der Bürger würden sich derzeit für eine Existenzgründung entscheiden, ergab eine Umfrage der EU-Kommission. 2009 lag die Quote noch bei 41 Prozent.
Winemeister
Jan Eike Tholes Projekt steht noch ganz am Anfang. Seit dem 13. Januar ist die App von „Winemeister“ erhältlich. Das Start-up, das Thole gemeinsam mit seinem Bruder Henning und Jan Konetzki, Englands Sommelier des Jahres 2012, in Berlin gegründet hat, bietet Nutzern einen mobilen Weinführer für Supermärkte. Die Idee kam dem 24-Jährigen, als er selbst ahnungslos vor dem Weinregal stand: „Laut Etikett ist ja jeder Wein eine Perle“, sagt er. „Da hätte ich mir gewünscht, dass ich einfach Jan nach einem Tipp fragen könnte.“
Nun kann das jeder: 11.500 Mal wurde die kostenlose App bereits heruntergeladen, in der 500 Supermarkt-Weine von Aldi bis Rewe vom Sommelier bewertet werden. Es sollen mehr Weine werden, immerhin gibt es in deutschen Supermärkten rund 1500 Angebote. Rund 50.000 Downloads der App will man innerhalb der ersten sechs Monate erreichen und noch in diesem Jahr nach England expandieren.
Geld soll später über Zusatzdienste verdient werden. Thole: „Wir wollen Wein-Clubs aufbauen.“ Kunden würden dann regelmäßig mit Weinen von ausgewählten Weingütern beliefert. Misslingt das, wäre der langfristige Erfolg des Start-ups, das mit eigenen Ersparnissen und einem Familiendarlehen entstand, unsicher.
Tausendkind
Den Traum, sich selbstständig zu machen, hatte Kathrin Weiß schon lange. Doch erst als sie ihre Geschäftspartnerin Anike von Gagern traf, wurde daraus Realität. „Es macht viel Mut, die Dinge gemeinsam anzugehen“, sagt von Gagern.
2010 gründeten die beiden ehemaligen Unternehmensberaterinnen in Berlin „Tausendkind“, einen Onlineshop für hochwertige Mode, Accessoires und Geschenke für Babys und Kinder. Die Qualität der Produkte und die Garantie höchster Standards soll Tausendkind gegenüber Mitbewerbern abheben.
Finanziert wurde das Projekt von der Investitionsbank Berlin, weitere Investoren folgten. Es sei sehr teuer, einen E-Commerce-Shop aufzubauen, sagen die beiden Gründerinnen. Nicht nur die Ware, auch das bundesweite Marketing kostet. Noch ist Tausendkind dabei, Reichweite aufzubauen. In diesem Jahr ist die Expansion nach Österreich und die Schweiz geplant. Schwarze Zahlen sollen im nächsten Jahr folgen.
Ein Vorteil: Die Retouren-Quoten sind in dem Geschäftsbereich niedrig, die Margen hoch. Zudem gibt es viele Stammkunden – wachsende Babys brauchen schließlich permanent neue Kleidung. Das größte Risiko ist daher für die Gründerinnen, die Firmenkultur, die das Unternehmen stark mache, trotz Wachstums beizubehalten.
Zwei
Florian Craciun entschied sich dafür, sein Start-up nicht in der Gründer-Hauptstadt Berlin aufzubauen. Firmensitz seines Taschenlabels „Zwei“ ist Weiterstadt bei Darmstadt. Im ersten Anlauf hatte Craciun nur Fahrradtaschen im Angebot. Das misslang. Aber diese Krise hat der gelernte Industriedesigner längst überwunden.
Er zog die Notbremse, richtete „Zwei“ neu aus und entwarf fortan robuste, aber gleichzeitig leichte und modische Damentaschen. „Die Fähigkeit sich Fehler einzugestehen, daraus zu lernen und Dinge anders zu machen, war eine der wichtigsten Lektionen aus der Vergangenheit“, sagt Craciun. Schon ein Jahr nach der Gründung 2008 schrieb sein Unternehmen schwarze Zahlen.
2012 betrug der Umsatz 4,6 Millionen, mehr als 750 Einzelhändler führen die Produkte. Dabei hat man sich stets aus eigenen Mitteln oder dem Hausbankkredit finanziert. „In den letzten drei Jahren haben wir den Umsatz verzwölffacht.“ Der Erfolg, glaubt Craciun, beruhe auf dem Normalen. „Da haben wir eine Marktlücke gefunden.“
Protonet
Die Datenwolke ist ein Internettrend der letzten Monate und Jahre. Musik, Dokumente, Fotos, Filme – alles liegt dank der „Cloud“ irgendwo auf der Welt jederzeit abrufbereit auf riesigen Servern. „Aber bei der Cloud weiß man nie, wer auf die Daten Zugriff hat“, sagt Ali Jelveh. Daher entwickelte er vor knapp vier Jahren gemeinsam mit Geschäftspartner Christopher Blum die Idee des Protonet für Privatleute und kleine Unternehmen.
„Es ist der einfachste Server der Welt“, sagt Jelveh, der zuvor für das Karrierenetzwerk Xing gearbeitet hat. Das Protonet soll leicht bedienbar sein und Datensicherheit garantieren. Ein Knopfdruck reiche, um es zu starten.
Um sich vor Konkurrenz zu schützen, konzentriert sich das Hamburger Start-up daher zunächst auf Wachstum. „Wir wollen unseren Vorsprung weiter ausbauen“, sagt Jelveh. Finanziert wird das ganze durch öffentliche Förderprogramme und Crowdfunding.
Und als die Gründer im November 2012 auf der Plattform Seedmatch Geld von Investoren einsammeln wollten, kamen innerhalb von 48 Minuten 200.000 Euro zusammen – eine neue Rekordsumme für ein deutsches Start-up.
Geld für Gründer gibt es auch bei den öffentlichen Förderbanken wie der staatlichen KfW, die Investitionsbank Berlin, die NRW-Bank oder der Innovationsstiftung Hamburg. „Viele kennen gar nicht die ganzen Möglichkeiten, die es in Deutschland gibt“, sagt Jelveh. Die deutsche Förderkultur sei zwar bürokratisch, doch so könne das Unternehmen eher in Gründerhand bleiben.


