Der Internet-Bezahldienst Paypal baut sein Kundendienstzentrum in Berlin aus. Wie das zu Ebay gehörende Unternehmen am Montag mitteilte, sollen in Wilmersdorf weitere 58 Mitarbeiter eingestellt werden. Damit erhöht sich Zahl der Mitarbeiter in den deutschen Paypal-Kundendienstzentren in Berlin, Dessau und Leipzig auf insgesamt knapp 500. Der Bezahldienst verfügt in Deutschland nach eigenen Angaben über zwölf Millionen aktive Kundenkonten.

„Unsere neuen Mitarbeiter beginnen ihre Tätigkeit bei PayPal in einer besonders ereignisreichen Zeit. Die Grenze zwischen Online- und Offline-Welt verschwimmt zunehmend. Es ist unsere Vision, unseren Kunden Bezahlungen zu jeder Zeit, an jedem Ort und über jedes elektronische Gerät zu ermöglichen,“ sagte Paypal-Chef David Marcus.

Bezahlung in Zukunft nicht mehr an der Kasse

Der zur Handelsplattform Ebay gehörende Bezahldienst will in der zweiten Jahreshälfte zunächst in den USA sein erstes Angebot starten, das über klassische Zahlungsvorgänge hinausgeht. „Wenn Sie zum Beispiel in ein Restaurant gehen, können Sie ihre Bestellung vorher abgeben, und der Kellner erkennt Sie an dem Bild, das Sie mitgeschickt haben“, erläuterte Marcus bei der DLD-Konferenz. Abgerechnet werden kann danach auch über PayPal. „Auf lange Sicht werden wir in Läden bezahlen, ohne an eine Kasse zu gehen.“

In New York und San Francisco startete PayPal in Kooperation mit der Konzernmutter Ebay den Dienst „Ebay Now“. Damit bekommt man die Ebay-Einkäufe an den aktuellen Aufenthaltsort geliefert. „Sie können sogar den Weg des Kuriers auf dem Bildschirm verfolgen“, erläuterte Marcus. Der Service könne zum Beispiel nützlich sein, wenn man auf Reisen sein Handy-Ladegerät vergessen hat und es dringend braucht. „Wir können damit die Handels-Welt direkt zum Kunden bringen.“ In Deutschland will PayPal neuartige mobile Bezahldienste voraussichtlich Anfang kommenden Jahres an den Start bringen.

Mobile Bezahldienste werden immer sicherer

Marcus zeigte sich überzeugt, dass mobile Bezahldienste sicherer sein werden als bisherige Angebote. „In einem Mobiltelefon sammeln sich viel mehr Daten an, die für zusätzliche Sicherheit sorgen können. Man kann zum Beispiel sehen, wo sich ein Nutzer gerade aufhält, oder ob es eine typische Transaktion für diese Tageszeit und diesen Ort ist.“ Die Privatsphäre werde bei mobilen Bezahldiensten gewahrt: „Die Nutzer sind bereit, für ein besseres Erlebnis mehr preiszugeben – solange sie die Kontrolle über ihre Daten behalten.“

Von der Nahfunk-Technik NFC, die oft als Schlüsselelement für den Erfolg mobiler Bezahldienste gehandelt wird, hält der PayPal-Chef wenig. „Es ist eine Lösung auf der Suche nach einem Problem“, lautete das harsche Urteil von Marcus. NFC ermöglicht es, kontaktlos zu bezahlen, wenn man eine Karte mit einem Funkchip oder ein dafür ausgerüstetes Handy an das Lesegerät hält. „Was ist daran besser als das bisherige Verfahren? Schlimmer noch, vielen Innovationen, die uns vorschweben, stünde das sogar im Weg, weil man wieder an ein festes Terminal gebunden wäre“, erklärte Marcus.

gri/dpa