Die Sommerferien gehen zu Ende aber das Wetter ist weiter so schön, dass es noch richtig Spaß machen wird, wieder mit dem Fahrrad zur Schule zu fahren. Und auch in der Freizeit kann man jetzt noch prima draußen rumdüsen. Doch mein Drahtesel ist irgendwie gerade nicht in Topform. Der Hinterreifen ist platt und die Bremsen bremsen auch nicht so, wie sie sollten. Keine Frage: So kann ich mit dem Rad nirgendwo hinfahren.
An einem Fahrrad kann man vieles selbst reparieren. Habe ich mal gehört. Blöd nur, dass ich keine Ahnung habe, wie das geht. Also schiebe ich mein quietschendes Rad zu echten Profis. In eine Werkstatt, in der Kinder und Jugendliche alte Fahrräder in Schuss bringen. Die Werkstatt heißt Velo-fit und ist mitten in Berlin. Einige Erwachsene arbeiten dort zusammen mit den Kindern. Sie bringen den Kindern bei, wie man Fahrräder repariert. Danach schrauben sie gemeinsam an Rädern von Kunden wie mir. Dafür bekommen sie etwas Taschengeld.
Der 14-jährige Levin etwa bastelt schon seit fast zwei Jahren dort an Rädern herum – und kennt sich inzwischen bestens aus. Als er mein Fahrrad sieht, kann er sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. „Hast du überhaupt schon einmal was an dem Rad repariert?“, fragt er. „Oder mal den Rahmen geputzt?“ Ich bin ab und zu durch den Regen gefahren, denke ich. Dass ich so schlecht mit meinem geliebten Rennrad umgehe, ist mir ein bisschen peinlich. Im Handumdrehen hat Levin das Hinterrad abgebaut und den alten Fahrradschlauch durch einen neuen ersetzt. Nun hat der Reifen wieder Luft. „Dein Vorderlicht geht auch nicht“, sagt er. Das habe ich noch gar nicht gemerkt. Die kaputte Glühbirne ist rasch gewechselt. Hinter mir schrauben zwei Jungs an den Pedalen eines Mountainbikes herum. Dann kümmert sich Levin um die Bremsen. Ein bisschen kann ich sogar mithelfen. Wir lösen zwei kleine Schrauben und ziehen das lange Kabel heraus, das die Bremsklötze am Rad mit der Handbremse am Lenker verbindet. Danach richtet Levin die Klötze neu aus und zieht das Kabel fest. Jetzt funktioniert die Bremse wieder richtig.
„Kette ölen, Sattel und Lenker einstellen, Reifen flicken. Es gibt viele Sachen, die jeder an seinem Fahrrad selber reparieren kann“, erklärt Levin. „Mit den Bremsen sollte man sich aber schon ganz genau auskennen.“ Schließlich muss man sich während der Fahrt immer auf seine Bremsen verlassen können. Deshalb sollte man sein Fahrrad regelmäßig von echten Profis checken lassen. Zum Beispiel von Levin. Für ihn ist es schon das dritte Rad an diesem Nachmittag. In anderthalb Stunden hat er auch mein Rennrad wieder fit gemacht.
Die Werkstatt Velo-fit der Berliner Stadtmission befindet sich in der Zossener Straße 5 in Kreuzberg und ist immer montags bis donnerstags von 15 bis 19 Uhr geöffnet. Donnerstags ist die Zeit nur für Kinder und Jugendliche gedacht, die dort ihr eigenes Fahrrad reparieren möchten.
Philipp Brandstädter

