Samstagmittag, die Sonne scheint. Viele Leute gehen im Park spazieren, fahren Fahrrad oder picknicken. Eigentlich ist alles wie immer. Doch plötzlich hüpft Marek vorbei – wie ein Känguru. Der Berliner Junge ist neun Jahre alt. Er hat sich Sprungstelzen an seine Füße geschnallt und macht große Sprünge. Fast alle Menschen, die im Park am Gleisdreieck sind, schauen ihm staunend hinterher.
„Sprungstelzen sind eine Mischung aus ganz normalen Stelzen und einem Trampolin“, sagt Marek. Diese Geräte haben verschiedene Namen: zum Beispiel Sieben-Meilen-Stiefel. Oder Bouncer. Das ist englisch und bedeutet in etwa Hüpfer oder Springer. Die Stelzen sind mit einer bogenförmigen Feder verbunden. Diese ist aus einem besonderen Kunststoff, der Fiberglas genannt wird. Aus diesem Material sind auch Sprungbretter im Schwimmbad gemacht. Der Vorteil: Es bricht nicht so schnell.
Auf den ersten Blick sieht es viel einfacher aus, als es ist. Doch schnallt man sich zum ersten Mal Sprungstelzen an die Beine, wird das Laufen zu einer wackeligen Angelegenheit. Der Boden ist von da oben ganz schön weit weg! „Wichtig ist, dass man die Beine immer schön weit anzieht“, erklärt Sprungstelzen-Läufer Christian Preiss. „Wie ein Storch im Salat!“ So gerät man nicht ins Stolpern. Stehenbleiben ist auch nicht einfach. Auf den kleinen Gummifüßen verliert man schnell das Gleichgewicht. Am besten, man bleibt immer in Bewegung. „Kleine Trippel-Schritte machen und immer nach vorn gucken“, sagt Preiss. „Nach ein paar Minuten kann man dann schon recht sicher laufen.“
Das Springen ist sehr viel schwieriger. Beim normalen Gehen sind wir es gewohnt, unsere Schritte mit den Knien abzufedern. Beim Springen auf Sprungstelzen muss man hingegen mit gestreckten Beinen auf den Boden treten, wie auf einem Trampolin. Schnallt man sich die Sprungstelzen unter die Füße, wird die Feder durch das Körpergewicht gespannt. Wenn man dann hochspringt, katapultiert sie einen nach oben. So kann Marek größere Schritte und höhere Sprünge machen. Auch Tricks haben die Stelzen-Läufer drauf. Sie machen zum Beispiel einen Spagat in der Luft, wenn sie hochspringen. Manche trauen sich sogar einen Salto zu. „Ich übe schon seit zwei Jahren und finde es echt cool“, sagt Marek. Er läuft auf den Stelzen schon wie ein Profi. Nur für die ganz großen Hüpfer braucht Marek noch ein bisschen. Er braucht allerdings nicht mehr Übung, sondern mehr Gewicht. Denn je stärker die Feder durch Marek zusammengedrückt wird, desto stärker drückt sie ihn wieder nach oben.
Von außen sieht das Laufen und Springen auf Stelzen total leicht aus. Dabei ist es gar nicht so leicht, das Gleichgewicht zu halten. Außerdem kostet es viel Kraft. Weite Strecken kann man kaum zurücklegen. So praktisch wie ein Fahrrad oder ein Skateboard sind die Stelzen also nicht. Vielleicht sieht man deshalb so selten Leute auf Sprungstelzen herumlaufen. Marek und die anderen stört das nicht. Sie werden weiter durch die Gegend hüpfen – und die Leute zum Staunen bringen.
Philipp Brandstädter

