Ein tiefes Brummen dringt aus dem Keller. Der Ton ist sanft und gleichmäßig. Hört man genau hin, steckt noch ein rhythmisches Klopfen darin und ein bisschen Melodie. Plötzlich bricht der Ton ab und zwei Leute kichern. Es sind Jakob und Marc. Sie sitzen sich auf Stühlen gegenüber und spielen auf einem ungewöhnlichen Musik-Instrument: einem Didgeridoo. Das ist ein langes Rohr aus Holz, Plastik oder Glas. Pustet man hinein, kommt dieses satte Brummen heraus.
Das Didgeridoo von Jakob ist ziemlich groß. Jakob ist zehn Jahre alt und lernt bei Marc, wie man richtig darauf spielt. Marc Miethe ist schon lange Profi auf dem Didgeridoo. Er hat eine Gruppe, mit der er Konzerte gibt – und er bringt anderen das Spielen bei. In seinem Keller hat er ein kleines Musikstudio.
Pusten und singen
Marc und Jakob pusten und singen in ihre Didgeridoos. Marc gibt einen Rhythmus vor. Jakob macht ihn nach. „Duu-duu-dü-ke-duu-duu!“, hallt es neben dem brummenden Grundton aus dem Holzrohr. „Tack! Tack!“, ruft Marc. „Fast so wie ein gackerndes Huhn“, erklärt er Jakob.
Wenn Marc die Übung ohne Didgeridoo erklärt, klingt das ziemlich lustig. Wenn Jakob die Übung mit dem Didgeridoo macht, klingt das super. Über zwei Jahre spielt Jakob schon Didgeridoo. „Ich habe das auf einem Markt entdeckt und fand es irgendwie cool“, sagt er. „Zu Hause habe ich dann auf dem Metall-Rohr von einem alten Staubsauger geübt.“ Da war Jakobs Eltern klar: Ihr Sohn braucht Unterricht mit richtigen Didgeridoos.
Instrument für heilige Feste
Didgeridoos kommen ursprünglich aus Australien, da liegen sie einfach in der Natur herum. Denn ein Didgeridoo ist nichts anderes als ein langer Stamm, den Insekten ausgehöhlt haben. Die australischen Ureinwohner, die Aborigines, machen mit diesen hohlen Stämmen Musik.
Sie verzieren sie mit Mustern und spielen sie auf heiligen Festen. „Das Didgeridoo dient ihnen als rhythmisches Begleit-Instrument für Gesänge und Tänze“, erklärt Marc. Der einzigartige Klang dieses tiefen, oft endlos langen Brummtons hat auch etwas Magisches.
Tricks für Zwischentöne
„Jakob hat viel Talent“, sagt sein Lehrer. „Er hat die richtige Atemtechnik sofort beherrscht. Und er kann die Rhythmen sofort nachmachen, die ich ihm vorgebe.“ Damit nicht nur ein einzelner, langweiliger Ton aus dem Instrument tönt, gibt es Tricks, die Marc ihm beibringt. „Beim Spielen singe ich mit flatternden Lippen in das Didgeridoo hinein“, erklärt Marc.
Neben dem Grundton erzeugt er so schöne Zwischentöne. Hinzu kommen rhythmische Worte und Luft-Stöße mit der Zunge. Es braucht es viel Training, um so ein Instrument richtig spielen zu können. Aber vielleicht ist Jakob bald so gut wie Marc. Dann kann er mit seiner eigenen Band Konzerte geben.
dpa/gs


