Ausstellung

Hocker und Krabben

Kunst mit Botschaften: Wenn er findet, in seinem Land läuft etwas nicht gut, sagt Ai Weiwei es mit seinen Werken. Das brachte ihm schon großen Ärger ein.

Foto: Kay Nietfeld / dpa

Ai Weiwei ist einer der berühmtesten Künstler der Welt. Er lebt in China, einem großen Land in Asien. Ein Künstler wie er macht viele Sachen, die er ausstellt. Mit seiner Kunst will er die Leute zum Nachdenken bringen. Ai Weiwei nimmt zum Beispiel normale Möbel und baut daraus Kunstwerke. Einmal hat er alte chinesische Türen zu einem Turm zusammengebaut. Damit wollte er an alte Häuser erinnern, die abgerissen wurden. Auch schreibt er einfach „Coca-Cola“ auf eine uralte Vase. Da fragen sich alle, wie das wohl zusammenpasst.

Wenn die Leute darüber nachdenken, warum Ai Weiwei so etwas macht, hat er sein Ziel eigentlich schon erreicht: Die Kunst hat den Kopf der Leute in Schwung gebracht. Sie kommen auf Gedanken, die sie sich sonst vielleicht nie machen würden.

Ai Weiweis bisher größte Ausstellung findet im Moment in Berlin statt. Sie heißt „Evidence“ (das heißt Beweis) und ist bis zum 7. Juli im Martin-Gropius-Bau zu sehen. Dort hat er zum Beispiel im großen Lichthof mehr als 6000 uralte Hocker ausgestellt. Damit will der 56-Jährige daran erinnern, dass sich das Leben vieler Menschen in China im Laufe der Zeit stark verändert hat. Viele Menschen pflanzen nicht mehr auf ihren Feldern an. Sie arbeiten heute in Fabriken und wohnen in Städten. Auf dem Land gibt es solche Hocker immer noch, in den Städten nicht. Die Städter lassen also ihre Vergangenheit zurück.

Immer wieder neue Ideen

Ai Weiwei denkt sich ständig etwas Neues aus. Er sagt mit seiner Kunst auch, wenn er etwas in seinem Land schlecht findet. Eine Sache hat ihn besonders aufgeregt: Vor einigen Jahren gab es in China ein schlimmes Erdbeben. Viele Häuser stürzten ein, Tausende Menschen starben. Ai Weiwei und andere Leute wunderten sich, warum besonders viele Schulen eingestürzt waren. Oft waren andere Häuser direkt daneben stehengeblieben.

Die Schulen waren schlecht gebaut, hieß es. Der Zement, die Steine oder Eisenträger waren billig eingekauft. Offenbar hatten die Baufirmen das Geld nicht für den Bau der Schulen ausgegeben. Sondern sie hatten etwas für sich behalten oder ein schickes Auto gekauft. Ai Weiwei und die Eltern waren empört. Viele Kinder waren gestorben, weil ihre Schule nicht sicher gebaut war.

Ai Weiwei begann, Namen und Fotos der gestorbenen Kinder zu sammeln, um an sie zu erinnern. Doch es gab Leute, denen das nicht gefiel: Viele Beamte und Politiker hatten Angst, dass die Leute ihnen die Schuld geben würden. Sie wollten die Sache vertuschen. Mit Gewalt wollten sie Ai Weiwei und seine Helfer daran hindern, Namen herauszufinden. Das hat Ai Weiwei erst recht aufgeregt.

Kritik an der Regierung ist gefährlich

Besonders seit damals ist er nicht nur Künstler, sondern auch jemand, der offen gegen Unrecht kämpft. Über das Internet kritisiert Ai Weiwei die Politiker. Er macht auf Probleme aufmerksam. Es gibt in China nicht viele Menschen, die sich wie Ai Weiwei trauen, den Mund aufzumachen. Denn die Polizei kann jemanden einfach wegsperren.

Auch Ai Weiwei bekommt immer wieder Probleme. Er wurde für kanpp drei Monate ins Gefängnis gesteckt. Ihm wurde vorgeworfen, krumme Dinge gedreht zu haben. Experten glauben aber, dass er daran gehindert werden sollte, die Regierung zu kritisieren. Seine Gefängniszelle ließ er für die Ausstellung nachbauen. Dem Künstler wurde auch der Reisepass abgenommen. Deswegen kann er nicht nach Berlin zu seiner eigenen Ausstellung reisen. Ai Weiwei hofft, dass es vielleicht bis Juli doch noch klappt.