Die einen spielen gern Fußball. Andere rennen oder schwimmen lieber. Paul bouldert. Boulder ist englisch und bedeutet Felsblock. Und an Blöcken kann Paul in Sekundenschnelle hinaufklettern. Paul grübelt. Mit verschränkten Armen starrt er eine riesige Wand aus Beton an. An ihr sind lauter bunte Griffe angeschraubt. Sie sind ganz unterschiedlich geformt. „Also gut“, sagt der Junge leise und marschiert entschlossen auf den grauen Klotz zu.
Dann fasst Paul mit links in einen Griff und mit rechts in einen anderen. Er tritt mit dem Fuß auf einen kleinen Vorsprung und zieht sich gleichzeitig zu einem Knauf hoch. Der ist ein ganzes Stück über seinem Kopf montiert. Paul guckt nach oben und überlegt kurz. Dann bekommt er einen Griff nach dem anderen zu fassen.
Ein paar Sekunden später steht Paul oben auf dem grauen Klotz. Der ist einer von vielen in der Berta Block Boulderhalle in Berlin Pankow. Der Junge schnauft kurz durch und winkt den staunenden Zuschauern zu. Dass der Elfjährige richtig gut klettern kann, merkt man sofort. Ein Jahr lang macht Paul das jetzt schon. Genau genommen klettert er gar nicht. Er bouldert.
Betonklötze statt Gebirge
Beim Bouldern kraxelt man BetonBlöcke hinauf anstatt in schwindelerregender Höhe im Gebirge zu klettern. Weil man kaum Ausrüstung braucht, kann man sich bei Bouldern viel freier bewegen als beim Klettern, erklärt Paul.
Dabei geht es darum, die Blöcke über bestimmte Routen zu erklettern. Diese ergeben sich durch die Griffe und Tritte an den Wänden. „Es ist cool, sich so eine Route auszugucken und die dann auch zu schaffen“, sagt Paul. „Die richtige Technik ist ganz wichtig. Man muss sich gut bewegen können.“
Weil die Vorsprünge aus Kunststoff unterschiedlich geformt sind, muss man verschiedene Griff-Arten lernen. Es gibt zum Beispiel den Zangengriff und den Seitgriff. So findet man an den Vorsprüngen einen sicheren Halt. Und den braucht man neben einer guten Klettertechnik, um hinauf zum Ziel zu kommen.
Keine Angst vor Abstürzen
Eine besondere Ausrüstung braucht man zum Bouldern nicht. Es gibt aber Schuhe, die sich besonders gut dafür eignen. Die sitzen sehr eng, damit der Fuß einen guten Halt hat. Diese Schuhe kann man sich auch in Kletter-Hallen ausleihen. Auch ein Seil, das die Kletterer vor einem Sturz bewahrt, ist nicht nötig. Denn an den Blöcken geht es nicht so hoch hinaus.
Und außerdem sind die Böden unter den Blöcken gut gefedert und mit weichen Matten ausgelegt. Sie heißen „Crash Pads“. Das bedeutet übersetzt Absturz-Polster. Diese Matten liegen überall dort, wo es doch mal ein bisschen höher hinausgeht. Ein Absturz ist also nicht so gefährlich.
Gruppen für Kinder und Jugendliche
Mindestens zweimal die Woche geht Paul in die Boulder-Halle. Dort gibt es etwa Gruppen für Kinder und Jugendliche, die dann gemeinsam die Blöcke in der Halle bezwingen. Ein Trainer ist immer mit dabei. Er gibt Tipps, wie sich die Routen am besten meistern lassen.
Los geht es mit den einfachen Routen. Sind sie geschafft, wird es immer schwieriger. Paul mag die Herausforderung bei diesem Sport. „Ich spiele auch Basketball und fahre gern Skateboard“, sagt er. „Aber das Bouldern macht mir besonders viel Spaß. Ich habe hier schon viele Freunde gefunden. Und auch meinen Papa habe ich schon mit der Kletterei angesteckt.“
Vom Klettern zum Bouldern
Der Unterschied zwischen Klettern und Bouldern ist ganz einfach: Bouldern ist Klettern ohne Seil, das Ganze in nicht zu gefährlicher Höhe.
Erfunden wurde der Sport in Frankreich. „In den Wäldern nahe der Stadt Paris gibt es viele kleinere Felsblöcke aus Sandstein“, sagt ein Experte. An denen haben die Leute das Klettern geübt und ihre Kraft und ihre Technik verbessert. Und zwar ohne dabei in Gefahr zu sein, tief zu stürzen und sich zu verletzen. Die Felsblöcke nutzten die Kletterer als Vorbereitung. Denn später ging es ins Gebirge. Dort versuchten sie, die großen Gipfel zu bezwingen.
Bouldern hat sich längst zu einer eigenen Sportart entwickelt. Es gibt immer mehr Hallen dafür – und auch Wettkämpfe. Viele mögen Bouldern, weil es so ein freier Sport ist. „Man braucht keine spezielle Ausrüstung und keine extra Sicherung“, sagt der Experte. „Das macht Bouldern so schnell und unkompliziert.“
dpa/gs






