Tiere

Keine Angst vor schwarzen Hunden!

Egal wie ihr Charakter ist, wegen ihrer Farbe wird schwarzen Hunden oft das Schlimmste unterstellt. Sie werden von vielen Menschen für aggressiv und gefährlich gehalten. In Tierheimen sind sie deshalb schwer vermittelbar.

Das Kind beugt sich zum Hund hinunter, mit ausgestreckter Hand. Es will den Hund streicheln. Der Hund beißt das Kind. So arrangierte vor kurzer Zeit die psychologische Fakultät der University of Florida einen Versuch, den sie in zwei Varianten anlegte: einmal mit schwarzem Hund, einmal mit weißem. Den Film mit diesen beiden Szenen führten die Psychologen 250 Männern und Frauen aller Altersklassen vor, jeweils einzeln – einmal schwarzer Hund, einmal weißer.

Die Versuchsreihe ergab: Beim Hund mit weißem Fell sahen die Testpersonen überwiegend die Schuld beim Kind: "Es hätte den Hund nicht provozieren dürfen." Beim schwarzen entschied die Mehrheit der Zuschauer: "Es liegt am Hund. Er ist aggressiv, er ist böse."

Amerikaner und Engländer haben für dieses Phänomen einen eigenen Begriff: das "Black dog syndrome". Obwohl es zahlreiche Beispiele für besonders schönes, gutes und edles Schwarz gibt, zum Beispiel beim Millionen-Hengst Totilas, bei Schneewittchen im Märchen ("Schwarz wie Ebenholz") oder beim Superhelden Batman, hat sich das Hundeschönheitsideal der westlichen Welt in den vergangenen fünfzehn Jahren aufgehellt zu "Blondinen bevorzugt".

Nach der schlichten Formel, wonach der weiße Ritter gut und der schwarze böse ist, erwarten Hunde, die vom Barthaar bis zur Schwanzspitze schwarz eingefärbt zur Welt kommen, ein belastetes Leben. Sie sind schwer vermittelbar.

Braune und bunte Hunde beliebter

In amerikanischen Tierheimen etwa haben schwarze Hunde eine sehr begrenzte Überlebenschance, nur zwei bis drei Jahre. Ist in dieser Zeit kein Halter gefunden, schläfert ein Tierarzt sie ein. Drei Viertel aller Heim-Hunde, die ein neues Zuhause gefunden haben, sind braun, beige oder schwarz-weiß gefleckt. Das ist in allen Industrieländern so.

Für ihre Studie "Wie die Farbe des Tieres das Verhältnis zum Menschen beeinflussen kann" hat eine Gruppe von Psychologen der Penn State University einen eher schlichten Versuchsaufbau gewählt: Die Forscher legten ihren Probanden Fotos vor, mit Hunden und Katzen. Das Farbspektrum der Tiere ging in alle denkbaren Töne, Muster und Kombinationen zwischen Schwarz, Schmuddelbraun, Orange, Albino- und Plüschhasen-Weiß.

Von den Testpersonen verlangten die Wissenschaftler spontane Wertungen, auf einer Skala von freundlich-verschmust bis aggressiv-gefährlich. Das Ergebnis der unkomplizierten Forschung ist in einem einfachen Satz untergebracht: Je dunkler das Tier, desto finsterer muss wohl der Charakter sein.

Eine Webseite nur für schwarze Hunde

Auf dieselbe Erkenntnis stieß auch die Tierschützerin Heidrun Ubrig. Sie betreibt seit zwölf Jahren eine Website, auf der sie ausschließlich schwarze Hunde vermittelt. Auf der Site findet sich eine Mischung von knapp 800 schwarzen Hunden. Kleine, mittlere, große, vielfältige Rassen. Manche Bilder hat Ubrig über die Jahre mehrfach austauschen müssen. Weil die Hunde langsam graue Haare bekamen. Reporterin Elke Bodderas hat mit Frau Ubrig gesprochen:

Frau Ubrig, wenn Sie ein Hund wären, würden Sie sich die Haare färben lassen?

Heidrun Ubrig: Als schwarzer Hund würde ich mir ein, zwei weiße Flecken ins Fell malen. Das würde die Vermittlungschancen dramatisch erhöhen.

Wie kamen Sie auf die Idee, schwarze Hunde zu vermitteln?

Heidrun Ubrig: Seit zwölf Jahren arbeite ich mit einem Tierheim zusammen. Gleich zu Anfang wurde mir klar, dass die schwarzen Hunde ein Problem haben. Das war offensichtlich, denn die Mehrheit der dreißig Hunde im Heim hatte pechschwarzes Fell. Ich sprach die Tierheimbesitzerin darauf an und die bestätigte mir: Sitzt ein schwarzer Hund im Käfig neben einem bunten oder braunen, ist schon vorher klar, welcher Hund weggeht und wer bleibt. Egal wie sehnsüchtig der schwarze mit dem Schwanz wedelt und wie schlammfarben seine Konkurrenten eingefärbt sind – der schwarze bleibt. Damals fasste ich den Beschluss mit der Website.

Wie lange bleiben die Hunde im Durchschnitt auf Ihrer Site?

Heidrun Ubrig: Die kleinen gehen schneller weg, manche schon nach wenigen Wochen. Je größer die Hunde sind, desto geringere Chancen haben sie. Manche warten schon seit fünf Jahren. Aber keiner will sie haben.

Nimmt sich ein schwarzer Hund das Schwarzsein irgendwann zu Herzen?

Heidrun Ubrig: Das Kuriose ist: Eigentlich sind die weißen schwieriger. Nicht wegen des Charakters, der entwickelt sich natürlich unabhängig von der Farbe. Schneeweiße Hunde haben genauso wie weiße Katzen eine sensiblere Gesundheit. Sie haben häufig eine empfindliche Haut und sind überdurchschnittlich oft taub.

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