Es ist dunkel. Nur der helle Strahl der Taschenlampe bringt etwas Licht in den langen Flur. An den Seiten sind Stühle zu erkennen. Große Gemälde hängen an der Wand. Wachmann Amnaj Tungahotara ist gerade auf seiner Kontrollrunde. Tunga, so nennen ihn alle, arbeitet seit vielen Jahren nachts im Schloss Charlottenburg. Plötzlich ertönt in der Dunkelheit eine Stimme. Sie kommt aus Tungas Funkgerät. Die Stimme gehört zu einem Mann aus der Einsatz-Zentrale der Wachleute. Der Mann will von den Wachmännern wissen, ob bei ihnen alles gut ist. „Alles in Ordnung, Ende“, spricht Tunga (48) in sein Funkgerät.

Dann geht Tungas Kontrollrunde weiter. Der alte Holzboden knackt, während er Fuß vor Fuß setzt. Mit seiner Taschenlampe leuchtet er in die Ecken der Räume. Jede Türe, durch die er im Schloss geht, muss er wieder hinter sich abschließen. Das Klappern der Schlüssel ist ständig zu hören. Immer wieder kontrolliert Tunga Fenster und Türen – und überprüft, ob sie gut verschlossen sind. Schließlich sollen keine Einbrecher ins Schloss schleichen und wertvolle Gemälde oder teures Porzellan stehlen.

Einbrecher sind eher selten

Doch zum Glück haben Tunga und seine Kollegen nur recht selten mit Einbrechern zu tun. Während Tunga seine Tour abläuft, muss er auf viele Dinge achten: Läuft Wasser in den Toiletten oder brennt irgendwo Licht? Und: Ist mit den Luftbefeuchtern alles okay?

Denn Luftbefeuchter stehen in vielen Räumen. Sie sollen dafür sorgen, dass die Luft weder zu feucht, noch zu trocken ist. Sonst würden die alten Bilder, Tische oder Stühle und die bunten Stofftapeten an den Wänden mit der Zeit kaputtgehen.

Dazu noch der ganze Stuck! Das sind schnörkelige Formen, die meist unter der Decke angebracht sind. Manchmal ist Stuck mit Blattgold überzogen. Das ist eine Art Goldfolie. Bei all dem weiß man gar nicht, wo man zuerst hinschauen soll.

Die Wachleute wissen das aber schon. Ihnen fallen sogar kleine Veränderungen auf. Sie sind die Räume schon so oft abgelaufen, dass sie ein genaues Bild davon im Kopf haben. Da bemerken die Wachmänner sogar, wenn ein Eckchen Stuck an der Wand fehlt.

„Es gibt Besucher, die knibbeln am Stuck herum, weil sie glauben, das sei alles aus Gold. Dabei ist nur oben drauf Blattgold“, erklärt Wachmann Jürgen Herrmann. Dann melden die Wachleute den Schaden – damit jemand kommt, der die Stelle repariert.

Es muss viel repariert werden

Tungas Runde führt ihn durch viele Räume: vorbei an alten chinesischen Vasen und einem großen Raum, in dem Gemälde von Adeligen hängen. Auch die Schlosskapelle mit der Orgel liegt auf seinem Weg. Dazu kommen Räume wie Werkstätten und Büros. Denn in so einem alten Schloss muss viel organisiert, repariert und erneuert werden.

Deshalb kommen auf die Wachmänner im Schloss nachts manchmal noch andere Aufgaben zu. „Manchmal sind wir auch ein bisschen Putzfrauen“, erzählt Tunga. Wenn draußen Schmuddelwetter ist, kann es an manchen Stellen schon mal durch die alten Fenster regnen. Oder es tropft durch die Decke. Die Wachleute wischen das Wasser dann auf oder stellen Eimer darunter.

Gerade werden Teile des Schlosses saniert. Es werden zum Beispiel neue Fenster und Türen eingebaut. Außerdem wird an den Dächern gewerkelt. Denn eigentlich will niemand, dass Wasser ins Schloss läuft und Schäden anrichtet.

Flüsterstimmen im Kamin

Ist es nicht unheimlich, durch das dunkle Schloss zu tapsen? „Eigentlich hab ich keine Angst“, sagt Tunga. Unterwegs begegnet er seinem Kollegen Jürgen. Der meint: „Wer viel Fantasie hat, den kann es schon mal gruseln. Man hört es ja immer überall knacken und knirschen. Es gibt auch einen Kamin – wenn da der Wind reinpfeift, dann hört es sich an, als würden Zwei miteinander flüstern.“ Es gab schon Wachmänner, denen dieser Job zu unheimlich war. Sie bekamen dann eine andere Aufgabe.

dpa/gs