Die Geschichte der Biergärten ist eine, die mit ziemlich viel Streit verbunden ist. Vor mehr als 200 Jahren stritten sich in München in Bayern zwei Gruppen. Die einen, das waren die Wirte von Gasthäusern. Die anderen waren die Brauereien, die das Bier herstellen. Bei dem Streit ging es um Bier. Und zwar darum, wer es wann und wo verkaufen darf.

Damals besorgten sich die Leute ihre Getränke oft im Gasthaus. So etwas wie einen Getränkemarkt gab es nicht und auch keine Kühlschränke. Im Sommer allerdings kamen weniger Leute in die Gasthäuser. Sie tranken ihre Getränke dann lieber woanders: direkt bei den Brauereien.

Die Brauereien lagerten ihr Bier nämlich in besonderen Kellern. Diese Keller waren ziemlich ausgetüftelt. Es gab zum Beispiel Windkanäle in der Wand. Durch die wehte kalte Luft und kühlte die Fässer mit den Getränken. Damit es noch kälter wurde, kamen in die Keller riesige Eisblöcke. Die wurden etwa aus zugefrorenen Seen geschnitten. Die Blöcke brachte man mit Pferdewagen nach München, und die Brauereien kühlten damit das Bier.

Schatten für die Keller und für Sommergäste

Über den Kellern wurde oft Sand und Kies verteilt. Und man pflanzte Bäume, die Schatten spendeten. Das hat ganz gut funktioniert: In den Brauereikellern hatte es manchmal den ganzen Sommer um die sieben Grad Celsius. Das ist in etwa so kalt wie in einem Kühlschrank.

Immer mehr Menschen kamen an warmen Tagen für ihr Bier zu den Kellern der Brauereien. Und blieben zum Trinken auch gleich dort. Denn im Schatten der großen Bäume war es dort im Sommer einfach netter als in einem Wirtshaus. Die Brauereien verkauften ihren Gästen dann auch noch Essen.

Darüber regten sich die Gastwirte natürlich auf – denn ihre Lokale blieben an heißen Tagen leer, sie wollten ihre Kunden behalten. Deswegen wollten sie das Ganze am liebsten verbieten lassen.

Nur Bier und Brot erlaubt

Der König Maximilian I. Joseph von Bayern sorgte dann im Jahr 1812 für Frieden. Denn er fand einen Kompromiss: Die Brauereien durften ihr Bier an die Gäste verkaufen. Allerdings nur im Sommer, von Juni bis September. Außerdem durften die Brauereien ihre Gäste nur mit Bier und Brot versorgen. Alle anderen Speisen waren verboten. Wer also lieber einen Braten haben wollte, der musste in ein Wirtshaus gehen. Mit dem Kompromiss waren eigentlich alle ganz zufrieden.

Die Idee, im Sommer Getränke und Essen im Freien anzubieten, haben dann bald viele Wirte in München übernommen. Bald gab es deshalb auch Biergärten, die nicht bei einer Brauerei lagen. Und auch in anderen Städten ist die Idee übernommen worden. Heute gibt es fast überall in Deutschland Biergärten. Und eigentlich nur noch einen Streit: Welchen Biergarten finden die Leute am tollsten?

Das Essen selber mitbringen, geht das?

Dass man sein eigenes Essen mit in ein Restaurant nimmt und in aller Gemütlichkeit verspeist, ist bis heute normalerweise verboten. Vermutlich würden die Wirte einen sofort rauswerfen. In einem echten Biergarten würde das vielleicht nicht passieren. Denn einige Biergärten halten sich auch heute noch an die 200 Jahre alte Biergarten-Ordnung. Dort bringen Besucher bis heute einfach ihr eigenes Essen mit.

dpa/gs