Antoine Bouza hat immer gern gespielt, als Kind und als Erwachsener. An die Regeln hat er sich nicht immer so gern gehalten und hat sie oft verändert, um eine Partie interessanter zu machen. Beim Spiel mit Freunden hielt der 34-jährige Franzose seine Spielkarten einmal aus Versehen falsch herum. Oh, dachte er sich, ist ja interessant. So ein Spiel, wo alle anderen meine Karten sehen, nur ich selbst nicht, das müsste man glatt mal erfinden. Antoine entwickelte dann „Hanabi“ und begeisterte damit nicht nur seine Freunde. Am Montag bekam er dafür in Berlin auch noch den deutschen „Spiele-Oscar": Hanabi wurde zum „Spiel des Jahres 2013“ gewählt.
Spielen macht glücklich
Das Kartenspiel ist der kleinste Gewinner, den es in der Geschichte des „Spiels des Jahres“ jemals gab. Die Schachtel ist gerade mal 12 cm lang und 9,5 cm breit. Zum ersten Mal hat die Jury neben aufwendigen Brettspielen auch kleine Karten- und Würfelspiele nominiert. Spiele, die sich jeder leisten kann und die in jedes Reisegepäck passen. Denn Spiele sind ein wichtiges Kulturgut, sagte der Juryvorsitzende Bernhard Löhlein. Sie machen Spaß und bringen Freunde und Familien an einen Tisch. Hier kann man zocken und jubeln oder sich herrlich aufregen, ohne dass es jemanden stört. Man lernt sich außerdem gut kennen.
Ein Spiel muss spannend bleiben
Doch egal wie groß oder klein es ist, gewinnen kann nur ein Spiel mit einer richtig guten Idee: Es muss die Spieler begeistern, Gefühle wecken und auch noch spannend sein, wenn man es schon öfter gespielt hat. Hanabi ist so ein Spiel, sagt die Jury. Das japanische Wort „Hanabi“ bedeutet „Feuerblume“ oder „Feuerwerk“. Die Spieler versuchen, mit ihren Karten ein Feuerwerk an den Himmel zu zaubern. Teamgeist ist angesagt: Weil man die Karten falsch rum hält, weiß keiner, was er auf der Hand hat – man muss sich auf die Tipps der anderen verlassen und lernen, daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen. Ohne ein gutes Zusammenspiel kann man dieses Spiel also nicht gewinnen. (“Hanabi“, Abacus Spiele, für 2–5 Spieler, Dauer 30 Min., 8 Euro, empfohlen ab 10 J.)
Das Kennerspiel des Jahres
Michael Menzel ist eigentlich Spiele-Illustrator. In einem verregneten Urlaub dachte er sich dann gemeinsam mit seinem Sohn Jonathan und seinem Neffen Joel ein Fantasy-Spiel als Zeitvertreib aus. Sein erstes und sein letztes, wie er sagt. Die damals neunjährigen Jungen waren große „Herr der Ringe“-Fans und davon ist das Spiel „Die Legenden von Andor“ inspiriert. Es entführt die Spieler in eine Welt mit vielen Abenteuern. Das Land Andor wird von bösen Kreaturen bedroht. Als Zwerg, Zauberer, Bogenschütze oder Krieger schließen sich die Spieler zusammen, um das Böse zu bekämpfen. Jeder hat andere Stärken, aber nur zusammen können sie gewinnen – oder untergehen.
Joel und Jonathan sind inzwischen 14 Jahre alt und immer noch begeistert von dem Spiel, weil es immer wieder neue Herausforderungen bietet. Veröffentlichen wollten die Menzels ihr Spiel eigentlich nicht. Weil ihre Freunde aber alle so begeistert waren, hat sich Michael Menzel hingesetzt und alles noch einmal richtig durchgezeichnet und dem Spieleverlag angeboten. Dass es dann auch gleich „Kennerspiel des Jahres 2013“ werden sollte, hätten die Menzels nicht gedacht. Ein Kennerspiel ist etwas für Familien, die gern und viel spielen - also erfahrene Spieler sind. (“Die Legenden von Andor“, Kosmos, für 2–4 Spieler ab 10 Jahren, Dauer 90 Min., Preis ca. 40 Euro)
Die Jury hatte sich für diese beiden Kategorien mehr als 600 Spiele angesehen und 200 davon durchgespielt. Am Ende wurden je drei Spiele für die Kategorie „Spiel des Jahres“ und „Kennerspiel des Jahres“ nominiert.
Das Kinderspiel des Jahres
Das Kinderspiel des Jahres, ist wie bereits berichtet, schon im Juni in Hamburg ausgezeichnet worden. Es heißt „Der verzauberte Turm“ und wurde von dem Ehepaar Inka und Markus Brand entwickelt. Auch bei diesem Spiel sind Teamarbeit und ein gutes Gedächtnis gefragt. Bei dem Spiel hat ein böser Zauberer die Prinzessin im Turm eingesperrt und den Schlüssel im Wald versteckt. Die Mitspieler suchen den Schlüssel, um die schöne Prinzessin zu retten. Die Jury testete zusammen mit Kindern und anderen insgesamt mehr als 150 Spiele für diesen Preis. (“Der verzauberte Turm“, Schmidt Spiele, Dauer 15-25 Min., für 2-4 Spieler ab 5 Jahren, 32,95 Euro)


