Als hätte sie eine große Zahnlücke – so sieht der Abschnitt der Mauer aus, nachdem ein Kran ein Stück aus ihr herausgehoben hat. Diese Mauer ist berühmt. Viele Urlauber lassen sich vor ihr fotografieren. Die Mauer steht an der Mühlenstraße in Friedrichshain. Sie ist mit bunten Graffitis bemalt und seit der Wiedervereinigung eines von Berlins Wahrzeichen .
Dass die Mauer an der Stelle kaputtgemacht wurde, ärgert viele Menschen. Sie finden, dass dieses insgesamt 1,5 Kilometer lange Stück Mauer ein Kunstwerk ist. Noch dazu ist der Mauerabschnitt sehr alt. Denn viele Jahre lang trennte eine Grenze die Menschen in Berlin: Eine hohe Mauer lief mitten durch die Stadt. Sie sollte verhindern, dass Menschen aus dem Osten in den Westen flüchten. Denn auch ganz Deutschland war in zwei Staaten geteilt. In die Deutsche Demokratische Republik, kurz DDR, und die Bundesrepublik Deutschland.
Künstler aus aller Welt haben das Mauerstück bemalt
Vor mehr als 20 Jahren wurde die Grenze geöffnet. Die Berliner Mauer wurde zu großen Teilen abgerissen. Heute ist davon kaum noch etwas übrig. Der längste erhaltene Abschnitt ist der, über den sich jetzt alle streiten. Früher war er ein Stück streng bewachter Beton. Heute ist er nicht mehr grau und bedrohlich. Künstler aus aller Welt haben darauf mehr als hundert Bilder gemalt. Deshalb klingt der Name des Mauerstücks auch nach einer Kunstausstellung: „East Side Gallery“. Mit ihren bunten Bildern ist sie auch ein fröhliches Zeichen dafür, dass die Teilung überwunden wurde.
Die bemalte Mauer liegt an der Spree. Am Ufer hinter der Mauer soll ein Hochhaus mit schicken Wohnungen entstehen. Dafür hat der Grundstückseigentümer schon seit einigen Jahren eine Baugenehmigung. An das Mauerstück hatte dabei offenbar niemand richtig gedacht. Damit die Bauarbeiten starten können, wollte der Bauherr jetzt für eine Zufahrt Teile der Mauer herausnehmen und an eine andere Stelle versetzen. In der bemalten Wand würde ein 25 Meter breites Loch entstehen.
Klaus Wowereit will jetzt eine andere Lösung finden
Doch dann kamen Hunderte Menschen, um dagegen zu protestieren. Sie wollten das Mauer-Denkmal in seiner vollen Länge retten. Jeden Tag wurde der Protest lauter, in wenigen Tagen wurden mehr als 70.000 Unterschriften für den Erhalt gesammelt. Zeitungen aus aller Welt berichteten über den Streit. Mit Erfolg: Das Entfernen weiterer Mauerstücke wurde erst mal bis zum 18. März gestoppt. Inzwischen macht sich auch der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit für die East Side Gallery stark und hat am Donnerstag alle Beteiligten an einen Tisch geholt. Gemeinsam suchen sie jetzt nach einem Weg, der der berühmten bemalten Mauer möglichst wenig schadet. Vielleicht könnten die Bauarbeiter ja doch über einen anderen Zugang auf das Gelände kommen. Auch das soll jetzt geprüft werden.
gs/dpa


