Wie gemein! Ein Mitschüler verkauft dir eine Tafel Nuss-Schokolade. Du gehst heim, machst sie auf – und statt Nüssen sind Rosinen drin. Aber Rosinen magst du nicht. Bestimmt würdest du dich ärgern – schließlich hätte dich der Mitschüler getäuscht. Über so eine Täuschung diskutieren gerade viele Menschen. Dabei geht es aber nicht um Nüsse, sondern um Pferdefleisch. In mehreren Ländern hatten Experten das Fleisch in Fertigessen entdeckt. Auch in Deutschland fand man es zum Beispiel in Lasagne. Auf den Essens-Verpackungen hatte aber nichts von Pferdefleisch gestanden. Oft stand nur drauf, dass vor allem Fleisch vom Rind drin ist. Nachdem in Lasagne-Packungen von immer mehr Firmen Pferdefleisch gefunden wurde, wurden auch andere Lebensmittel untersucht. Heraus kam, dass in vielen Fertiggerichten Spuren von Pferdefleisch steckten: in Tortelloni, Bolognesesoßen, Ravioli und sogar in Rindergulasch und Dönerfleisch. Die Supermärkte mussten viele Produkte aus den Regalen nehmen.
Eine Menge Menschen fühlen sich jetzt getäuscht. Viele, weil sie einfach kein Fleisch von Pferden essen wollen. Sie hätten die Sachen niemals gekauft, wenn es auf der Packung gestanden hätte. Andere, weil sie einfach wissen wollen, was sie essen. Sie wollen nicht einfach etwas völlig anderes untergejubelt bekommen. Politiker nannten das Ganze eine echte Sauerei und kriminell. Schließlich muss in Deutschland auf der Verpackung eines Lebensmittels immer richtig stehen, was drin ist. Sie überlegen nun, wie sich solche Schummeleien besser vermeiden lassen.
Wer muss aufpassen?
Zuständig ist dafür die Bundesministerin für Verbraucherschutz, Ilse Aigner. Sie will dafür sorgen, dass so etwas möglichst nicht wieder passiert. „Die Ministerin ist in der Bundesregierung sozusagen die Anwältin der Verbraucher“, sagt ein Mitarbeiter von Ilse Aigner.
Wir alle sind Verbraucher. Denn wir alle verbrauchen: Wir essen und wir trinken. Wir kaufen Spielzeug oder fahren Auto – auch das fällt unter den Verbrauch. Die Ministerin kümmert sich darum, dass die Rechte der Verbraucher eingehalten werden und dass Produkte, die wir kaufen, nicht gefährlich sind.
Die Ministerin macht auch Vorschläge für neue Gesetze, wenn das nötig ist. An die Gesetze muss sich dann jeder halten, der Produkte herstellt oder verkauft. „Sie kann auch vorschlagen, gewisse Dinge zu verbieten, wenn es sein muss“, sagt der Mitarbeiter. Die Ministerin will dafür sorgen, dass sich die Verbraucher beim Einkaufen zurechtfinden. In Lebensmittel-Packungen soll nur drin sein, was auch draufsteht. Deshalb trifft sich Ilse Aigner auch regelmäßig mit den Ministern der Bundesländer, die für Verbraucherschutz zuständig sind. Denn die Bundesländer sollen dafür sorgen, dass alle Gesetze und Kontrollen umgesetzt werden.
Wie werden Lebensmittel kontrolliert?
Auf der Verpackung von Lebensmitteln stehen manchmal viele Zutaten. Zum Beispiel Zucker, Orangen, Walnüsse – oder auch Rindfleisch. Experten prüfen in Deutschland immer mal wieder, ob diese Angaben stimmen. Auch wenn ein Verdacht besteht, dass getäuscht wird, kontrollieren sie.
In der vergangenen Woche untersuchten die Forscher in ihren Laboren, ob in bestimmten Tiefkühl-Essen wirklich nur Rindfleisch ist, wie es draufsteht. Um das herauszufinden, lassen die Forscher die Lasagne erst mal über Nacht im Kühlschrank auftauen. Dann kratzen sie vorsichtig die Fleischfüllung von den Teigblättern. Diese Füllung zermatschen sie zu einem gleichmäßigen Brei. Aus diesem Brei basteln sie nun die DNA heraus.
Die DNA ist eine Art Bauplan des Körpers. Sie steckt in den Zellen jedes Lebewesens. Die DNA ist winzig, Forscher können sie nicht einmal unter dem Mikroskop sehen. Manche Teile sind typisch für bestimmte Tiere. Sie sehen zum Beispiel bei allen Rindern gleich aus. Diese Teile vergleichen die Forscher. Ein Computer wertet sie aus und verrät den Experten schließlich, welches Tierfleisch in der Lasagne steckt. Und wie viel davon. Insgesamt brauchen sie dafür etwa zwei Tage.
Wie erkennt man Qualität?
Doch wie erkennt man beim Einkaufen, ob Lebensmittel wirklich unverfälscht oder in Bioqualität hergestellt wurden? Das ist ganz schwierig. Verbraucherschützer stellten fest, dass es in Deutschland mehr als 1000 sogenannte Gütesiegel gibt, die die Qualität der Lebensmittel beweisen sollen. Oft erfindet eine Firma so ein Siegel für die eigenen Waren. Wer soll da noch durchblicken? Wirklich verlassen kann man sich nur auf ganz wenige Gütesiegel. Verbraucherschützer empfehlen zum Beispiel das sechseckige „Bio“-Siegel nach EG-Ökoverordnung und die Siegel von Demeter, Bioland, Naturland und Ohne Gentechnik.
Auch die Herstellung von Lebensmitteln ist unübersichtlich. Weil das Essen so billig wie möglich hergestellt werden soll, kaufen die Firmen die einzelnen Zutaten in verschiedenen Ländern in ganz Europa ein. Meist dort, wo sie am billigsten sind. Dabei gibt es viele Zwischenhändler, die auch noch etwas verdienen wollen. So ist es am Ende ganz schwer nachzuverfolgen, was wirklich in der Ware steckt und wie gut die Zutaten sind. Im Pferdefleischskandal wurde inzwischen schon ein Mittäter bestraft: Eine französische Firma, die das mit Pferdefleisch vermischte Rindfleisch verarbeitet hat, musste schließen.
Natürlich ist nicht alles Mist, was wir im Supermarkt kaufen. Aber solange betrügerische Firmen Geld daran verdienen können, unerlaubte Zutaten in Soßen und Fertiggerichte zu mischen, wird es immer wieder Aufregung ums Essen geben. Vielleicht sollte man einfach so oft wie möglich selber kochen – dann weiß man genau, was in den Topf kommt. Das ist etwas teurer, aber gutes Essen kann nicht nur billig sein.
dpa; G. Schulte


