Berliner Perlen

Zwei Wienerinnen machen Berlin Lust aufs Stricken

Die Wienerinnen Linda Sykora und Lisa Benischek machen in ihrem Strickladen „Knit Knit“ in Mitte mit Kursen Lust aufs Stricken.

Linda Sykora (l.) und Lisa Benischek betreiben den Laden gemeinsam.

Linda Sykora (l.) und Lisa Benischek betreiben den Laden gemeinsam.

Foto: Birgit Kaulfuß

Berlin. „Ich beschäftige mich mit feministischen Themen, hatte Stricken in eine Schublade gesteckt“, sagt Linda Sykora. Lange Zeit hatte die 34-Jährige nichts mit Wolle und Nadeln zu tun. Nun führt sie gemeinsam mit ihrer besten Freundin Lisa Benischek den Strickladen „Knit Knit“ in Mitte.

Die beiden Wienerinnen kennen sich seit mehr als 30 Jahren, besuchten schon denselben Kindergarten. Die als Schauspielerin und Musikerin arbeitende ­Sykora kam 2012 für ein Masterstudium an der Universität der Künste nach ­Berlin. Ein Jahr später zog Benischek in die deutsche Hauptstadt, arbeitete in der Werbebranche und besuchte als Ausgleich zum stressigen Job Strickkurse bei Nina Schweisgut, der Gründerin und ehemaligen Besitzerin des Labels und Ladens „Knit Knit“ an der Linienstraße in Mitte. Irgendwann hatte sie jeden Kurs absolviert, beherrschte das Handwerk.

„Stricken hatte für mich immer etwas Hausmütterliches“

Benischek entwickelte sich durch ihre Begeisterung zunächst von der Kundin, die jeden Strickkurs besuchte, zur Mitarbeiterin. Ihre Freundin, die 34-jährige ­Sykora, hielt das Hobby bis dahin für „etwas Hausmütterliches“. „Weil ich etwas Entspannung suchte, habe ich mich dann doch überzeugen lassen und von Lisa Stricken gelernt. Es stellte sich heraus, dass ich darin wohl ein Naturtalent bin, obwohl ich zunächst dachte, dass ich das nicht kann, und habe daran Gefallen gefunden“, erinnert sie sich.

Dieses Jahr übernahmen die ­Freundinnen den Laden in Mitte, weil Schweisgut, die „Knit Knit“ 2012 eröffnete, wieder als Creative Director arbeiten wollte. „Während der Corona-Krise“, fügt Benischek an. Als sie 2019 verkündete, in einem Strickladen arbeiten zu wollen, war ihr Umfeld zunächst skeptisch. „Als ich aus der Werbung ausgestiegen bin, haben sich einige gewundert, warum ich die Branche wechsle. Ich verkaufe aber nicht nur, sondern kümmere mich auch um Marketing und die Organisation rundherum. Da profitiere ich von meinem Know-how“, sagt sie.

Durch das verglaste Schaufenster scheint die Sonne auf die rosafarbenen Wände. An der hinteren Wand hängen einzelne Wollknäuel, die genauso gut Teil einer Galerie sein könnten, links Musterstücke zum Nachstricken. Mittig steht ein kleiner, schwarzer Tisch, auf dem Holzstricknadeln, Wollknäuel und Kordeln liegen.

Viele Bestellungen über den Online-Shop

Obwohl die Freundinnen ihr Geschäft coronabedingt zwischen März und April schließen mussten, hatten sie trotzdem jede Menge zu tun: „In der Geisterstadt haben wir Pakete gepackt“, erinnert sich Sykora, so viele wie eigentlich nur im Winter. Über ihren Online-Shop ­trudelten ­täglich zahlreiche Bestellungen ein – nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus Frankreich, England, Österreich, der Schweiz und Skandinavien. Außerdem ­radelten die beiden durch Berlin und liefer­ten während des Lockdowns Bestellungen an Stammkundinnen selbst aus.

„Vor der Pandemie konnten wir mit sechs bis acht Personen Strickkurse veranstalten – nun sind es coronabedingt maximal vier Teilnehmer pro Kurs“, sagt Benischek. In den Anfängerkursen würden die meisten während der ersten anderthalb Stunden wenig reden, erklärt Sykora, „weil sie sich erstmal konzentrieren müssen“. Die unterschiedlichsten Menschen kommen zusammen, ob Ärztinnen, werdende Mütter, Kinder oder Polizisten – eine spannende Mischung. Dadurch ergeben sich oft auch nach der ersten Pause lebendige Gespräche.

Die beiden haben klare Vorstellungen von ihrem Strickladen: Welche Wolle es auf die weißen Regale in der Linienstraße schafft, entscheidet die Qualität des ­Materials: „Wir testen die Wolle. Wenn wir sehen, dass sie nicht unseren Kriterien nach Hochwertigkeit, Nachhaltigkeit und Farben entspricht, dann bestellen wir sie nicht“, erklärt Benischek. Allgemein verzichten sie meist auf Wolle mit Polyesteranteil und bestellen nur wenige ausgewählte Farben – basierend auf aktuellen Modetrends. Außerdem lassen sie eigens für „Knit Knit“ Merinowolle in Italien produzieren.

Mit Strickanleitungen können auch Einsteiger loslegen

Benischek und Sykora entwerfen selber Strickanleitungen, die es Anfängern leicht macht, einzusteigen. Neben Benischeks Freelance-Jobs und Sykoras künstlerischer Arbeit haben sich die Freundinnen mit dem Laden einen gemeinsamen Traum erfüllt. „Da wir beruflich zunächst getrennte Wege gingen, hätten wir nie gedacht, dass wir mal zusammenarbeiten“, sagt Sykora.

Hier findet man schöne Wolle und gute Beratung in Berlin

  • Knit Knit, Linienstr. 154, Mitte, Di .– Sbd. 14–19 Uhr, www.knitknit.de
  • Wollen, Gärtnerstr. 32, Friedrichshain, Di.–Fr. 11–19 Uhr, Sbd. 11–16 Uhr, Tel. 29 35 19 95
  • Wolleria, Kirchhainer Damm 3, Lichtenrade, Mo.–Fr. 10–18 Uhr, Sbd. 10–14 Uhr, Tel. 68 07 33 00, www.wolleria-berlin.de
  • Wollwind, Brunowstr. 52, Tegel, Mo., Mi.–Fr. 10–18 Uhr, Sbd. 10–14 Uhr, Tel. 55 59 11 55
  • Frau Wolle, Bismarckstr. 76, Steglitz, Mo.–Fr. 10–18 Uhr, Sbd. 10–14 Uhr, Tel. 855 91 81, www.frau-wolle-berlin.de
  • Simply Stitch, Dietzgenstr. 88, Pankow, Mo., Di., Do., Fr. 10–18.30 Uhr, Mi. 14–18.30 Uhr, Sbd. 10–14 Uhr, Tel. 47 48 96 98
  • Lalaine, Kantstr. 145, Charlottenburg, Mo.–Fr. 10–19 Uhr, Sbd. 10–15 Uhr, Tel. 313 84 83, www.lalaineberlin.de
  • Die Wolllust, Mittenwalder Str. 49, Kreuzberg, Mo., Di., Do., Fr. 11–18 Uhr, Sbd. 11–16 Uhr, Tel. 69 53 33 85
  • Filola, Stargarder Str. 24, Prenzlauer Berg, Di.–Fr. 11–13.30 Uhr, 14.30–19 Uhr, Sbd. 11–17 Uhr, Tel. 89 40 11 66
  • Herr U, Breite Str. 50, Pankow, Mo.–Fr. 10–15 Uhr, Sbd. 10–14 Uhr, Tel. 29 04 53 77, www.herr-u.de

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