Berliner Perlen

Schöner sehen - made in Berlin

2003 hat Designer Moritz Krüger die Brillen-Manufaktur „Mykita“ gegründet. Seit 2014 werden die Design-Objekte in Kreuzberg produziert.

In der Berliner Brillen-
Manufaktur arbeiten 
160 Mitarbeiter aus 28 Nationen.

In der Berliner Brillen- Manufaktur arbeiten 160 Mitarbeiter aus 28 Nationen.

Foto: Mykita-Modern/alastair-P-Wiper

Berlin. Wenn Moritz Krüger seinen Namen buchstabiert, kommt darin schon lange kein „ü“ mehr vor, stattdessen ein „ue“. Wegen der Internationalität. Denn den deutschen Umlaut gibt es in den meisten der etwa 100 Länder nicht, in denen man Brillen des Berliner Herstellers „Mykita“ in Fashion-Stores und bei ausgewählten Optikern kaufen kann. „Hinzu kommen 14 eigene Shops in Metropolen wie Tokio, Los Angeles, Paris oder New York“, sagt Geschäftsführer und Kreativdirektor Moritz Krüger, der das Unternehmen „Mykita“ 2003 gründete.

Allein in der Firmenzentrale in Kreuzberg, in der alle Schritte von der ersten Idee über die Designentwicklung und Fertigung bis zum Versand vereint sind, arbeiten 160 Mitarbeiter 28 unterschiedlicher Nationalitäten. Dabei hatte Krüger überhaupt nicht vor, eine Brillen-Manufaktur aufzubauen. Doch alle Hersteller, bei denen er seinerzeit anklopfte, schüttelten den Kopf. Das, was er entwickelt habe, lasse sich nicht produzieren. Neu war nicht nur, dass die Brillen aus flachem Edelstahl erst durch Biegen und Falten ihre dreidimensionale Form bekommen.

Markenzeichen ist das in elf Schritten geformte Scharniergelenk

Ein Novum in dem „von zusammengeschraubten Scharniersystemen dominierten Brillenmarkt“ war auch das von „Mykita“ eigens entwickelte Gelenk. „Dabei wird das vordere Ende des Bügels in elf Schritten von Hand geform, bis sich ein Spiralgelenk gebildet hat. Das wird dann in die Brillenfront eingehängt“, erläutert „Mykita“-Kommunikationschefin Lisa Thamm. Heute ist dieses „funktionale Designelement“ längst das Markenzeichen von „Mykita“.

Weil sich an das patentierte Gelenk aber kein Hersteller heranwagte, machte Krüger aus der Not eine Tugend: Mit einem Dutzend Mitarbeitern baute er, angetrieben von einer guten Portion Pioniergeist, selbst eine Produktion auf – eine „moderne Manufaktur“. Ein Ort, an dem „präzises Handwerk und neue Technologien miteinander verbunden werden“ und an dem nicht nur Brillen produziert werden: „Wir entwickeln auch unsere eigenen Werkzeuge und Maschinen, so dass sie genau unseren Anforderungen entsprechen“, sagt Lisa Thamm.

In das denkmalgeschützte „Pelikan-Haus“ an der Kreuzberger Ritterstraße, in dem sich einst auch eine Metallwarenfabrik und die Schreibwarenproduktion des Füllerherstellers „Pelikan“ befanden, ist 2014 „Mykita“ eingezogen. Seither bezeichnen es Moritz Krüger und seine Mitarbeiter selbstbewusst als „Mykita“-Haus, immerhin hat man fast das gesamte Gebäude angemietet.

Jedes Jahr gibt es zwei bis drei neue Kollektionen

„Aus unseren früheren Räumlichkeiten in Mitte waren wir einfach herausgewachsen“, sagt Lisa Thamm. Ehemals hatte sich darin eine Kindertagesstätte befunden – einer der Gründe, warum Krüger der Brillen-Manufaktur seinerzeit den Namen „Mykita“ gab. „Der Name passt zu uns, weil wir eine ebenso lebendige Kultur der Neugier und des Lernens pflegen wie in einer Kita“, sagt Krüger.

Lange habe man nach einem neuen Standort gesucht, erzählt Lisa Thamm. Schließlich sollten alle wieder unter einem Dach arbeiten, was letztlich auch gelang. So sitzen die Shop-Architekten ebenso mit im Haus wie die Leute des Marketingbereichs – der bei „Mykita“ „Global Brand Department“ heißt. Die Mitarbeiter sind auch für die Schaufensterkonzepte der eigenen Läden zuständig. Und auch die Designer, die im Prototypenstudio pro Jahr etwa 3000 neue Brillenmuster herstellen. Nur ein Bruchteil davon schafft es allerdings in die Serienfertigung.

„Jedes Jahr bringen wir zwei bis drei Kollektionen mit jeweils 70 Modellen heraus – darunter klassische Brillen ebenso wie außergewöhnliche Stücke“, sagt Lisa Thamm und zeigt im Showroom auf eine große Brille in Schmetterlingsform mit grellblauem Glas. Das sei dann eher etwas für „trendbewusste Menschen".

Extravagantes Design und besondere Materialien

Wert legt man bei „Mykita“ aber nicht nur auf ausgefallenes Design, sondern auch auf „besondere Technologien, Oberflächenbeschichtungen und Materialien“. So gibt es neben Brillengestellen aus dünnem Edelstahl oder Acetat auch solche aus „Mylon“ – einem Polyamidpulver, das mittels Laser im 3-D-Drucker Schicht für Schicht zu einem dreidimensionalen Objekt verschmilzt. „2011 haben wir die erste auf diese Weise gefertigte Kollektion aufgelegt“, erklärt Lisa Thamm. Brillen aus dem Drucker, „made in Berlin“.

Mykita-Haus, Zentrale und Showroom, Ritterstraße 9, Kreuzberg, Tel. 20 45 66 45, www.mykita.com

Mykita-Shop Berlin, Rosa-Luxemburg-Straße 6, Mitte, Tel. 673 30 87 15, Mo.-Fr., 11-20 Uhr, Sbd., 11-18 Uhr

Mykita-Shop Berlin West im Bikini Berlin, Budapester Straße 38–50, Charlottenburg, Tel. 28 47 41 14, Mo.-Sbd., 10-20 Uhr