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Wo Möbel nach Maß gefertigt werden

Bei Inlignum bietet Beate Schmidt in Charlottenburg Einrichtung aus Holz. Die Maßarbeit wird in der eigenen Werkstatt gefertigt.

Beate Schmidt in ihrem Geschäft Inlignum

Beate Schmidt in ihrem Geschäft Inlignum

Foto: Maurizio Gambarini

Neulich ist es mal wieder spät geworden bei Beate Schmidt. Ein Hausbesuch in Wedding dauerte bis 21 Uhr. Eigentlich kennt man Hausbesuche hierzulande nur von Ärzten. Eine Versorgung, die eher selten geworden ist. Kaum einer denkt dabei an ein Möbelgeschäft. Doch Inlignum, so der Name von Schmidts’ Geschäft, was aus dem Lateinischen übersetzt „In Holz“ heißt, ist eben besonders – ein Spezialgeschäft für hochwertige Holzmöbel nach Maß und eigenen Vorstellungen am Stuttgarter Platz in Charlottenburg. Gibt es doch auch im Internet, mag man sagen. „Was dort angeboten wird, ist nicht so gestalterisch individuell. Bei jedem unserer Möbelstücke gibt es über hundert verschiedene Möglichkeiten, wie sie gefertigt werden können“, sagt Beate Schmidt. Einen Online-Konfigurator bietet Inlignum natürlich auch an, die Variationen der individuellen Ausführung sind groß. Bei einem Hausbesuch gibt es Beratung.

Im Laden selbst sind Beispiel-Möbel zu sehen, die bereits auf den ersten Blick verraten, dass sie in vielen Varianten zu haben sind. Regale, Tische, Sideboards, Highboards, Lowboards, Kommoden, Schränke und Betten in diversen Spielarten. Dazu kommen noch Türen, Trennwandsysteme, Bänke und Hocker. Außerdem gibt es Bretter in verschiedenen Holzarten wie Fichte, Buche, Birke, Eiche, Nussbaum oder Akazie, um eine Vorstellung von der Farbigkeit und der Haptik eines Möbelstücks zu bekommen. Viele wollen schließlich vorher wissen, wie sich das Holz anfühlt und wie es riecht. Zudem kann man sich verschiedene Arten der Oberflächenbearbeitung anschauen wie Ölbehandlung, Lackierung oder Farblasur.

Den Kunden langsam zu seiner Wunschvorstellung leiten

Wer die Qual der Wahl hat, wird froh sein über die Beratung, die es bei Inlignum gibt. Je konkreter ein Wunsch wird, desto mehr Details müssen geklärt und desto mehr Entscheidungen getroffen werden. Etwa, wie Schranktüren ausgeführt werden. Innen- oder aufliegend oder als Schiebetüren. Mit Holzfront oder im angesagten japanischen Shoji-Style mit speziellem Reispapier. „Wir haben sehr viel im Angebot. 30 Prozent der Kunden, die zu uns kommen, haben genaue Vorstellungen von dem, was sie möchten. 70 Prozent nicht. Die muss man langsam zu ihrer Wunschvorstellung hinführen. Viele kommen deshalb mehrmals. Mir bereitet das viel Spaß. Außerdem inspirieren mich die Beratungsgespräche“, sagt Beate Schmidt.

Die gebürtige Charlottenburgerin arbeitet schon seit 30 Jahren in der Möbelbranche. Mit 50 hat sie beschlossen, sich selbstständig zu machen, weil in der Firma ihres früheren Arbeitgebers Veränderungen anstanden. Gemeinsam mit Rene Welsch und Michael Holtz, die sie beruflich seit Langem kannte, gründete sie Inlignum. „Wir wollten nicht mehr für andere arbeiten, sondern unsere eigenen Ideen umsetzen“, verrät sie. Mit hochwertigen Möbeln fürs Leben. „Die sind so konzipiert, dass man Regale etwa erweitern oder in zwei Regale halbieren kann.“ Anpassungsfähige Möbel. Nicht unwichtig bei Umzügen. Das kommt an.

Kunden können sich die Werkstatt ansehen

Neben dem eigenen Laden in Charlottenburg gibt es mittlerweile noch vier weitere Läden mit Vertriebspartnern in Stuttgart, München, Bremen und Düsseldorf. Ein anderer wichtiger Bestandteil des Geschäftskonzepts ist die eigene Werkstatt, in der ausschließlich Inlignum-Möbel gefertigt werden. Und zwar hier in Deutschland, genauer gesagt in Marienfelde mit sechs Angestellten. Also nicht im Ausland, wie in der Branche aus Kostengründen oft üblich.

„Das ist vielen unserer Kunden wichtig. Sie können die Werkstatt auch besichtigen und sich die Materialien dort genau anschauen“, sagt die 54-Jährige. Die meisten begnügen sich indes mit einem Besuch im Laden.

Ein Schnäppchen sind die sorgfältig gearbeiteten Möbel nicht. Aber Beate Schmidt bemüht sich immer um die preisgünstigste Variante. Einen einfachen Computertisch etwa gibt es ab 220 Euro. Bei Betten geht es ab etwa 550 Euro los und einen Shoji Schrank gibt es ab 1540 Euro. Besonders beliebt sind momentan neben den Regalen die Stauraum- und Familienbetten. Letztere in selbst gewählten Kingsize-Größen von 240 mal 200 Metern und mehr.

Vorläufige Skizze, dann Computerzeichnung

Um eine Ahnung vom fertigen Möbelstück zu bekommen, zeichnet Beate Schmidt zunächst eine vorläufige Skizze, bevor auf deren Grundlage eine Computerzeichnung entsteht. „Weil viele es sich aber nicht vorstellen können, wie ein Möbelstück vor Ort wirkt, komme ich nach Geschäftsschluss auch zu ihnen nach Hause“, sagt Beate Schmidt. Dort steht sie den Kunden mit Wohnideen und Tipps zur Seite. Und sie schlägt dann auch schon mal eine weniger teure Variante vor als vom Käufer angedacht. Ein Beispiel? „Schränke brauchen keine Rückwände, wenn sie direkt an die Wand montiert werden“, erklärt sie. Immer auf der Suche nach der besten Möglichkeit ganz im Kundensinn, empfiehlt sie auch schon mal, bei einem gut erhaltenen Schrank mit solidem Holzkorpus lediglich die Türfront auszuwechseln. Das ist nicht nur nachhaltig, es schont auch den Geldbeutel. Kein Wunder, dass die Kunden stets ein positives Feedback abgeben und oft wiederkommen.

Inlignum Leonhardtstr. 25, Charlottenburg, Tel. 31 80 77 14, Öffnungszeiten: Mo.–Fr. 11–18 Uhr, Sbd. 11–15 Uhr und nach Vereinbarung, Infos unter www.inlignum-moebel.de

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