Berliner Perlen

In diesem Geschäft gibt es 400 Bier-Sorten

Vom belgischen Kirschbier bis zum Indian Pale Ale: Mehr als 400 Sorten gibt es in der Bierlinie an der Schliemannstraße.

Jeroen Bosch in seinem Geschäft Bierlinie an der Schliemannstraße in Prenzlauer Berg

Jeroen Bosch in seinem Geschäft Bierlinie an der Schliemannstraße in Prenzlauer Berg

Foto: Jörg Krauthöfer

Bier ist in Deutschland oft ein Thema, aber auch ein spannendes? Kommt darauf an, wo man einkauft. In ausgewählten Läden ist jenseits von Reinheitsgebot und dem üblichen Einerlei eine enorme Vielfalt zu entdecken. Ein Supermarkt führt keine 400 Sorten, jeder einzelne eine oder wenige Spezialitäten zumal. Die Bierlinie schon.

Hier gibt es Biere für jeden Anlass und jeden Geschmack. Biere, die man nicht nur trinkt, sondern genießt. Bestseller ist belgisches Kirschbier namens St. Louis, ein erfrischendes Fruchtbier. "Damit sind wir bekannt geworden", sagt Jeroen Bosch, Gründer des Biergroßhandels, dessen Fenster zum Einzelhandelskunden der Laden in Prenzlauer Berg ist. "Ich komme aus den Niederlanden und zu meiner Studentenzeit wurden dort gerade belgische Biere hip", sagt er. Das war kurz nach dem Mauerfall. Bosch und ein Kompa­gnon hatten die Idee, diese Biere nach Ostdeutschland zu exportieren, einen Markt, auf dem es so etwas noch nicht gab.

Bis heute liegt der Schwerpunkt auf belgischen Bieren, daneben hat die Bierlinie internationale und deutsche Spezialitäten im Angebot. "In den belgischen Brauereien gab es erst einmal Gelächter, als sie hörten, dass wir Bier nach Deutschland verkaufen wollten", sagt Bosch, "schließlich gibt es hier genug davon". Andererseits unterscheiden sich die Brautraditionen merklich und diese Unterschiede wollte das junge Team nutzen. "Die Deutschen sind zu Recht stolz auf ihr Bier, aber etwas mehr Vielfalt ist nicht verkehrt", sagt Bosch. Fruchtbier wird hierzulande kaum hergestellt und auch was Starkbier angeht, sind die Belgier deutlich besser aufgestellt. "Berühmt sind die Trappistenbiere, die bis heute in Klostern unter der Aufsicht von Mönchen gebraut werden."

Gärung in der Flache oder auch in offenen Tanks

Das Dubbel von Westmalle ist so eines, "quasi ein cremiges Bockbier mit 7% Alkohol". Oder das Chimay Triple, noch stärker und mit Koriander gewürzt. "Kurz vor der Abfüllung kommt extra Hefe und ein wenig Kandiszucker hinein, sodass in der Flasche eine Nachgärung stattfindet", erklärt Bosch. Eine typisch belgische Spezialität sind auch jene Tropfen, deren Gärung in offenen Tanks unter mit Wildhefe 'infizierten' Holzdächern in Gang gebracht wird. Ungewohnt säuerlich, aber auch erfrischend und voller Geschmacksnuancen erleben sie gerade eine Renaissance, "die kleinen handwerklichen Brauereien können die Nachfrage kaum noch befriedigen". Seit 1991 verkauften Bosch und sein Partner ihr belgisches Bier anfangs vor allem auf Straßenfesten, "so haben wir das Bier bekannt gemacht und uns den eigenen Markt erobert". Ihr zunächst noch sehr kleiner Großhandel wuchs über die Jahre und seit drei Jahren gibt es den Laden an der Schliemannstraße, "wie einen Showroom oder ein Minilaboratorium für unsere hauseigene Marktforschung".

In den Regalen steht alles von handfest bis luxuriös. Sehr exklusiv zum Beispiel ist ein in Flandern gebrautes Bier der Marke Deus. Um es mit echter Champagnerhefe zu vergären, wird es eigens von Belgien nach Frankreich und zurück gefahren. Dafür ist es am Ende feinperlig wie echter Champagner und kann sich preislich mit diesem messen: 19 Euro kostet der Dreiviertelliter.

Vom deutschen Reinheitsgebot geprägte Geschmäcker werden vieles exotisch finden. Biere zum Beispiel, die mit Spirituosen versetzt sind. Das Gouden Carolus etwa kommt aus einer Brauerei, die nebenbei eine hauseigene Destillerie betreibt und Whisky aus eigener Herstellung ins Bier mischt. "Damit haben sie in den letzten beiden Jahren die Auszeichnung für das beste mit Spirituosen versetzte Bier eingeheimst." Das ist mindestens so ungewöhnlich wie ein US-amerikanisches "IPA", ein Indian Pale Ale, das mit Safran und Kardamom gewürzt ist. Oder ein tiefdunkles malzbetontes Porter der englischen Marke Black Wych, das besonders "nahrhaft" ist, denn die ursprüngliche Zielgruppe dieser Porter-Biere waren schwer arbeitende Hafenarbeiter.

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Die Liste ließe sich lange fortführen, die Vielfalt setzt sich auch bei den Trinkgefäßen fort. "Es ist Teil der belgischen Bierkultur, dass jedes Bier sein eigenes Glas hat", sagt Bosch, "da gibt es viele in Deutschland unübliche Formen". Wer ein ausgefallenes Bier stilecht zu sich nehmen möchte, kann passende Gläser in der Bierlinie gleich dazukaufen.

Jemand, der bestenfalls grob zwischen Pils, Lager und Hefeweizen unterscheiden kann, den mag das unüberschaubare Sortiment zunächst womöglich überfordern. Solche Kunden werden in der Bierlinie kompetent beraten, sollten nichtsdestotrotz aber einmal eine Verkostung in Erwägung ziehen. Was sind schon Worte, wenn man ein Bier einfach selbst schmecken kann! Regelmäßig wird der große Präsentiertisch in der Ladenmitte zum Mittelpunkt einer Edel-Schänke und man kann sich einen Überblick über Sortenkategorien, Braueigenheiten und Geschmacksrichtungen verschaffen. Durchschnittlich zweimal im Monat finden die öffentlichen Verkostungen statt. Termine sind online buchbar, zusätzlich lassen sich Gruppenevents auf Anfrage arrangieren.

Bierlinie, Schliemannstraße 2, Prenzlauer Berg, Tel. 44 31 82 20, Mo.– Fr. 13–19 Uhr, Sbd.. 11–19 Uhr, www.bierlinie.de/laden

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