Berliner Perlen

„Egal welcher Tanz, der Schuh ist das Wichtigste“

Im Maison de la Danse an der Pestalozzistraße in Charlottenburg findet sich alles, was Tänzer fürs Parkett benötigen.

„Tanzen befreit die Seele“, sagt Nicola Fohland, die im Maison de la Danse alles fürs Tanzen verkauft

„Tanzen befreit die Seele“, sagt Nicola Fohland, die im Maison de la Danse alles fürs Tanzen verkauft

Foto: Massimo Rodari

Berlin. „Wir haben für jeden die richtige Musik“, sagt Nicola Fohland, auch wenn sie ausschließlich Schuhe, Kleidungsstücke und Zubehör verkauft. Aber das Maison de la Danse hat eben eine spezielle Zielgruppe: Tänzerinnen und Tänzer. „Ich bekomme öfter einmal etwas vorgetanzt“, sagt Fohland, „von Paaren oder auch von Kindern, gerade neulich musste ich einen Walzer auflegen“. Die Kunden wollen mitunter eben direkt testen, ob neue Accessoires auch tanzbodentauglich sind.

In Berlin gibt es unzählige Ballett- und Tanzschulen, die weltweit größte Tangoszene außerhalb von Buenos Aires, eine aktive Salsacommunity, Standard-, Step-Dance- oder Folkloregruppen. Irgendwo in Berlin wird fast jeder Stil getanzt und das schafft Nachfrage nach der passenden Ausstattung. Im Maison de la Danse finden vom Ballettprofi bis zum Salsaking, von der Tangolady bis zur Irish-Dance-Truppe alle, was sie brauchen: praktische Trainingsklamotten, piekfeine Outfits für Milongas oder Ballnächte und die perfekt passenden Schuhe – ganz besonders Schuhe.

„Egal welcher Tanz, der Schuh ist das Wichtigste“, erklärt Fohland. Laien unterschätzen das gern einmal und erscheinen mit gewöhnlichen Straßentretern zum Tanzkurs. Dass das ein Fehler sein muss, schwant jedem, der einmal beobachtet hat, wie erfahrene Tänzerinnen und Tänzer zuallererst ihre Schuhe wechseln, bevor sie sich auf eine Tanzfläche begeben. „Weit über die Hälfte unseres Geschäftes ist salopp gesagt der Schuhbetrieb“, sagt Fohland, „es gibt Ballettschuhe, Flamenco-, Tango- oder Stepschuhe bis hin zu sogenannten Charakterschuhen, also Modellen die für Musicals und Showdance gebraucht werden oder für folkloristische Tänze geeignet sind.“

Doch was unterscheidet einen Tanzschuh eigentlich von einem normalen Schuh? Vor allem die Sohle. Im Gegensatz zu Straßenschuhen hat sie keine vorstehende Kante ringsum und ist an anderen Stellen biegsam. Besonders vorn muss sie weich und beweglich sein, damit es sich gut tanzen lässt. Die klassischen Modelle sind besonders elegant, inzwischen gibt es aber auch an den Turnschuhlook angelehnte Dance Sneaker, in denen sich jüngere Leute oft wohlerfühlen.

Die passende Kleidung zu den Schuhen umfasst ein Sortiment von schick bis sportlich. Im Maison de la Danse gibt es Kleider für Standard- und Gesellschaftstanz, Flamencoröcke und Som­breros, Hosen für Jazzdance oder für den Tango tanzenden Herren mit klassischer Bundfalte, extravagante Wärmebekleidung und natürlich Ballett-Tutus. Die finden vor allem bei jungen Mädchen Absatz, bei denen Ballett immer noch ein angesagtes Hobby ist. In der Nähe gibt es viele Tanzschulen und das wiederum kurbelt auch den Schuhabsatz an „denn Kinderfüße wachsen schnell!“.

Neben solch jungen Abnehmerinnen gehören viele Promis zur Stammkundschaft. Der ehemalige Intendant des Staatsballetts Berlin, Vladimir Ma­lakhov, war früher oft da, die aktuelle Startänzerin Polina Semionova kommt heute häufig vorbei. „Auch Schauspieler oder Musiker wie Sarah Connor oder Désirée Nick kaufen bei uns ein, außerdem Diplomaten und viele Touristen, die so ein Geschäft in ihren Heimatorten oft ja gar nicht haben“, sagt Fohland, „oft sehr interessante Leute.“ Übrigens sind auch viele angehende Bräute darunter, denn passend zum Hochzeitskleid finden sich sehr schöne Schuhe aus weißem Satin im Sortiment. „Wer einmal in einem Hochzeitsshop die Brautschuhe ausprobiert hat, liebt diese Modelle doppelt, denn sie sind genauso schön, aber viel bequemer.“

Gegründet hat das Maison de la Danse der langjährige Inhaber Heinz Brandt. Alles fing mit seiner Tangoleidenschaft an, mehrere Jahre verbrachte Brandt in Argentinien und entdeckte den leidenschaftlichen Tanz für sich. Zurück in Europa eröffnete Brandt – ein echter Globetrotter, der fünf Sprachen spricht und seine Kunden aus aller Welt für gewöhnlich in ihrer jeweiligen Muttersprache anreden kann – zunächst in Paris sein erstes Maison de la Danse. Das war in den 1980er-Jahren, etwas später zog er mit seinem Geschäft nach Berlin und behielt den Namen.

Seit über dreißig Jahren ist das Maison de la Danse nun Anlaufpunkt für Profi- und Hobbytänzer in der Pestalozzistraße. In den Anfangstagen war es das einzige Geschäft in Berlin, in dem man original argentinische Tangoschuhe kaufen konnte, die Brandt als Erster importierte. Weil unter anderem deutsche Markenhersteller ihnen inzwischen Konkurrenz machen, sind die Originale mittlerweile aber aus dem Programm geflogen – heute werden Tangoschuhe von Werner Kern verkauft, einer deutschen Marke mit internationalem Renommee, „weltweit bekannt, quasi die Adidas-Schuhe der Tanzszene“.

Man steht wahrlich nicht in einem Allerweltsgeschäft, das merkt schnell, wer die Kunden beobachtet. „Hierher kommen Leute, die für ein leidenschaftliches Hobby oder einen Beruf, den sie lieben, einkaufen“, sagt Fohland. In einem der Kaufhäuser gleich um die Ecke an der Theke zu stehen, kann sie sich kaum vorstellen. „Tanzen befreit die Seele, sage ich immer, wahrscheinlich sind die Kunden deswegen immer entspannt und freundlich. In unserem Laden herrscht eine ganz besondere Atmosphäre.“

Maison de la Danse, Pestalozzistraße 43, Charlottenburg, Mo.–Fr. 10–19, Sbd. 11–15 Uhr, Tel. 323 20 43, www.maisondeladanse.de

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