Berliner Perlen

Per Quereinstieg in die Welt der Designermode für Kinder

Selina Schweiker und Friederike Sirin waren nicht immer Ladeninhaberinnen. In ihrem Tempelhofer Geschäft „Petit Cochon“ handeln sie jetzt mit Designer-Kindermode, die mitwächst.

Foto: Reto Klar

Die Testpersonen sind ihre Kinder. Sechs sind das insgesamt, Jungen und Mädchen. Und wenn die Hosen, Pullis, Jacken den Spielplatz-, Kindergarten- und Schulhof-Check bestanden haben und dann auch noch an die jeweils kleineren Geschwister weitervererbt werden können, dann ist genau das erreicht, was Friederike Sirin und Selina Schweiker mit ihrem Modelabel „Petit Cochon“ erreichen wollen. Und erreicht haben. Denn längst hängen die Kreationen nicht mehr nur in den Kleiderschränken ihrer eigenen Kinder.

Seit März 2013 haben die beiden ihren kleinen Laden im Tempelhofer Kaiserkorso 1. Doch den Namen und auch die Mode, die gibt es schon viel länger. „Ich habe schon immer die Sachen für meine Kinder genäht“, sagt Selina Schweiker. Die 32-Jährige ist eigentlich Architektin. Sie hat drei Kinder. Irgendwann stellte sie fest: Mit dem Architekturprogramm auf ihrem Rechner Zuhause kann man nicht nur Häuser entwerfen sondern auch Schnittmuster für Hosen gestalten.

Also nähte sie, entwarf und verbesserte die Mode am lebenden Modell: ihren Kindern. „Wir kennen uns aus der Kita. Ich habe die Sachen ihrer Kinder gesehen und wollte die einfach auch haben“, sagt Friederike Sirin. „Schon damals habe ich mich gefragt, warum sie das mit den Klamotten nicht größer aufzieht.“

Zunächst nur einen Online-Shop

Die 45-Jährige arbeitete beim Fernsehen, war lange beim ZDF „Morgenmagazin“, wollte aber gern etwas anderes machen. Und Selina Schweiker fand allein einfach nicht den richtigen Moment für den großen Schritt. Zu zweit haben sie ihn dann unternommen.

2012 schlossen sie sich zusammen. Erst wurde der Shop nur online gestartet, dann eröffneten sie im vergangenen Jahr den kleinen Laden. Hauptsächlich auch, weil für die Bestände, die es inzwischen gab, ein anderer Ort als die Wohnung von Friederike Sirin hermusste. „Das stapelte sich irgendwann bei uns Zuhause, das ging nicht mehr.“

Drei Frauen nähen nun jene schönen Stücke für Kinder von null bis sechs Jahren, die Selina Schweiker selbst entwirft. „Eine unserer Näherinnen macht die Hauptarbeit, hier um die Ecke. Aber irgendwann brauchten wir aufgrund der steigenden Nachfrage einfach noch Unterstützung für sie.“

Anfangs kannten die beiden jeden, der ihre Sachen kaufte. Dann ging es aber ziemlich schnell „schneeballmäßig los“. Heute haben sie Kunden in Schweden, in Österreich, in der Schweiz. Darunter schon viele Stammkunden. „Oft kommen Touristen zu uns in den Laden, die sich vorher ganz gezielt über unsere Öffnungszeiten informiert haben und dann bei uns einkaufen“, sagt Friederike Sirin. Häufig sind Großeltern da, die von ihren Kindern, die in einer anderen Stadt wohnen, beauftragt wurden, etwas einzukaufen. Oder einfach mal den Stoff zu befühlen.

Die Textilien sind weich. 100 Prozent Baumwolle. „Wir kaufen so gut wie alle Stoffe in Deutschland“, sagt Selina Schweiker. „Dieser Aspekt der Nachhaltigkeit war uns erst gar nicht so bewusst. Wir produzieren in Berlin,“, sagt Friederike Sirin. „Die Ökobilanz unserer Sachen ist wirklich ziemlich gut.“ Architektin Selina Schweiker lacht: „Solche Bilanzen mache ich sonst nur für Häuser.“

Beliebt bei Eltern ist der Effekt, dass die Kleidungsstücke lange genutzt werden können, also geradezu mitwachsen. Dieser Clou der Hosen und Kleidchen, Pullis und Hemden ist schnell erklärt: Die Sachen haben ein langes Bündchen, das sich dehnt und umzuschlagen ist. So wird die Kleidung an die Größe der Kinder angepasst. Aus Kleidern können so zum Beispiel auch Pullis werden. Die Preise für die meisten Stücke liegen um die 30 Euro. Ein ganzer Wollanzug für die Kleineren liegt bei 69 Euro.

Schön oder gemütlich? Beides!

„Bei vielen Dingen ist es sogar egal, ob man es vorwärts oder umgedreht trägt“, sagt Selina Schweiker. Das ist echte Wohlfühlmode, das sieht man bei den Kindern, das fühlt man, wenn man die unterschiedlichen Modelle anfasst. Oft gilt ja: Schön oder gemütlich. Petit Cochon kann beides.

So gut, dass die Mütter neidisch werden auf die Mode ihrer Kinder. „Oft werden wir gefragt, ob wir die Modelle nicht auch für Große machen können“, sagt Friederike Sirin und lacht. „Ich habe Selina schon so oft gefragt, ob sie dieses oder jenes Kleid nicht auch mir mal schneidern kann.“ Sie zieht ein kleines Kleidchen hervor und man kann sich gleich gut vorstellen, wie das als Erwachsenen-Teil aussähe.

„Petit Cochon“ heißt übrigens „kleines Schwein. „Aber es heißt eben auch ‚Dreckspatz’ und das verdeutlicht, was wir wollen: Unsere Sachen soll man richtig benutzen können“, sagt Selina Schweiker. Und das darf man den Stücken ruhig ansehen.

Petit Cochon: Kaiserkorso 1, Tempelhof, www.petit-co.com, Öffnungszeiten: Montag, Mittwoch, Freitag und Sonnabend von 11 bis 14 Uhr, ab Oktober auch donnerstags von 15 bis 18 Uhr