„Ich bin dann mal weg“: Spätestens seit Hape Kerkelings erfolgreichem Reisebuch von 2006 ist Deutschland im Wanderfieber. Bergsteigerei und Kletterei sind inzwischen Freizeitsportarten, für die sich nicht nur Experten entscheiden, sagt Peggy Geithner, Inhaberin des Outdoor-Fachgeschäfts Mont K an der Kastanienallee in Prenzlauer Berg.

Mancher Anfänger sei allerdings „ziemlich blauäugig“, sagt Geithner. „Wir hatten zum Beispiel einen Kunden, der ohne Training den Kilimandscharo bezwingen wollte. Aber das funktioniert da draußen in der Natur nicht.“

Selbst die Kerkeling-Tour Jakobsweg birgt Herausforderungen für Anfänger. Die Ausrüstung dazu findet man in den sechs Verkaufsräumen des Mont K: zwei Stockwerke mit Kleidung, Ausstattung und Zubehör zum Wandern, Zelten, für Trekking, Bergsteigen, Klettern, Fahrradtouren und Wassersport. Im Souterrain gibt es Schlafsäcke, Isomatten und Zelte. Mehrteilige Fahrradtaschen gibt es, Ausrüstungen für Wasserwanderungen und sogar das Sportkletter-Ruhebett für lange Pausen an steilen Felswänden.

Nie ohne Feuerzeug ins Gebirge

Der Laden wirkt wie eine Mischung aus Kletterwand und kultiger Gebirgshütte. Die Wände zieren Fotos schneebedeckter Himalaya-Gipfel und von Extrem-Kletterern an steilen Felswänden. Chefin Peggy Geithner, eigentlich gelernte Holzbildhauerin, weiß aus Erfahrung, wie man solche Touren meistert. Mit ausreichend Essen, Trinken, Wetterschutz sowie der richtigen Kleidung im Gepäck, muss die Selbstversorgung gesichert und für Notfälle vorgesorgt werden. Ebenso wichtig: Wanderkarte und Feuerzeug.

Wer sich auf den Weg macht, kann sich im Mont K eindecken: mit wasserdichten Jacken ab 100 Euro und Hosen ab 80 Euro. Passende Rucksäcke gibt es ab 90 Euro. Dazu hochwertige Wanderschuhe aus Leder für 200 Euro mit einer Garantie von mindestens acht Jahren. „Das ist wichtig“, sagt Geithner. Unfallstatistiken zufolge geschehen die meisten Unglücke wegen falscher Schuhe. Kletterschuhe indes können an der 3,50 Meter hohe Wand im Laden ausprobiert werden.

Wichtig sei natürlich, sich gut vorzubereiten. Beispielsweise beim Deutschen Alpenverein, wo die 44-Jährige seit 17 Jahren aktiv ist. Sie macht Kinder- und Jugendarbeit und engagiert sich beim Erhalt der vereinseigenen Hütten. Der Verein biete in Berlin eine Reihe In- und Outdoor-Kletteranlagen, den nötigen Versicherungsschutz und eine Kletterschule für Kinder, Anfänger und Fortgeschrittene.

Der Reiz liegt in der Konzentration auf jeden Schritt

Erste Erfahrungen können Mont-K-Kunden aber auch in den Kursen des Ladens sammeln. Das Angebot reicht von zweistündigen Kursen für 39 Euro bis hin zu Kletterfahrten. Zusätzlich bietet das Geschäft den Verleih von Spezial-Ausstattung sowie Reparatur und Pflege an. Solchen Service wissen die Kunden zu schätzen: Dankesschreiben und bunte Grüße aus aller Welt an die neun Mitarbeiter des Laden zieren die Wände zwischen zwei der Räume.

Für Peggy Geithner, die mehrere Jahre lang Erfahrungen als Freizeitsport-Trainerin sammelte, war die Eröffnung von Mont K 1997 die Erfüllung des Wunsches, ihr Hobby zum Beruf zu machen. Reisen, Wandern und Klettern sind für sie ganz wichtig. Ziel sei dabei nicht „das Gipfel-Stürmen allein, sondern die Möglichkeit, andere Länder und Kulturen kennen zu lernen und auf Fotos festzuhalten“.

Sie bevorzugt längere Hochgebirgs-Touren, war mehrfach in Nepal, hat bis zu 5600 Meter hohe Berge des Himalaya-Gebirges bezwungen. Der Reiz liege ihrer Ansicht nach nicht im Risiko, sondern in der 100-prozentigen Konzentration auf jeden Schritt. „Gerade beim Klettern muss man kombinieren, vorausplanen. Wie beim Schachspiel“, sagt sie.

Achtung, Höhenkrankheit!

Geithner warnt vor Leichtsinn und Selbstüberschätzung. Um etwa Höhenkrankheit zu vermeiden, empfiehlt sie, ab 3000 Metern nie mehr als 700 Meter auf einmal zu erklimmen. Abstiege sollten sogar nur bis zu 200 Meter tiefer führen. Respekt vor der Strecke sei oberstes Gebot und die „Gipfel-Euphorie“ eine große Gefahr. „Abstiege haben es in sich und müssen genau geplant werden, um Erschöpfung zu vermeiden“, sagt sie.

Neulinge sollten zudem nie allein losmarschieren. Besser sei es, etwa tief in den Alpen anzufangen oder erst einmal in der Umgebung Berlins lange Strecken zu überwinden. „Man muss gar nicht weit reisen, um Natur zu erleben.“

Ein wenig, sagt die Chefin, sei in globalisierten Zeiten die Wildnis verloren gegangen. Auf ihrer jüngsten Mauretanien-Reise habe sie überrascht festgestellt, dass selbst Nomaden der Sahara Handys benutzen. Gerade der Kontakt zu unberührter Natur aber sei es, der Peggy Geithner fasziniert. Resümee ihrer Touren: „Man braucht so wenig, um glücklich zu sein. Man muss weg vom Stress, zurück zu unserem Ursprung.“

Mont K, Kastanienallee 83, Berlin-Prenzlauer Berg, Tel. (030) 405046770, mont-k.de, Öffnungszeiten: Montag bis Sonnabend 10 bis 20 Uhr