Berliner Perlen

Dieser Berliner Duftmischer will natürlich betören

Am Ende einer langen Reise stand für Rolf Nissen fest, Parfüms in seinem Laden „Mekkanische Rose“ herzustellen. Für seine außergewöhnlichen Essenzen werden Millionen von Blüten verarbeitet.

Foto: Massimo Rodari

Inspirierten sie die Märchen der Scheherazade? Oder Ritte durch die Wüsten? Rolf und Bernd Nissen waren vor allem von den Düften, die sie bei ihrer langen Reise durch die Länder des Nahen Ostens kennenlernten, so beeindruckt, dass sie daraus eine Geschäftsidee machten.

„Auf dieser Reise haben wir unseren Weg gefunden: Wir würden etwas verkaufen, was echt, also ein Geschenk der Natur ist“, sagt Rolf Nissen. Wieder in Deutschland, setzten die Brüder in Berlin ihr Konzept um. Ergebnis ist das Charlottenburger Geschäft „Mekkanische Rose“.

Die gebürtigen Flensburger, die in den 70er-Jahren zum Politikwissenschafts- und Geschichtsstudium nach Berlin an die Freie Universität gekommen waren, investierten ihre Ersparnisse aus Studenten-Jobs, immerhin 70.000 Mark (rund 35.000 Euro), als Startkapital und gründeten 1982 ihr Geschäft. Nahe dem Kurfürstendamm erleben Besucher dort seitdem Elixiere aus aller Welt.

Im Geschäft gibt es nichts Synthetisches

Der Verkaufsraum mit 40 Quadratmetern ist in Türkis und sattem Braun gehalten, es gibt Bänke mit Kissen und nostalgisch designte Wandregale voller Parfümfläschchen und Flacons. Ein achteckiger Tisch in der Raummitte präsentiert Weihrauch in Schälchen, indische Räucherstäbchen und Duftlampen. Diese kosten 69 bis 115 Euro und werden, wie auch die Duftsteine, mit Ölen oder Essenzen beträufelt, den Grundlagen des Sortiments. Synthetisch hergestellte Aromen, wie in der Branche nicht unüblich, gibt es im Geschäft nicht.

Vor 31 Jahren starteten die Brüder ihren Laden mit dem Verkauf von Patchouli-Öl, dem Lieblingsaroma der Hippies. Obwohl sie 21 Mark pro Fläschchen verlangten, war die Nachfrage groß. 1984 kam die erste eigene Kreation „Alhambra“ hinzu. Sie war nach der Festung im spanischen Granada benannt und kombinierte Amber, Neroli und Ylang-Ylang. Sie ist bis heute als Eau de Parfum, Eau de Toilette und Körperöl erhältlich und kostet 49, 34 oder 19 Euro.

Die Rohstoffe der inzwischen 25 Eigenkreationen kommen aus den Ursprungsländern: französischer Lavendel, indischer Jasmin, bulgarische Rosen, Grapefruit aus Florida. Die Naturprodukte sind enorm wertvoll. Ein Tropfen Rosenöl beispielsweise ist Konzentrat aus 50 bis 80 Blüten. Rolf Nissen experimentiert damit in seiner an den Verkaufsraum angrenzenden Manufaktur.

„Die Herstellung ist reine Handarbeit“

Drei Grund-Komponenten gilt es für Parfümhersteller zu mischen: Die Kopfnote beinhaltet frische Düfte wie Grapefruit, Mandarine, Zitrone, Lavendel. Herznote nennt man Blüten-Noten wie Patchouli, Rose, Jasmin, Akazie, Narzisse. Zur Basisnote gehören Sandelholz, Zeder, Weihrauch, Myrrhe, Amber.

Als „Frühlingsparfüme“ empfiehlt Nissen solche mit Zitrus-Komponenten, wie „Zarif“. Oder das typische Männerparfüm „Tiba“. Es hat eine frische grüne Note mit dem sogenannten Lavendel Royal. Ein Sommerduft ist „Nerda“, eine Komposition aus Orangenblüten und indischem Jasmin. Viele Kunden, Männer wie Frauen, favorisieren bei Nissen „Kaschmir“ und „Tuba“. Das Gros der Kunden ist 35 bis 60 Jahre alt und vornehmlich weiblich.

„Die Herstellung ist reine Handarbeit“, sagt der 60-Jährige, der seit kurzem auch via Online-Shop verkauft. „Das ist mein Part“, sagt Ehefrau Regine, die seit dem Tod von Nissens Bruder vor zwei Jahren ganz in den Betrieb eingestiegen ist. Das Parfümgeschäft, zu dem der Weitervertrieb an Läden in Hamburg und München gehört, fordere von ihrem Mann „vor allem Talent“, sagt die 51-jährige Regine Nissen.

Mit der steigenden Nachfrage der Parfümkunden gehe in der Industrie die Produktion synthetischer Duftstoffe einher, sagt Rolf Nissen. „Heutzutage wird ja alles parfümiert, selbst Putz- und Waschmittel.“ Was er dagegen anbietet, so Nissen, sei es, seinen Kunden dabei zu helfen, ihre Persönlichkeit auf natürliche Weise zu unterstreichen.

Wissen um die emotionale Wirkung von Düften

Dazu gehört das Wissen um die emotionale Wirkung. Grapefruit-Duft etwa bewirkt gute Laune. Orangenblütenöl hat so manchen Ängstlichen beruhigt. Jasmin wurde von einer Kundin als „reines Vergnügen“ umschrieben. Neun Millionen Blüten braucht man für rund einen Liter. Die Königin der Düfte aber sei die Rose. 50 Milliliter „Joy Of Roses“ kostet als Eau de Parfum 128 Euro. 30.000 Blüten werden dazu verarbeitet.

Neben Fachbüchern, in denen Essenzen beschrieben werden, finden Interessenten in der „Mekkanischen Rose“ Rohstoffe moderner Aromatherapie. „Ich möchte den Menschen gute Sachen verkaufen“, sagt Nissen. Damit erreicht er jene Kunden, die ähnlich wie überzeugte Konsumenten von Bio-Waren dafür auch höhere Preise zahlen.

Seinerseits investiere er nicht in aufwendige Verpackungen oder Werbung, sondern in die Qualität seiner Rohstoffe. Er handele dabei, so Rolf Nissen, nach einem Ratschlag seines Vaters: „Entweder du verkaufst gute Ware oder solche, für die du den Marktschreier geben musst.“

Mekkanische Rose Leibnizstraße 47, Berlin-Charlottenburg, Tel. (030) 3231419, Mo.–Fr. 10–19 Uhr, Sbd. 10–14 Uhr

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