Olympiastadion

2:0 gegen Dortmund - Bayern holt mit DFB-Pokal das Double

Der Sieger steht fest: Bayern München hat den DFB-Pokal gegen Dortmund im Olympiastadion verteidigt. Bayerns Holländer wurde wieder zu Dortmunds Albtraum. Das DFB-Pokalfinale im Minutenprotokoll.

Von M. Boenke, P. Hertzberg, F. Müller, Uwe Bremer, Jörn Meyn & L. Vossen

Als Arjen Robben den Ball über die Linie drückte und damit alles verloren war, muss es Jürgen Klopp auf der Bank von Borussia Dortmund so vorgekommen sein, als habe er diese Szene schon einmal gesehen. Ein Déjà-vu, dazu noch eines, auf das der BVB-Trainer gern verzichtet hätte.

Es war die 16. Minute der Verlängerung im einem denkwürdigen DFB-Pokalfinale, das zu diesem Zeitpunkt mehr einer Abnutzungsschlacht glich als einem Fußballspiel. Jerome Boateng flankte von rechts, Dortmunds Innenverteidiger Mats Hummels ließ das Leder gewähren, und Robben schoss Borussia Dortmunds Torwart Roman Weidenfeller den Ball durch die Beine zum 1:0 ins Netz (106. Minute).

Zum zehnten Mal das Double

Dieses Tor sollte den Pokalgewinn für die Münchner bedeuten, den 17. der Vereinsgeschichte und nach der Meisterschaft auch das zehnte Double. Aber es sollte vor allem auch die Rettung einer ganzen Spielzeit für den FC Bayern sein, der nach dem Aus in der Champions-League-Halbfinale gegen Real Madrid arg an sich gezweifelt hatte. In den letzten Sekunden traf Thomas Müller sogar noch zum 2:0-Endstand.

Fast auf den Tag genau vor einem Jahr hatte es diese Szene schon einmal gegeben. Im Champions-League-Finale von London traf Robben kurz vor Spielende zum 2:1, das den deutschen Rekordmeister zum König von Europa krönte und die Borussia aus allen Titelträumen riss. „Wir wollten unbedingt gewinnen. Wir sind früh Meister gewonnen und dann etwas runetr gefallen. So ist Fußball, aber wir sind auch nur Menschen“, sagte Robben. „Das Double und das Champions-League-Halbfinale, das ist doch nicht so schlecht: eine super Saison!“

So spannend die Partie am Ende war, so wenig ereignisreich hatte sie begonnen: Irgendwann in der ersten Halbzeit tat sich der Himmel auf und es begann in Strömen zu regnen. Den ganzen Tag über hatte die Sonne gestrahlt, aber als es endlich losging, fiel der Nieselregen schräg von der Seite. Das Wetter passte sich dem Geschehen auf dem Feld an. Tage-, ja wochenlang hatte dieses Duell seine Strahlen vorausgeworfen. Zu einer ultimativen Entscheidungsschlacht um die Vorherrschaft im deutschen Fußball war dieses Pokalfinale stilisiert worden. Aber als es dann endlich soweit war und der Ball rollte, passierte lange – nichts.

Überraschend begann der Däne Hojbjerg

Bayern-Trainer Pep Guardiola hatte sich einen ungewöhnlichen Schlachtplan zurechtgelegt: Bastian Schweinsteiger und kurzfristig auch Linksverteidiger David Alaba fehlten verletzt. Der schöngeistige Spanier entwarf für diese Partie ein System mit einer Dreier-Abwehrkette und sechs Mittelfeldspielern davor. Überraschend begann der erst 18 Jahre alte Däne Pierre-Emile Hojbjerg. Auf seinen treffsichersten Angreifer Mario Mandzukic (18 Saisontore) hatte Guradiola ja von vornherein verzichtet. Für ihn wartete Robben in ungewohnter Position als zentraler Stürmer auf Anspiel – und bekam keine.

Zwar probierte es Müller schon kurz nach Anpfiff mit einem Gewaltschuss aus 18 Metern, den Dortmunds Schlussmann Roman Weidenfeller unfreiwillig mit dem Schädel klärte (4.). Doch danach versandete das Spiel zwischen den Strafräumen. Beide Teams standen sich gegenseitig auf den Füßen. Einmal sogar im Wortsinn: Nach einem Tritt aufs Wadenbein musste Münchens Kapitän Philipp Lahm vor den Augen vor Bundestrainer Joachim Löw auf der Ehrentribüne verletzt ausgewechselt werden (30.), seine WM-Teilnahme ist aber nicht in Gefahr. Für ihn kam der ebenfalls angeschlagene Franck Ribéry. Der BVB überließ dem Deutschen Meister weitestgehend den Ball, der aber wie schon den vergangenen Wochen wenig mit damit anzufangen wusste.

Zwei Fehlentscheidungen in einer einzigen Szene

Ähnliches Bild zunächst in Halbzeit zwei: Guardiolas Team hatte meist den Ball, wenig Ideen aber die erste Chance. Doch Müller scheiterte aus fünf Metern an Weidenfeller (55.). Es folgte eine wohl spielentscheidende Szene: BVB-Verteidiger Mats Hummels köpfte nach einer Flanke von Robert Lewandowski (aus leichter Abseitsposition) aufs Bayern-Tor, Danté klärte, doch das Spielgerät war den Fernsehbildern nach bereits knapp hinter der Linie (64.). Schiedsrichter Florian Meyer entschied jedoch auf „Weiterspielen“. Zwei Fehlentscheidungen in einer einzigen Szene, die noch für Diskussionen sorgen sollte (siehe Text unten).

Es blieb beim 0:0, bis die Verlängerung folgte. Dann kam Robben, und dann war alles, wie es schon einmal gewesen ist. Ein Déjà-vu, auf das Jürgen Klopp gern verzichtet hätte, aber Pep Guardiola die Saisonbilanz rettete. „Natürlich sind wir sehr glücklich, dass wir das heute auch geschafft haben“, sagte der Spanier nach der Bierdusche.

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