Als die elf Flüchtlinge aus der schweren Tür der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche treten, sehen sie erschöpft aus. „Wie Sie sehen, haben uns Deutschland und die Kirche abgelehnt“, sagt einer der Männer. Zwei Stunden lang hatte die Gruppe mit Pfarrer Martin Germer und weiteren Mitgliedern der Kirchengemeinde gesprochen und darum gebeten, in der Kirche bleiben zu dürfen.

Draußen hatten sich derweil Unterstützer versammelt, drinnen lief der 18-Uhr-Gottesdienst – und eine Etage darunter wurde geredet. Doch die Gemeinde lehnte es ab, die Gruppe aufzunehmen. „Was mich am meisten erstaunt ist, dass uns gerade die Kirche ablehnt“, sagt einer der Flüchtlinge, „denn ich bin ein gläubiger Mensch und ich dachte, die Kirche ist für alle Menschen auf der Welt da.“ Man habe ihnen mit der Polizei gedroht, sollten sie das Gebäude nicht verlassen, erzählen die Männer. Und Gründe habe man auch keine genannt, erzählt eine Unterstützerin, die für die Flüchtlinge aus dem Französischen übersetzt und bei dem Gespräch dabei war.

Wolfgang Kuhla, Vorsitzender des Gemeindekirchenrats, sagte der Berliner Morgenpost jedoch, dass die Gespräche offen und freundlich waren. „Wir haben unsere Gäste um Verständnis dafür gebeten, dass wir sie nicht aufnehmen können“, sagte Kuhla. Nachts sei niemand in der Kirche, und es gebe keine Schlafmöglichkeiten wie Matratzen oder Betten, hätten sie den Männern erklärt. Heute soll es ein Gespräch zwischen den Verantwortlichen der Landeskirche und den Flüchtlingen geben. „Wir können ihnen zwar nicht helfen, aber ihnen wenigstens mal zuhören“, sagte Kuhla.

Die Flüchtlinge beschlossen noch am Abend, vor der Tür der Kirche zu bleiben und so lange auszuharren, bis Deutschland ihren Forderungen nachkommt und ihnen Asyl gewährt. Die elf Männer waren am Sonntagnachmittag vom Alexanderplatz in kleinen Gruppen zur Kirche gekommen. „Wir mussten aufpassen, dass uns die Polizei dabei nicht sieht“, sagte einer der Unterstützer. Denn einige der Flüchtlinge seien akut von einer Abschiebung bedroht. Die Polizei erklärte jedoch, sie habe die Räumung zwar beobachtet, die Flüchtlinge könnten sich frei in der Stadt bewegen.

Die Gruppe hatte in den vergangenen neun Tagen auf dem Alexanderplatz eine Mahnwache abgehalten und war in einen Hungerstreik getreten.