Bei dem von Gegendemonstranten vereitelten Versuch der NPD, am Sonnabend durch Berlin-Kreuzberg zu ziehen, sind 16 Demonstranten festgenommen worden. Ihnen wird schwerer Landfriedensbruch, versuchte Gefangenenbefreiung, Widerstand gegen Polizeivollzugsbeamte und Verstoß gegen das Versammlungsgesetz vorgeworfen.

Die Bilanz, die die Polizei am Sonntag zog, weist auch 42 Strafermittlungsverfahren auf, die eingeleitet wurden. 17 der 1600 Polizisten, die an dem Einsatz beteiligt waren, wurden verletzt. In den Reihen der NPD wurden vier Personen unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung, Bedrohung und Volksverhetzung festgenommen.

Die zumeist friedlichen Gegendemonstranten wollten den Marsch der rechtsextremistischen NPD verhindern und schafften es, die etwa 120 Anhänger der NPD auf der Jannowitzbrücke regelrecht einzuschließen. Am Ende war es den Rechten lediglich gelungen, eine Distanz von etwa 150 Metern bis zur Brücken- Ecke Rungestraße zurückzulegen, bevor sie wieder zur Jannowitzbrücke umdrehen mussten.

Bereits im Vorfeld war es in Friedrichshain und Kreuzberg durch Unbekannte an verschiedenen Stellen zu Sachbeschädigungen gekommen, Vermummte hatten Straßensperren aus Autoreifen, Altkleidercontainern und Baustellenabsperrungen in Brand gesetzt. Bereits am Mittag, als die NPD-Anhänger sich noch auf der Brücke sammelten, hatten Gegendemonstranten Einsatzbeamte angegriffen und versucht, die Absperrungen zu durchbrechen.

Auch im weiteren Verlauf versuchten mehrere Aktivisten Am Köllnischen Park und in der Rungestraße, dem „Gegner“ näher zu kommen. Dabei wurden Polizisten immer wieder mit Flaschen und Steinen beworfen, zudem wurden Nebeltöpfe und Pyrotechnik gezündet. Die Einsatzbeamten setzten vereinzelt Pfefferspray und Schlagstöcke ein.

Gegen 15.25 Uhr wurde die Versammlung durch den Landesverband der NPD für beendet erklärt. Danach wurde eine weitere Demonstration unter dem Motto „Nein zum Heim in Adlershof“ bei der Polizei angemeldet. Etwa 70 NPD-Anhänger schlossen sich dem Aufzug vom S-Bahnhof Adlershof bis zum S-Bahnhof Spindlersfeld an. Zu Zwischenfällen kam es nicht. In Kreuzberg bildete sich ein Spontanaufzug der Versammlungsgegner mit bis zu 2000 Teilnehmern, der von der Köpenicker Straße bis zum Moritzplatz verlief. mb

So berichteten wir in unserem Liveticker von dem Aufzug und den Gegenprotesten:

mb