In den Berliner öffentlichen Verkehrsmitteln tragen – zumindest gefühlt – 90 Prozent der Fahrgäste Kopfhörer. Die Musik kommt aus dem Handy oder dem MP3-Player. So kann man entspannen, und die Großstadtwelt ist akustisch etwas ausgeblendet. Allerdings gilt dieses Ausblenden so richtig nur für geschlossene Kopfhörer. Eine Muschel umhüllt bei ihnen das Ohr oder zumindest den Gehörgang und mindert so Störgeräusche. Die In-Ohr-Kopfhörer können in dieser Beziehung nicht mithalten, passen allerdings auch in die Jackentasche. Wie auch immer: Die größere Variante von Ohr-aufliegenden oder Ohr-umhüllenden Kopfhörer erfreut sich wachsender Beliebtheit. Die Stiftung Warentest widmet sich diesen Kopfhörern in der Mai-Ausgabe von „Test“.
Wenige „gute“ Geräte
Wie so oft zeigt sich: Die mit „gut“ bewerteten Geräte sind nicht zwangsläufig teurer als jene, die nur ein „Befriedigend“ oder „Ausreichend“ erreichen. Die Preisspanne reicht von 23 Euro (Hama Joy Slim, Endnote 3,0) bis 209 Euro (Philips Fidelio M1BT, Endnote 4,0). Die Preise bezeichnen den mittleren Marktpreis. Insgesamt 20 Kopfhörer wurden getestet, 18 sind kabelgebundene Geräte, zwei sind kabellose, die den Schall per Funk (Bluetooth) übertragen.
Die Prüfung ergab dreimal ein „Gut“, ein breites Mittelfeld von zehn mit „befriedigend“ bewerteten Geräten, sechsmal wurde „ausreichend“ vergeben und einmal ein „Mangelhaft“. Zum Testsieger wurde ein Gerät des deutschen Traditionsunternehmens Sennheiser gekürt: der HD 229 (Endnote 2,1). Besonders erfreulich an diesem Gerät ist, dass es mit einem mittleren Preis von 59 Euro sogar im unteren Preissegment liegt. Es lässt mit seiner Klangqualität Geräte hinter sich, die mehr als doppelt so viel kosten. So unter anderem das Modell des angesagten Herstellers „Beats by Dr. Dre“. Das Gerät ist wegen seines Designs mit markantem roten Logo bei Fußballspielern und Schülern gleichermaßen beliebt. Aber der hochpreisige Kopfhörer (152 Euro) enttäuschte vor allem beim Falltest aus einer Höhe von 180 Zentimetern auf einen Holzboden. Im Gegensatz zu den meisten anderen Modellen war der Kopfhörer danach nicht mehr uneingeschränkt zu benutzen. Auch die Tonqualität konnte die Tester nicht überzeugen. Insgesamt reichte es nur für ein „Ausreichend“.
Bluetooth-Geräte schaffen nur ein „Ausreichend“
Dem preisgünstigen Testsieger folgte auf Platz zwei der Sennheiser Momentum On-Ear (Note 2,2) sowie das Modell Monster DNA On-Ear Headphones (Note 2,5). Bei dem Urteil zum Schlusslicht, dem kabelgebundenen Thomson HED 3103 Heritage, war neben ansonsten „ausreichender“ Qualität der Schadstoffgehalt ausschlaggebend, der zu einer Abwertung führte. Der HED 3103 fiel durch große Mengen des fortpflanzungsgefährdenden Phthalat-Weichmachers DEHP auf. Die Klangqualität konnte dieses Manko nicht ausgleichen, die Prüfer empfanden den Ton als dumpf und verfälschend. So kam es zu einer Bewertung von „mangelhaft“. Die beiden kabellosen Bluetooth-Geräte schafften übrigens nur ein „Ausreichend“.
Die unabhängigen Prüfer der Berliner Stiftung Warentest hatten mehrere Prüfkriterien. Mit einer Gewichtung von 65 Prozent ganz wichtig ist – naheliegend – die Tonqualität. Vier Geräte kamen auf ein „gutes“ Klangerlebnis. Zweites Testkriterium waren Störeinflüsse. Konkret: Wie groß ist die Schallabstrahlung, also das Störpotenzial der Musik für Außenstehende? Und wie groß sind die Kabelgeräusche bei Bewegung? Schließlich gab es auch besagten Falltest (Gewichtung: fünf Prozent), der klären sollte, ob die Verarbeitung hinreichend gut ist, um nicht schon bald ein neues Gerät kaufen zu müssen. Ebenfalls mit fünf Prozent Gewichtung ging der Schadstoffgehalt ein. Und schließlich mit 20 Prozent die Handhabung: Wie also ist beispielsweise der Tragekomfort, und wie leicht lässt sich der Kopfhörer aufsetzen und in der Größe verstellen?
Nicht direkt mit einer Note bedacht, aber ein wesentliches Ausstattungsmerkmal für ungetrübten Klanggenuss ist die Güte der Abschirmung von äußeren Störgeräuschen. Hier erwiesen sich die beiden „Fidelio“-Modelle von Philips als gute Wahl („starke Abschirmung“), gefolgt vom Testsieger Sennheiser HD 229 sowie Bose, Logitech, AKG K518 DJ, zwei Sony „MDR“-Modellen und von „Beats by Dr. Dre“.
Auf bequemen Sitz achten
Wobei die Störgeräusch-Abschirmung natürlich in Kombination mit der eigentlichen Tonqualität betrachtet werden muss. Was nutzt schließlich das Ausschalten von Umweltgeräuschen, wenn der Ton aus den kleinen Lautsprechern dünn oder dumpf ist. Vorsichtig muss man natürlich im Straßenverkehr sein: Gute Abschirmung heißt eben auch, Martinshorn, Hupen, Fahrradklingeln und Straßenbahnen nicht zu hören.
Die Stiftung Warentest gibt den Rat, sich einen Kopfhörer erst zu kaufen, wenn man schon ein Abspielgerät (Handy, MP3-Player) für die kommenden Jahre besitzt. Denn die Klangqualität entscheidet sich bis zu einem gewissen Grad auch im Zusammenspiel. Der Ton könne sonst recht leise sein oder von einem Rauschen begleitet. Zudem empfehlen die Tester, den Kopfhörer im Geschäft einige Minuten lang zu tragen. Erst dann spüre man, ob das Gerät wirklich bequem sitzt und nicht zu schwer oder zu locker, ob es nicht drückt oder die Ohre unangenehm heiß werden lässt.
Vor dem Ausprobieren eines Kopfhörers und dem Kauf sollte man sich schließlich noch im Klaren sein, wie wichtig einem eine Fernbedienung am Zuführungskabel ist. Praktisch ist das schon, wenn man nicht nach dem Handy in der Jacken- oder Hosentasche kramen muss, um die Lautstärke zu verändern, zum nächsten Lied zu springen oder einen eingehenden Anruf anzunehmen. Die getesteten Geräte sind hier sehr unterschiedlich ausgestattet: keinerlei Fernbedienung, ein Knopf, drei Knöpfe oder eingebautes Mikrofon zum Telefonieren. Der Testsieger ist in diesem Punkt leider spartanisch ausgestattet.
Den kompletten Test finden Sie in der Mai-Ausgabe von „Test“ oder für 2,50 Euro als Download im Internet unter www.test.de/kopfhoerer

