Flüchtlingscamp

Baumbesetzerin am Kreuzberger Oranienplatz gibt auf

Fünf Tage lang hatte Napuli P. in der Platane am Oranienplatz ausgeharrt - aus Protest gegen den Abbau des Flüchtlingscamps. Nun konnte sie zum Aufgeben überredet werden.

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Ein Rettungskissen war ausgebreitet, der Oranienplatz großräumig abgesperrt. Polizisten und Feuerwehrkräfte wollten die letzte Dauerdemonstrantin am späten Sonnabend von einem Baum holen: Napuli P. hatte seit der Räumung des Flüchtlingscamps in der Platane ausgeharrt. Die Sudanesin wollte nach dem Abbau des Flüchtlingscamps weiter für Menschenrechte protestieren, sie hielt auch die Verabredungen mit Integrationssenatorin Dilek Kolat (SPD) nicht für ausreichend. Nun konnte sie zum Aufgeben überredet werden. Sie stieg gegen 22.30 Uhr vom Baum, in eine Wolldecke gehüllt. Sie soll für ihre Forderungen nun Zusicherungen aus der Politik erhalten haben.

Zahlreiche Polizisten hatten sie zuvor abgeschirmt, zugleich fanden sich Unterstützer ein. Am Abend demonstrierten etwa 80 bis 100 Menschen neben den Absperrungen - und feuerten sie an: „Napuli, Napuli“. Sie zeigte sich anfangs trotz des Aufgebots von Polizei und Ärzten nicht bereit, den Baum zu verlassen. Napuli P. reckte die Faust in die Höhe rief: „Wir werden kämpfen!“ auf Englisch.

Vor Ort befand sich bereits ein Höheneinsatzteam der Polizei mit entsprechender Ausrüstung. Doch die Polizei versuchte, der Frau mit Hilfe von Ärzten zuzureden, freiwillig vom Baum herunterklettern.

Anspruch auf Baumprotest abgelehnt

Noch am Freitag hatte ein Gericht am Freitag einen Eilantrag auf den „Anspruch“ auf den Baum-Protest abgelehnt, Frau P. hatte demnach kein Recht darauf, sich regelmäßig Essen und Getränke bringen zu lassen. Napuli P. soll nach Polizeiangaben seit Dienstag niemanden an sich heran gelassen haben – auch keine Ärzte.

Wie eine Polizeisprecherin sagte, sei der Gesundheitszustand der Frau sehr schlecht. Dies sei bereits am Morgen von den Ärzten attestiert worden, die auch gesagt hätten, dass eine weitere Nacht im Baum nicht zu verantworten sei.

Nach dem freiwilligen Ende der Prostaktion herrscht nun Erleichterung: „Ich bin froh, dass nun auch mit Napuli der Dialog möglich und ihre Gesundheit nicht mehr gefährdet ist“, schrieb Integrationssenatorin Kolat auf Facebook.