Es kommt nicht oft vor, dass eine Filmfigur so heißt wie ihr Darsteller im richtigen Leben. In der Regel sind das die sogenannten Cameo-Auftritte von Prominenten oder Semiprominenten, die dann nicht mehr sind als ein netter Gag. Zuletzt war das zu besichtigen, als Bestseller-Autor Frank Schätzing im Kieler „Tatort“ plötzlich vor Kommissar Borowski (Axel Milberg) stand – thematisch ganz passend, es ging schließlich um den Zustand der Weltmeere.
Beim Schauspieler Horst Krause ist es aber nun schon seit Ewigkeiten so, dass er auch als „Polizeiruf“-Kommissar in Brandenburg Horst Krause heißt. Warum eigentlich?
Das liegt nur zum Teil am imposant deutschen Klang dieses Namens: Horst Krause. Horst Krause! Hirschgeweihe, Jägermeister, Schrebergärten, geflieste Wohnzimmertische und die Kalbshaxe Florida: Alles, was wir typisch deutsch nennen, scheint dieser Name zu umarmen und in sich zu bergen.
Zum anderen liegt es allerdings an einer außergewöhnlichen schauspielerischen Leistung, die derart glaubwürdig ist, dass jeder ausgedachte Name wirken würde wie ein falsches Etikett. Auch Regisseur Michael Schorr hat das wohl gespürt, als er 2003 einen der viel zu wenigen Filme mit Horst Krause in der Hauptrolle drehte und ihm den einzigen Namen verpasste, der für ihn noch denkbar ist: Schultze. „Schultze gets the blues“ hieß sein wunderbar melancholischer, sehenswerter Film.
Olga Lenski erteilt Befehle
Unser Polizeihauptmeister Horst Krause jedenfalls – dieser liebenswert adipöse, aufmerksame Polizist mit der etwas zu kleinen Uniform – muss auch in der aktuellen „Polizeiruf 110“-Folge „Käfer und Prinzessin“ erleben, wie Kommissarin Olga Lenski (Maria Simon) in der Szene erscheint und ihm Befehle erteilt. Ihn von der Hauptfigur zum Komparsen macht. Dabei ist er doch derjenige, der sich viel besser auskennt hier auf dem Land in Brandenburg und mit dem die Leute viel eher reden. Aber es wird hier in einem Mordfall ermittelt, und da zählt die Hierarchie.
Aus der Jauchegrube eines Bauernhofes birgt man eine Leiche. Es ist Martin Jahn (Niels Bruno Schmidt), der zu den 23 Personen gehört, die sich auf dem Nachbarhof der ökologischen Landwirtschaft verschrieben haben. Am Vorabend haben wir ihn noch in der Dorfkneipe streiten gesehen, es ging um den Zustand der Böden. Jetzt findet man auf seinem Hinterkopf die stumpfer Gewalteinwirkung. Olga Lenski muss feststellen, dass die Lebensgefährtin des Toten eine alte Bekannte von ihr ist: Ruth Leiberg (Fritzi Haberlandt), die sie nach dem Abschluss der Schule aus den Augen verloren hat. Das große Thema dieses „Polizeirufs“, die Frage nach dem richtigen Leben, wird in der Beziehung dieser beiden Frauen gebündelt: Während Olga sich für eine Beamtenlaufbahn entschieden hat, ist Ruth ausgestiegen und hat sich für das Kommunenleben auf dem Land entschieden. Fritzi Haberlandt spielt das vielleicht deshalb so gut, weil sie sich selbst für ein Leben auf dem Land entschieden hat.
Egoismus und Verzweiflung
Es beginnt die Suche nach Motiven und Verdächtigen. Wir lernen den Kassenwart Gunnar (Godehard Giese) kennen, dem alle vertrauten, der sich aber trotzdem Geld in die eigene Tasche schaufelte. Wir sehen den undurchdringlichen Kommunenchef Harry Wacker (Peter Lohmeyer) beim Aikido-Training zu. Er hat den Hof erworben und damit die Lebensgrundlage der Kommune geschaffen. Und wir lernen Paul Singer kennen, gespielt von Fabian Busch. Er hat mit Ruth ein Kind und sagt, es habe ihn nicht gestört, dass sie mit dem Ermordeten zusammengelebt habe. Schließlich erfahren wir, dass der Grund verseucht ist, auf dem die Gemeinde wirtschaften möchte.
Das Eintauchen in dieses ländliche Milieu ist nicht dramatisch spannend, aber auf beiläufige Weise unterhaltsam, vielleicht wie ein Frühlingstag auf dem Land. Das liegt daran, dass Drehbuchautor Clemens Murath die üblichen Klischees sehr sparsam dosiert hat. Wir kriegen also keine ökologisch-esoterischen Bulldozer vorgeführt, die sich stets im Recht wähnen. Es werden auch keine Batikpluderhosen hergestellt und keine Namen getanzt. Stattdessen haben wir es mit Menschen, die ohnmächtig vor einer großen Frage stehen: Kann das richtige Leben auch scheitern?
„Käfer und Prinzessin“, Sonntag (6. April 2014) um 20.15 Uhr in der ARD sowie auf EinsFestival um 21.45 Uhr und um 23.45 Uhr.








