Arbeitssenatorin Dilek Kolat (SPD) ist davon überzeugt, dass es in den Jobcentern zu keinen nennenswerten Rückständen wegen der Einführung einer neuen Software kommt. „Wir gehen davon aus, dass beim Start der Einführung gewährleistet ist, dass es nicht zu Verzögerungen kommt“, sagte der Sprecher der Senatorin, Mathias Gille. Wie hoch allerdings der zeitliche Aufwand durch die Übertragung der Daten per Hand in das neue System ist, könne die Arbeitsverwaltung nicht abschätzen. „Ich wünsche mir, dass es rund läuft“, sagte Gille.

Ab dem 14. April werden in den zwölf Berliner Jobcentern, wie berichtet, bestehende Daten der sogenannten Bedarfsgemeinschaften per Hand in ein neues Computersystem eingetragen. Vorerst laufen das alte und das neue System parallel. Jeder neue Fall wird im neuen System angelegt, die alten werden im alten weitergeführt, bis ein Folgeantrag auf finanzielle Hilfe einer Bedarfsgemeinschaft gestellt wird.

Dann werden auch Daten der alten Fälle übertragen. Im August soll die Umstellung abgeschlossen sein. Welche Kosten auf das Land zukommen, ist laut Arbeitsverwaltung noch nicht absehbar. Schon jetzt sind die Jobcenter mit der Umstellung zusätzlich beschäftigt, da es in Berlin kein einheitliches Erfassungssystem gibt. Ein Teil der Fälle wird alphabetisch erfasst, andere per Nummer. In Berlin gibt es 196.000 Bedarfsgemeinschaften.

Die Arbeitsexpertin der Grünen, Sabine Bangert sieht weitere Probleme. Wenn jetzt die Mitarbeiter aufgefordert werden, Überstunden zu leisten, komme es langfristig zu zusätzlichen Belastungen. Überstunden werden in den Jobcentern nicht bezahlt, sondern können nur abgebummelt werden. Der Umgang der Bundesagentur mit den Problemen rund um die Einführung der Software sei miserabel. „Es herrscht überhaupt kein Problembewusstsein.“ Dabei habe es in der Vergangenheit stets Probleme mit neuen Systemen gegeben. „Bei der Einführung von Hartz IV im Jahr 2005 ist es mit der damals eingeführten Software zu chaotischen Zuständen gekommen.“ Bangert befürchtet ähnliche Zustände auch in diesem Jahr.

-ker