Valentin erzählt von einem großen Herzen, das man haben müsse. Er legt die großen Hände auf seine Brust. Und er spricht von dem schönen Gefühl, wenn sich seine alten Patienten freuen, ihn nach drei Tagen Urlaub wiederzusehen. Valentin ist Pflegeassistent und erzählt in einem kleinen Film, warum er seinen Beruf so liebt. Warme Farben, ein lächelnder Valentin. Der Film ist Teil der Kampagne „Gepflegt in die Zukunft“, die Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU) am Freitag vorstellte.

Für die 400.000 Euro teure Kampagne haben sich, neben realen Pflegern, die aus ihrem Alltag erzählen, auch vier Prominente bereit erklärt, mitzumachen. Sänger Ross Antony, Entertainerin Désirée Nick, Komiker Ingo Appelt und Ex-Handballstar Stefan Kretzschmar haben sich dafür „auf alt“ schminken lassen. Damit soll die ganze Gesellschaft angesprochen werden, nicht nur diejenigen, die sich aus persönlichen Gründen mit Pflege beschäftigen. Das Motto: Jeder wird irgendwann einmal so alt sein, dass er vielleicht Pflege beanspruchen muss. Das Kernstück der Kampagne ist eine Webseite, auf der sich Interessierte über den Altenpflegeberuf informieren können. Außerdem wird auf rund 600 Flächen in Berlin plakatiert.

Damit ist Berlin das erste Bundesland, das im Rahmen der bundesweiten Ausbildungs- und Qualifizierungsoffensive Altenpflege eine Kampagne an den Start gebracht hat, die junge Menschen für den Beruf begeistern will. Das ist dringend notwendig. Denn sind heute in Berlin rund 110.000 Menschen pflegebedürftig, werden es 2030 170.000 sein, ein Zuwachs von mehr als 50 Prozent.

Die Kampagne will die Wertschätzung für Altenpfleger erhöhen und für die Attraktivität werben. Valentin hat seinen Job schon mal gut gemacht. Wenn er erzählt, klingt es wie die Erfüllung. Von den schweren Arbeitsbedingungen kein Wort. Nils Brandt von der Agentur Heymann Brandt de Gelmini, die das Konzept der Kampagne entwickelt hat, erzählt von der Gratwanderung, die solch ein Thema verlangt. „Einerseits wollen wir Menschen für den Beruf gewinnen, andererseits wollen wir nicht heile Welt spielen, wo keine heile Welt ist.“

912 Euro brutto für Altenpfleger im ersten Jahr

Und tatsächlich ist die Welt der Altenpflege keine heile. Die Arbeitsbedingungen sind hart, das Gehalt ist niedrig, die Aufgaben sehr anspruchsvoll. Zwar hat Mario Czaja gerade erst angekündigt, dass die Pflegedienste ab 1. April bis zum Ende des Jahres vier Prozent mehr Geld für ihre Leistungen bekommen, doch gibt es für die Dienste keine Verpflichtung, dieses Geld an die Mitarbeiter weiterzugeben.

Und die Probleme beginnen schon in der Ausbildung. An den meisten Schulen müssen die Auszubildenden Schulgeld zahlen, im Schnitt 150 Euro im Monat. Bei einer Ausbildungsvergütung von 912 Euro brutto im ersten Ausbildungsjahr. Ein anderes Probleme ist neben der drohenden Lücke an Pflegekräften die geringe Verweildauer im Beruf. Eine Studie aus dem Jahr 2012 vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung hat gezeigt, dass nach fünf Jahren Arbeit die Hälfte der Altenpfleger nicht mehr in ihrem Beruf tätig ist.

Ansehen des Berufs ist nicht sehr hoch

In Berlin sind es nach 15 Jahren nur noch rund 37 Prozent, in Brandenburg sogar nur rund 28 Prozent. „Es ist im Alltag schon ein schwerer Beruf. Das halten viele auch gerne aus, weil sie von dem Beruf überzeugt sind“, sagt Martin Matz, Vorstand des Diakonischen Werks Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz und Vorstand der Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege. „Aber das Echo, das sie bekommen, wenn sie erzählen, welchen Beruf sie ausüben, ist nicht so positiv wie bei anderen Berufen. Das Ansehen gilt es also zu steigern.“ Dafür ist die Kampagne gut.

Trotzdem ist den Verbänden der Freien Wohlfahrtspflege die Unterstützung nicht leichtgefallen, zu groß sind die Probleme. Doch mittlerweile sieht Matz die Kampagne als eine Chance, dem Thema Altenpflege öffentliche Aufmerksamkeit zu verschaffen. „Das war auch am Ende entscheidend für uns. Wir machen da mit, weil wir hoffen, dass jetzt in Berlin stärker das diskutiert wird, was auch wirklich gemacht werden muss.“