Die Berliner Verwaltung ist nur unzureichend auf künftige Internet-Attacken vorbereitet. Zwei Drittel der Computer in den Ämtern laufen mit dem Betriebssystem Windows XP, für das der Hersteller Microsoft im April die Unterstützung einstellt. Von den 48.000 XP-Computern können bis dahin jedoch nur 16.000 umgerüstet werden, geht aus der Antwort der Innenverwaltung auf eine schriftliche Anfrage der Grünen hervor.

Der IT-Experte der Fraktion, Thomas Birk, wirft dem Senat vor, sich nicht rechtzeitig um entsprechende Aktualisierungen gekümmert zu haben. „Bis heute gibt es die angekündigte Taskforce gegen die digitalen Sicherheitsgefahren nicht“, sagte Birk. Er fordert eine Umstellung der Computer in der öffentlichen Verwaltung auf unabhängige, sogenannte Open-Source-Programme nach dem Vorbild Münchens, um sich von den Erneuerungsfristen der großen Hersteller wie Microsoft unabhängig zu machen.

Die Sicherheitslücken soll nach Angaben der Innenverwaltung durch das IT-Dienstleistungszentrum des Landes (ITDZ) geschlossen werden. „Wie die aussehen, bleibt unklar und deren Wirkung auch, wenn die Abnahme auf freiwilliger Basis geschieht“, sagte Birk. Zudem hat das ITDZ nach Angaben der Innenbehörde nur bedingten Zugriff auf die Windows-Computer. Nur etwa 15 Prozent der Computer in den Verwaltungen können entsprechend betreut werden.

Internetkriminalität verursacht jährlich 418 Millionen Euro Schaden

Vor allem die für die IT zuständige Innenverwaltung habe bei der Umstellung der Computer geschlampt, kritisiert Birk. „Mindestens drei der aufgeführten Fachverfahren, die noch nicht für eine Umstellung freigegeben sind, liegen im Verantwortungsbereich der Senatsverwaltung für Inneres.“

Insgesamt sind noch viele Bereiche nicht umgestellt: Die Computersysteme für das Standesamt (Autista), die Erteilung von Anwohner-Parkausweisen (Cevap), das System für Finanzanwendungen (Dialog), die Integrierte Software Berliner Jugendhilfe (ISBJ), das Einwohnerfachverfahren (Meso), das Verfahren für nichtverkehrsrechtliche Ordnungswidrigkeiten (Nowi) und die IT der Vormundschaftskasse (ZVK/UVK).

Internetkriminalität verursacht allein in Berlin jedes Jahr einen Schaden in Höhe von 418 Millionen Euro. Das geht nach Angaben von Justizsenator Thomas Heilmann (CDU) aus dem jüngsten EU-Kriminalitätsbericht hervor. Jeder Internetnutzer sei regelmäßig von Betrugsversuchen oder sogenannten Phishing-Mails betroffen, die durch Schadsoftware ungefragt Daten aus Computern ziehen, heißt es darin.