Der Zustand der Zähne der Berliner Kinder ist alarmierend. Jedes zweite Kind hat mit sechs Jahren schon Karies. Bei den Dreijährigen haben noch 82 Prozent der Kinder ein kariesfreies Gebiss. Das geht aus den Untersuchungsergebnissen der Zahnärztlichen Dienste vom Schuljahr 2012/13 hervor, die am Donnerstag von der Senatsverwaltung für Gesundheit vorgelegt wurden. Demnach gibt es im Vergleich zum Vorjahr keinerlei Fortschritt bei der Mundgesundheit, obwohl es ein von der Politik erklärtes Ziel ist, bis 2020 bei den Milchgebissen der Sechsjährigen 80 Prozent Kariesfreiheit zu erreichen.
Insgesamt wurden von den Zahnärztlichen Diensten der Bezirke 190.759 Kinder und Jugendliche untersucht. Zusätzlich hat die Landesarbeitsgemeinschaft zur Verhütung von Zahnerkrankungen 14.747 Kitakinder begutachtet. Die Ergebnisse sind ernüchternd.
Betrachtet man die Auswertung der Zahnärztlichen Dienste nach Bezirken, wird ein Zusammenhang zwischen Zahngesundheit und sozialer Situation der Familien deutlich. Am schlechtesten sehen die Zähne der Kinder in Reinickendorf aus. Hier sind nur 43,5 Prozent der Schul- und Kitakinder kariesfrei. Gleich danach folgen die Bezirke Neukölln und Mitte, in denen die Zahl der Kinder mit Zahnproblemen auch höher ist als die der Kinder ohne Karies. Verschlechtert hat sich die Zahngesundheit in Charlottenburg-Wilmersdorf. Insgesamt 54,8 Prozent der Kinder hatten keine Karies. Im Vorjahr waren es noch 57,5 Prozent. Vorbildlich dagegen ist der Bezirk Steglitz-Zehlendorf. Hier sind 73,6 Prozent der Schul- und Kitakinder kariesfrei. Berlinweit hat sich bei den Kontrollen gezeigt, dass ein Viertel der entdeckten Kariesfälle noch nicht behandelt worden waren.
Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU) sieht angesichts der aktuellen Ergebnisse dringenden Handlungsbedarf. Noch gebe es zwar einen positiven Trend, doch die Mundgesundheit verbessere sich bei den Kindern und Jugendlichen nur langsam. Bestehende Maßnahmen müssten ausgebaut und neue Projekte initiiert werden. „An erster Stelle stehen dabei das regelmäßige Zähneputzen und gesunde Ernährung. Dies ist nach wie vor die beste Prophylaxe. Und hier sind zuerst die Eltern gefordert“, sagt Czaja. Eltern in sozial benachteiligten Gebieten sollten noch gezielter durch Beratung in Hausbesuchen angesprochen werden. „Den Eltern muss bewusst gemacht werden, welche Bedeutung die Mundgesundheit hat, auch für die Sprachentwicklung und die körperliche Entwicklung des Kindes“, so der Gesundheitssenator.
Zudem sollten vor allem in den Kitas Projekte zur Verbesserung der Zahn- und Mundgesundheit initiiert werden. Schließlich müssten schon 16 Prozent der Dreijährigen behandelt werden. Doch längst nicht in allen Kitas ist es Standard, dass sich die Kinder nach dem Mittagessen die Zähne putzen. Dabei zeigt die Erfahrung, dass gerade kleine Kinder noch sehr für Maßnahmen empfänglich sind, die den Körper betreffen und der eigenen Gesundheit dienen. Die Senatsverwaltung für Bildung ist derzeit dabei, das verbindliche Bildungsprogramm für Kitas zu überarbeiten. Gerade der Gesundheitsbereich soll dabei ausgebaut werden. Zudem wird derzeit das Modellprojekt „Kitas bewegen – für die gute gesunde Kita“ zum Landesprogramm ausgeweitet.


