„Der Prozess - muss Uli Hoeneß ins Gefängnis?“, so lautete am Sonntagabend das Thema der ARD-Live-Sendung „Günther Jauch“ aus dem Studio im Berliner Gasometer. Als Gäste hatte der Moderator den ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber (CSU), die Anwältin für Steuerstrafrecht und ehemalige Staatsanwältin Simone Kämpfer, „Stern“-Redakteur Johannes Röhrig, den ehemaliger Ratsvorsitzender der EKD, Wolfgang Huber, und den ehemaligen „Spiegel“-Chef Georg Mascolo geladen.
Die Sendung lief gerade wenige Minuten, Moderator Jauch hatte seine ersten Fragen gestellt, als plötzlich vor laufenden Kameras ein Mann auf das Podium, Richtung Studiogäste stürmte und „Freiheit, Freiheit“ rief. Seine weiteren Worte gingen im kurzen Tumult unter. Allerdings klang es wie „alles Verarsche“.
Dies passierte just in dem Moment, als Theologe Wolfgang Huber zu einer Antwort anheben wollte und die Kamera auf ihn gerichtet war. Es dauerte nur wenige Minuten, dann konnte man den Zwischenfall auf Youtube sehen.
Für Wolfgang Huber war es eine Schrecksekunde, er zuckte sichtbar zusammen. Doch mehrere Sicherheitsmänner ergriffen den bislang Unbekannten, warfen ihn zu Boden und trugen ihn aus dem Sichtfeld der Fernsehzuschauer.
Für wen oder was der Mann „Freiheit“ forderte oder was seine Motiv war, blieb zunächst unklar.
Günter Jauch sagte unmittelbar nach dem Zwischenfall: „Wir wissen nicht, was der Mann wollte. Aber es ist ja nicht das erste Mal.“ Dabei hob er vom Boden einen Gegenstand auf, der wie ein Handy aussah. Zudem kündigte Jauch an: „Wir werden versuchen, festzustellen, was da gewesen ist, was der Mann wollte.“
Danach ging die Diskussion zu Uli Hoeneß und den am Montag in München gegen ihn beginnenden Prozess wegen Steuerhinterziehung weiter.
„Probleme mit seiner Wohnung“
Am Ende der Sendung kam Jauch auf den Zwischenfall zurück. Er erklärte, der „Herr“, der „sich hier störend genähert hat“, habe „Probleme mit seiner Wohnung“. „Für uns ist das ein privates Problem“, so der Moderator weiter. Er bitte um Verständnis, dass man in einem solchen Fall nicht darauf eingehen könne. Dem Mann ginge es jedoch „gut“.
In der Tat war dies nicht der erste Zwischenfall in einer Live-Sendung von Jauch. So stürmte im Mai 2012 ein Protestler mit lauten Schreien die Studiobühne. Der Mann wollte sich vernehmlich zum Streit über den Neubau für die renommierte Berliner Schauspielschule Ernst Busch äußern. Sicherheitsmänner führten ihn jedoch aus dem Studio.
Dann wurde der Störenfried auf Geheiß des Moderators wieder hereingebracht. „Hier wird keiner einfach aus der Sendung wie in der Ukraine rausgehauen“, sagte Jauch. Es entfachte sich damals eine kurze Diskussion über das Anliegen des Mannes.


