Nach dem Winter kommt der Frühling – so viel ist sicher. In diesem Jahr kommt er gefühlt aber mindestens einen Monat eher als erwartet. Der Winter 2012/2013 zählte zu den düstersten überhaupt, der Jahresbeginn 2013 brachte den sonnenärmsten, wolkigsten Januar seit 60 Jahren. Im Winter 2013/14 dagegen schien überdurchschnittlich viel Sonne, fiel lediglich zwei Drittel des durchschnittlichen Niederschlags. Und ganz im Gegensatz zur derzeitigen Wetterlage zählten die vorherigen Winter seit 2009 zu den eisigsten der letzten Jahrzehnte. Für Astronomen ist der Frühlingsbeginn identisch mit dem kalendarischen. Er beginnt, wenn die Sonne im Zenit über dem Äquator steht. In diesem Jahr ist es am 20. März um 17.57 Uhr MEZ soweit. Meteorologen rechnen Jahreszeiten zur Berechnung von Klimadaten in ganzen Monaten. Der Frühling beginnt für die Wetterexperten deshalb schon am 1. März. Carolin Brühl hat mit dem Meteorologen Jürgen Schmidt vom Wetterdienst Wetterkontor über den ungewöhnlich milden Winter gesprochen.

Berliner Morgenpost: Herr Schmidt, wir haben jetzt Anfang März und bereits einen ausgesprochen sonnigen Februar hinter uns. Gefühlt ist hier in Berlin ein Wetter wie Ostern. Ist das ungewöhnlich?

Jürgen Schmidt: Die derzeitigen Temperaturen sind für Anfang März nicht ungewöhnlich, zurzeit haben wir sogar eine eher etwas kühlere Phase. Der Winter war bei uns natürlich sehr mild, abgesehen von der kurzen Phase Ende Januar mit Dauerfrost und Schnee. Es war der mildeste Winter seit 2007/08.

Was für einer Wetterlage haben wir den frühen Frühling zu verdanken?

Der Grund für den sehr milden Februar und die fast frühlingshaften Temperaturen der letzten Zeit waren Tiefdruckgebiete über den Britischen Inseln, die immer wieder mit kräftigen Winden milde Luft aus Südwesten zu uns gelenkt haben. So hatte die Kaltluft über Russland und Skandinavien keine Chance, zu uns zu gelangen.

Fällt ein milder Winter wie dieser deswegen so positiv auf, weil die Vorgänger so richtig kalt waren?

Ja, kann man so sagen. Denn die letzten fünf Winter waren ja, abgesehen vom dem 2011/12 alle in Berlin zum Teil deutlich zu kalt. Außerdem gab es einige Scharlatane, die den Menschen einen der kältesten Winter in Deutschland seit langem vorhergesagt haben…

Gab es in den Wetteraufzeichnungen schon öfters solche milden Februare, oder schlägt hier nun die Klimaerwärmung durch?

Nein, es gibt immer mal wieder sehr milde Februarmonate bei uns in Deutschland. So zum Beispiel 2008 und 2007, oder auch 2002. Alle diese Februarmonate waren mehr als zwei Grad zu warm gegenüber dem langjährigen Mittel, der wärmste war der Februar 2002 mit einer Abweichung von vier Grad. Der Februar 1990 brachte sogar eine positive Abweichung von 5,2 Grad.

Kommt denn noch einmal ein Wintereinbruch, oder haben wir das Schlimmste in diesem Jahr hinter uns?

Mit einem großen Wintereinbruch mit Schnee und Eis rechnen wir nicht mehr. Allerdings kann es noch bis weit in den April Fröste um oder unter minus 5 Grad geben. Erst Ende Mai ist man vor Frost in Berlin fast gänzlich sicher.

Verspricht dieser milde Winter nun auch einen heißen Sommer?

Das kann man noch nicht sagen. Nach milden Wintern gab es in der Vergangenheit warme aber auch kühle Sommer. Ein direkter Zusammenhang ist hier also nicht zu sehen. Aktuell deuten die Langfristvorhersagen aber erst einmal auf ein recht mildes Frühjahr hin, aber auch diese Prognosen sind mit Vorsicht zu genießen.

Sie können also noch nicht sagen, ob für die langen Frühjahrswochenenden Ostern, Himmelfahrt oder den 1. Mai ideales Ausflugswetter in Berlin herrscht?

Nein, alle Prognosen, die über zehn Tage hinausgehen, wären unseriös.