Neukölln

Hunderte demonstrierten gegen NPD am Rathaus Neukölln

Zehn Demonstranten der NPD haben sich heute Nachmittag vor dem Rathaus Neukölln versammelt. Dort stießen sie auf 400 Gegendemonstranten und 120 Polizisten. Grund war eine Piraten-Abgeordnete.

Foto: Steffen Pletl

Rund um das Rathaus Neukölln war der Verkehr am Mittwochnachmittag praktisch zum Erliegen gekommen. Grund war eine einstündige Demonstration vor dem Rathaus.

Die rechtsextreme NPD hatte dort ab 16.30 Uhr eine Versammlung angemeldet, zu der ungefähr zehn Neonazis erschienen waren. Zur Gegendemonstration kamen jedoch 300 bis 400 Menschen, zusätzlich wurden 120 Polizisten eingesetzt, um mögliche Auseinandersetzungen zu verhindern.

Die Demonstranten warfen Tomaten, Eier und Pyrotechnik auf die NPD-Anhänger. Während der beiden Kundgebungen wurden sechs Menschen festgenommen, wie die Polizei mitteilte. Polizisten schrieben insgesamt zehn Strafanzeigen – unter anderem wegen Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz und versuchter Körperverletzung. Beide Veranstaltungen seien bei der Polizei angemeldet gewesen, hieß es.

Während der Demonstration war die Karl-Marx-Straße in Höhe Rathaus Neukölln stadteinwärts gesperrt. Autofahrer wurden gebeten, das Gebiet zu umfahren.

Anlass ist Femen-Aktion von Europawahl-Kandidatin Anne Helm

Die NPD wollte mit der Versammlung gegen die umstrittene Dresdner Aktion einer Neuköllner Piraten-Bezirksverordnete demonstrieren. Die Europawahl-Kandidatin Anne Helm hatte sich Mitte Februar zum Jahrestag der Zerstörung Dresdens im Zweiten Weltkrieg vermummt im Gesicht als Femen-Aktivistin mit nacktem Oberkörper fotografieren lassen, auf dem "Thanks Bomber Harris" aufgemalt war.

Der britische Air Chief Marshall Arthur Harris war mitverantwortlich für das Bombardement Dresdens. Die Aktion hatte innerhalb der Piraten für anhaltenden Streit gesorgt, weil sie als Verhöhnung der Bombenopfer missverstanden werden könne – nachdem sie die Aktion lange abgestritten hatte, hat sich Helm schließlich dafür entschuldigt.

Sie habe „Nazis provozieren, aber keine Opfer verhöhnen“ wollen. Die BVV-Abgeordnete soll seit der Aktion jedoch Drohungen von Neonazis erhalten.