Wer auf die S-Bahn oder den nächsten Bus wartet, kann sich die Wartezeit jetzt mit einer hübschen und zudem durchaus informativen Spielerei verkürzen. Zumindest, wenn er im Besitz eines Smartphones ist. Doch auch von zu Hause aus lässt sich der Hauptstadtverkehr auf ganz neue, dynamische Art erleben.

Denn auf der Internet-Seite des Verkehrsverbundes Berlin Brandenburg findet jeder Interessierte jetzt einen Stadtplan, der ihm nicht nur die nächste Haltestelle anzeigt, sondern auch die aktuellen Fahrbewegungen.

Zu sehen bekommt er auf der Live-Karte, die Berlin und Brandenburg umfasst, ein buntes Gewimmel aus Piktogrammen. Denn jeder Bus und jeder Zug wird mit einem Symbol in der fahrplanüblichen Gestaltung angezeigt – also zum Beispiel ein grüner Kreis mit weißem S für die S-Bahn oder ein blaues Viereck mit weißem U darauf für die U-Bahn.

Ein weiteres Symbol darunter verrät die jeweils befahrene Linie (zum Beispiel S75 oder U9) und – da wird es für den Fahrgast spannend – die jeweilige Abweichung vom Fahrplan in grünen Plus- oder roten Minus-Minuten. Um das im Detail aber überhaupt erkennen zu können, muss der Internetnutzer schon dichter ran. Entweder über die Eingabe eines Straßennamens oder einer Haltestelle. Oder alternativ mit dem links im Bild zu sehenden Zoombalken.

Alles auf einen Blick

„Der Fahrgast, der an einer bestimmten Haltestelle steht, kann mithilfe unserer Karte einen schnellen Überblick gewinnen, mit welchen Verkehrsmitteln er dort als Nächstes rechnen kann“, sagte VBB-Sprecherin Elke Krokowski. Gerade in einer Großstadt wie Berlin gebe es ja nicht nur eine Möglichkeit, von A nach B zu gelangen. Verspätet sich etwa am Bahnhof Zoologischer Garten die S-Bahn, kann der Reisende auf den Regionalzug, die U-Bahn oder den Bus ausweichen. Die Karte verrät, welches Verkehrsmittel als nächstes kommt.

Für fortgeschrittene Nahverkehrsnutzer verrät die Übersichtskarte noch viel mehr. Gibt es etwa auf einer Bahnstrecke eine Signalstörung, dann stauen sich die angezeigten Züge an einer bestimmten Stelle. „Da kann man rechtzeitig über Fahralternativen nachdenken“, beschreibt die VBB-Sprecherin den Nutzen der Anzeige.

Insgesamt gibt es in Berlin und Brandenburg etwa 1000 Verkehrslinien und mehr als 13.000 Haltestellen. In einem Bedienfenster neben der Übersichtskarte kann dabei – differenziert nach den Verkehrsmitteln – die Anzeige von Haltestelle und Fahrten angeklickt werden. Zur Auswahl stehen Fern- und Regionalverkehr, S- und U-Bahn, aber auch Tram, Bus und Fähre. Und wer er es besonders bunt mag, kann sich natürlich auch gleich alle Verkehrsangebote auf einmal anzeigen lassen.

Die neue Karte ist für den VBB keine völlige Neuentwicklung. Sie visualisiert lediglich die Informationen, die bereits über die Fahrplanauskunft des Verkehrsverbundes abgerufen werden können. Entweder auf der Internetseite oder mithilfe der VBB-Fahrinfo-App können Start- und Zielort sowie die gewünschte Abfahrts- oder Ankunftszeit eingetragen werden.

BVG-Fahrzeuge noch nach Fahrplandaten dargestellt

Nach einem Bestätigungsklick werden die möglichen Verbindungen und Fahrtzeiten angezeigt. Hinterlegt sind diesem sehr sinnvollen Informationssystem die Daten fast aller im VBB vertretenen Verkehrsunternehmen, darunter die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), die Deutsche Bahn (verantwortlich für den Fern-, Regional- und S-Bahn-Verkehr), aber auch zahlreiche Verkehrsunternehmen aus Brandenburg. Auch die Regionalzüge der Ostdeutschen Eisenbahn GmbH (Odeg) sind dabei.

Bei den Ausgangsdaten gibt es allerdings noch Unterschiede: Während die Bahn oder die Odeg sogenannte Echtzeit-Daten an den VBB liefert, werden Busse und Bahnen der BVG nur mit sogenannten Fahrplandaten angezeigt. Verspätungen sind da noch nicht ersichtlich. Ein deutliches Manko, für das der VBB aber nichts kann. Die BVG kann bislang ihre Realdaten von Bussen und Bahnen weder an die eigene Fahrplan-App noch an die Informationssysteme des Verkehrsverbundes übergeben. Ein sogenanntes Schnittstellen-Problem. „Wir arbeiten intensiv an einer technischen Lösung. Unser Ziel ist es, bis Ende des Jahres dem VBB die Echtzeitdaten bereitstellen zu können“, sagte BVG-Sprecher Markus Falkner.

Schneller will der VBB einen anderen Nachteil beseitigen. Denn gerade für Smartphone-Nutzer ist die Karte nicht besonders komfortabel nutzbar. Der Verkehrsverbund plant daher eine Version, die an die Interessen der Unterwegsnutzer speziell angepasst wird. Sie soll dann in eine Handy-Applikation eingepasst werden, die am heutigen Dienstag vom Verkehrsverbund offiziell vorgestellt wird. Die neue VBB-App soll dann auch im gesamten Verbundgebiet ermöglichen, sich über das Handy einen Fahrkarte zu kaufen.