In Berlin besuchen immer mehr Kinder eine Kita. Die Prognosen der Senatsverwaltung werden durch die hohe Nachfrage bei den Eltern überholt. Im Sommer des Jahres 2012 ging Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) noch davon aus, dass bis Ende 2015 70 Prozent der ein- bis dreijährigen und 95 Prozent der drei- bis sechsjährigen Kinder einen Kitaplatz beanspruchen.

Doch diese Betreuungsquoten sind bereits jetzt fast erreicht. Nach neuen Zahlen liegt dieses Verhältnis von Kita-Zöglingen zu allen Kindern in der jüngeren Altersgruppe bei 69,1 Prozent, bei den Älteren bei 94,7 Prozent. Als Scheeres vor anderthalb Jahren ihre Zielsetzung formulierte, lagen die Quoten bei 63 und 93 Prozent.

Insgesamt bieten öffentliche und private Träger 142.000 Kitaplätze an. Von denen sind 136.691 belegt. Bis Mitte des Jahres 2014 rechnen Scheeres’ Beamte mit einem Anstieg der belegten Kita-Plätze um 7500 auf dann 144.000. Um den Bedarf zu decken, wird das Landesprogramm zum Kita-Ausbau im Doppelhaushalt 2014/15 mit insgesamt 18 Millionen Euro in leicht abgeschmolzenem Umfang weitergeführt.

Einen Kita-Platz zu schaffen, kostet bis zu 7000 Euro. Jeden Kita-Platz lässt sich Berlin im Durchschnitt 7542 Euro pro Jahr kosten, wobei die Kostensätze je nach Alter der Kinder und Betreuungszeit zwischen 5500 und 12.800 Euro schwanken. Insgesamt wendet Berlin für Kindertagesbetreuung pro Jahr 1,1 Milliarden Euro auf.

618 Babys werden in Berliner Krippen betreut

Die Antwort der Senatorin auf eine Anfrage des SPD-Abgeordneten Joschka Langenbrink bringt aber auch Unterschiede zwischen den Bezirken ans Licht. In Bezirken wie Pankow und Treptow-Köpenick gehen mit Betreuungsquoten von fast 98 Prozent annähernd alle Drei- bis Sechsjährigen in eine Kindertagesstätte.

Auch bei den kleineren zwischen eins und drei nutzen dort weit mehr als 80 Prozent das frühkindliche Bildungsangebot. Die meisten anderen Bezirke liegen bei knapp 94 und knapp 96 Prozent bei den Größeren sowie 66 und 75 Prozent bei den Kleinen. Dass Eltern ihre Kinder schon im ersten Lebensjahr in eine Kita geben, kommt hingegen selten vor. Insgesamt werden in Berlins Krippen nur 618 Babys versorgt.

Deutlich weniger verbreitet als im Rest der Stadt ist der Kita-Besuch in zwei Bezirken. In Neukölln bleibt fast jedes zweite Kind zwischen eins und drei Jahren der Kita fern (Betreuungsquote 55,3 Prozent), bei den Älteren fast jedes zehnte (91,6 Prozent). In Mitte ist das mit 60,4 und 90,4 Prozent ähnlich.

In Reinickendorf bleiben vier von zehn Kindern unter drei zu Hause. Weil der geringere Kita-Besuch in sozialen Brennpunkten zu beobachten ist, fordern Neuköllns Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky und SPD-Fraktionschef Raed Saleh eine gesetzliche Kita-Pflicht.