Es gibt Vorgänge, die sollte man sich auf der Zunge zergehen lassen. Joachimsthal im Landkreis Barnim wünscht sich, dass die Joachimstaler Straße in Berlin wieder mit „h“ geschrieben wird. Reinhard Naumann (SPD), Bezirksbürgermeister von Charlottenburg-Wilmersdorf, unterstützt diese „Korrektur“. Namen seien identitätsstiftend, sagt er.
Doch die Folgen wären teuer: Die Geschäftsbetriebe und Anwohner in der Joachimstaler Straße könnten ihre Briefbögen, Visitenkarten, Flyer wohl aufbrauchen. Aber Stadtpläne müssten verbessert werden, Online-Auftritte angepasst und Navigationssysteme geändert. Anwohner dürfen ihre Pässe und Ausweise kostenlos ändern lassen - nur kostenlos ist das ja auch nicht, das kostet Steuergeld.
Da hilft es auch nichts, dass es sich laut Naumann nicht um eine „umfängliche Namensänderung“ handelt. Man kann argumentieren, dass man Fehler korrigieren sollte – zumindest, wenn sie untragbar sind oder große Härten verursachen. Aber ein „h“? Wem tut dieser Fehler weh? Es stimmt, viele Menschen schreiben die Joachimstaler Straße fälschlicherweise richtig, nämlich mit „h“, aber gerade das gehört zu dem Charme dieser Geschichte. Und das soll jetzt nach mehr als 80 Jahren „korrigiert“ werden?
Inzwischen verwenden die Bezirksverordneten im Bauausschuss ihre kostbare Zeit auf das Problem, wo es doch wirklich wichtigere Baustellen gibt. Und was ist mit den anderen „falsch“ geschriebenen Straßen in Berlin? Zum Beispiel dem Kottbusser Damm und den Schloß(ss)straßen? Cottbus hat noch keine Einwände erhoben. Es muss nicht immer alles auf typisch deutsche Weise „korrekt“ sein.




