Am 7. Februar 1989 widersprach der DDR-Schriftsteller Stephan Hermlin der unlängst von Staats- und SED-Parteichef Erich Honecker gemachten Äußerung, die Mauer werde es auch noch in 100 Jahren geben.

Hermlin sagte: „Das glaube ich nicht.“ Die Mauer werde nicht 100 Jahre stehen, auch nicht 50Jahre, wenn sich die Dinge so weiterentwickelten wie bisher. In dem Gespräch mit dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ sagte Hermlin weiter, „einer der ernsten Mängel in der DDR“ sei die fehlende öffentliche Debatte. „Nach meiner Meinung brauchen wir vor allem Glasnost (Offenheit). Perestroika – die Umgestaltung der Gesellschaft – stehe gar nicht so zur Debatte.

Stephan Hermlin bezeichnete es als einen „schweren Fehler, der eigenen Bevölkerung nicht mehr Vertrauen entgegenzubringen“.