Stillstand bei der Bahn, von der Außenwelt abgeschlossene Täler, Tod in der Lawine: Der unablässige Schneefall löst im Süden Österreichs Alarmstimmung aus. Angesichts von einem Meter Neuschnee ist am Freitag der Bahnverkehr in Kärnten weitgehend zusammengebrochen. Auch Osttirol versinkt im Schnee. Bis Sonntag sollen noch einmal bis zu anderthalb Meter fallen. Das Bundesheer steht mit mehr als 1200 Soldaten und fünf Hubschraubern bereit, um auf Anforderung von Behörden Hilfe leisten zu können.

Von Klagenfurt aus ging kaum mehr ein Zug. Der Katastrophenschutz rief die Bewohner des Drau-, Gail- und Lesachtals zu höchster Vorsicht auf: „Bleiben Sie bitte soweit es geht zu Hause und fahren Sie nur, wenn es wirklich dringend nötig ist mit dem Auto“, wurde appelliert. Allerorten drohen Lawinen. Freitagvormittag wurde die Tauernautobahn (A10) für Lkws über 7,5 Tonnen geschlossen.

Im benachbarten Osttirol wurde in Innervillgraten der 53 Jahre alte Fahrer eines Räumfahrzeugs getötet, als eine Lawine seinen Wagen erfasste. Ein 38-Jähriger starb beim Schneeräumen an einem Bach, als eine Lawine niederging. In der Region Villach mussten die Bewohner von 35 Häusern wegen Lawinengefahr vorsorglich ihr Heim verlassen.

Bahn rät Kunden, daheim zu bleiben

Die Österreichische Bundesbahn (ÖBB) ersucht alle Kunden, „planbare Reisen von und nach Kärnten zu verschieben“. Die ÖBB stellte den Fernverkehr auf der Tauernachse aus Sicherheitsgründen ein. „Das Risiko, dass ein Zug hängen bleibt und wir die Passagiere nicht befreien können, ist zu groß“, sagte ein ÖBB-Sprecher zur Nachrichtenagentur APA.

Wie die Bundesbahn auf ihrer Website in einer Reisewarnung mitteilt, ist der Bahnverkehr im Raum Kärnten großteils eingestellt. Nur im Raum Villach sei der Zugverkehr noch sehr eingeschränkt möglich. Ein Schienenersatzverkehr mit Autobussen sei aufgrund der Wetterlage großteils nicht möglich.

Internationale Fernverkehrszüge von und nach Kärnten werden der Bundesbahn zufolge über die Ennstalstrecke umgeleitet. Es komme dabei zu Verspätungen von über 120 Minuten. Fernverkehrszüge, die von Wien Westbahnhof und Salzburg Hauptbahnhof kommen, enden in Badgastein. Ein Schienenersatzverkehr ab Badgastein Richtung Villach ist ebenfalls nicht möglich.

Dächer leiden unter der Schneelast

Der immense Schneefall hatte auch zur Folge, dass in Kärnten und Osttirol am Freitag in vielen Schulen der Unterricht ausfiel. In den betroffenen Gebieten wächst zudem die Sorge, dass die Dächer mancher Gebäude die Schneelast bald nicht mehr tragen können. Experten warnten Hausbesitzer davor, selber zur Schaufel zu greifen.

Im Gegensatz zum Süden ist nördlich des Alpenhauptkamms die Lage entspannt. Nach einer Übersicht der Zentralanstalt für Meteorologie hat es im Süden Österreichs im Januar soviel geregnet und geschneit wie seit hundert Jahren nicht mehr.

dpa/sh